Ein rührender Nachruf ihres ehemaligen Studienkollegen Atavit Suwanpakdee gewährt tiefe Einblicke in das Leben der verstorbenen thailändischen Prinzessin Bajrakitiyabha Narendira Debyavati. Abseits des royalen Protokolls zeigte sie an der Universität eine außergewöhnliche Nahbarkeit und prägte das Leben ihrer Mitmenschen nachhaltig.

Als Atavit Suwanpakdee erfuhr, dass ein Mitglied der königlichen Familie an der Juristischen Fakultät der Thammasat-Universität studieren würde, war die Anspannung groß. „Ich war zunächst nervös“, gesteht der heutige stellvertretende Vorsitzende der Vereinigten Thailändischen Nation Partei auf seiner Facebook-Seite. Doch die Sorgen des damaligen Studenten verflogen im Nu, als Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Bajrakitiyabha Narendira Debyavati den Raum betrat. Mit einer überraschenden Geste brach sie sofort das Eis: Sie forderte ihre Kommilitonen auf, sie schlicht „Bha“ zu nennen, ermutigte sie zum direkten Gespräch und bat ausdrücklich darum, auf die formelle, königliche Sprache zu verzichten.

„Sie sagte: ‚Mein Name ist ‚Bha‘. Meine Freunde nennen mich ‚Than‘. Sie müssen mir gegenüber keine königliche Sprache verwenden‘“, erinnert sich Suwanpakdee.

Diese erste, prägende Begegnung legte den Grundstein für eine tiefe Freundschaft, die weit über das Studium am Tha Prachan Campus hinausreichen sollte – über gemeinsame Auslandsaufenthalte bis hin in die ersten Berufsjahre.

Alltag im Zeichen der Normalität

Trotz ihres hohen royalen Status führte Prinzessin Bajrakitiyabha laut Suwanpakdee ein Leben, das sich kaum von dem einer gewöhnlichen Studentin unterschied. Während sie parallel dazu bereits königliche Pflichten wahrnahm, mischte sie sich ganz ungezwungen unter die Studierenden. Sie stand geduldig in Schlangen an, um Essen zu kaufen, traf sich mit Freunden in lokalen Restaurants rund um den Campus und engagierte sich aktiv in studentischen Organisationen. Von Kommilitonen und älteren Jahrgängen gleichermaßen bewundert, blieb sie stets diszipliniert, fröhlich und nahbar – Distanz war ihr fremd.

Eine besonders lebendige Erinnerung verbindet Suwanpakdee mit einer Einführungsveranstaltung der Jura-Gruppe. Da die Prinzessin die traditionellen Initiationsriten im ersten Jahr verpasst hatte, schlug er ihr scherzhaft eine Nachholzeremonie vor. Die Königliche Hoheit willigte prompt ein. Im Zuge der Feierlichkeiten bemalten die Mitstudierenden ihr spielerisch das Gesicht. „Sie lachte und wir lachten. Das ist eine Erinnerung, die ich nie vergessen werde“, so Suwanpakdee.

Akademischer Exzellenzkurs von Thailand nach Amerika

Neben ihrer Lebensfreude bestach die Prinzessin durch herausragende akademische Fähigkeiten und ein bemerkenswertes Gedächtnis. Nach dem erfolgreichen Abschluss an der Thammasat-Universität zog es beide für ein Aufbaustudium in die USA. Während Suwanpakdee in Boston studierte, absolvierte die Prinzessin ihr Postgraduiertenstudium an der renommierten Cornell University, wo sie später auch promovierte.

Suwanpakdee erinnert sich an einen Besuch in Cornell, bei dem er die Prinzessin beobachtete, wie sie bei eisigen Temperaturen allein und mit einem schweren, bücherbeladenen Rucksack über den Campus ging: „Sie hat fleißig gelernt und hatte eine enorme Ausdauer.“

Eine Karriere im Dienste der Nation

Nach ihrer akademischen Ausbildung schlug Prinzessin Bajrakitiyabha eine beeindruckende Karriere ein. Zunächst vertrat sie ihr Heimatland als Diplomatin bei der thailändischen Mission bei den Vereinten Nationen in New York. Nach ihrer Rückkehr nach Thailand wechselte sie in den Justizdienst und arbeitete als Staatsanwältin.

Ihre sprichwörtliche Bescheidenheit legte sie dabei nie ab. Selbst während ihrer Zeit in der Staatsanwaltschaft war es keine Seltenheit, sie beim Mittagessen mit Kollegen in einfachen, lokalen Nudelgeschäften in der Nähe des Büros des Generalstaatsanwalts anzutreffen. „Überall, wo sie hinkam, war sie bei allen sehr beliebt“, betont Suwanpakdee.

Ein schwerer Verlust für das Land

Für Suwanpakdee war Prinzessin Bajrakitiyabha weit mehr als eine außergewöhnliche Frau – sie war eine Quelle der Hoffnung sowohl für ihren Vater, König Vajiralongkorn, als auch für das gesamte thailändische Volk. In ihren Rollen als Diplomatin, Anwältin und Offizierin hinterließ sie tiefgreifende Spuren.

Mit großer Trauer reagiert der Politiker auf ihren Tod und erklärt, er werde sich immer an ihre Güte, ihren scharfen Intellekt und ihre unerschütterliche Hingabe für ihr Land erinnern. Als Zeichen dieser lebenslangen Verbundenheit teilte er auf Facebook neben seinen persönlichen Worten auch ein gemeinsames Foto mit der verstorbenen Prinzessin.

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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