Ein schockierender Fall von internationalem Menschenhandel hat ein juristisches Nachspiel: Das thailändische Strafgericht hat gestern, am 29. Juni, eine 29-jährige Mutter zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Die Frau hatte ihre erst 12-jährige Tochter nach Japan gelockt, um sie dort skrupellos sexuell ausbeuten zu lassen. Dank einer engen Kooperation internationaler Behörden konnte das Netzwerk zerschlagen und die Mutter zur Rechenschaft gezogen werden.
Die Reise in die Falle: Ausbildung im Massagesalon
Das Martyrium des Kindes begann im Juni des vergangenen Jahres. Unter dem Deckmantel eines visafreien Einreiseprogramms reiste die Mutter gemeinsam mit ihrer Tochter nach Japan. Ziel war ein Massagesalon, der sich in einem Gebäude im Tokioter Stadtteil Bunkyo befand. Vor Ort wurde das Mädchen systematisch für die Ausübung von Massagen und sexuellen Dienstleistungen geschult. Im Juli verließ die Mutter Tokio wieder – mit dem Versprechen, bald zurückzukehren. Ein Versprechen, das sie nie einlöste.
60 Kunden in 33 Tagen: Das unfassbare Martyrium des Kindes
Nach der Abreise der Mutter war die Zwölfjährige völlig auf sich allein gestellt und der Ausbeutung schutzlos ausgeliefert. Innerhalb von nur 33 Tagen wurde das Kind gezwungen, mehr als 60 Kunden zu bedienen. Die Lebensumstände waren katastrophal: Das Mädchen musste auf dem Küchenboden des Salons schlafen und erhielt lediglich das Nötigste an Nahrung, um zu überleben. Der Betrieb erwirtschaftete durch die brutale Ausbeutung des Kindes mehr als 600.000 Yen, was umgerechnet etwa 123.000 Baht entspricht.
Flucht zur Polizei und internationale Festnahmen
Das Drama endete im November, als dem Kind die Flucht gelang. Das Mädchen vertraute sich der japanischen Polizei an und berichtete, dass ihre eigene Mutter sie in dem Massagesalon zurückgelassen und zur Prostitution gezwungen habe. Die Ermittler leiteten sofort eine gemeinsame Untersuchung der japanischen und thailändischen Behörden ein.
In Tokio nahmen die Beamten den 51-jährigen Besitzer des Massagesalons wegen des Verdachts auf Kinderarbeit fest. Die Mutter des Kindes, die als die 29-jährige Luck identifiziert wurde, war untergetaucht. Sie konnte schließlich in Taiwan lokalisiert, festgenommen und für das Gerichtsverfahren nach Thailand überstellt werden.
Das Urteil: Geständnis halbiert die Haftstrafe
Vor Gericht wurde Luck wegen Menschenhandels und Beihilfe zur Prostitution angeklagt. Im Zuge der Verhandlung kam auch die Vorgeschichte der Angeklagten zur Sprache: Die 29-Jährige war bis dato nicht vorbestraft. Sie hatte zuvor zeitweise als Masseurin im Ausland gearbeitet. Bei diesen Aufenthalten, die jeweils zwischen 14 und 19 Tagen dauerten, verdiente sie zwischen 50.000 und 80.000 Baht pro Reise.
Aufgrund der erdrückenden Beweislage, zu der auch ihr beschlagnahmtes Mobiltelefon gehörte, sprach das Gericht Luck in allen Punkten schuldig. Da die Angeklagte die Taten umfassend gestand, halbierte das Gericht das Strafmaß: Statt der ursprünglich vorgesehenen 15 Jahre Haft wurde Luck zu einer Gefängnisstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten verurteilt.