Nach der Festnahme einer thailändischen Flugbegleiterin in Australien wegen mutmaßlichen Heroinschmuggels weisen die Ermittlungen in Thailand eine überraschende Wendung auf. Die thailändische Antidrogenbehörde vermutet, dass die Frau ahnungslos als Drogenkurier benutzt wurde und Opfer eines professionellen, transnationalen Schmuggelnetzwerks wurde.
Ermittler bezweifeln Vorsatz der Flugbegleiterin
Die Beweise, die das thailändische Office of the Narcotics Control Board (ONCB) bislang zusammengetragen hat, entlasten das TG-Kabinenbesatzungsmitglied zunehmend. Wie ONCB-Sprecherin Areepak Ngernbamroong bekannt gab, lässt der aktuelle Ermittlungsstand nicht darauf schließen, dass die Frau mit krimineller Absicht handelte. Es sei noch völlig unklar, ob sie überhaupt wusste, dass sich in den von ihr transportierten Tragetaschen Heroin befand.
Ein zentraler Lieferant, der von den Behörden als Uthai identifiziert wurde, stützt diese These. Er gab bei den Vernehmungen an, der Flugbegleiterin bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal ein Paket übergeben zu haben.
Auch der Freund der Beschuldigten wurde intensiv befragt. Seine Aussage untermauert die Version einer arglosen Dienstreise: Vor dem Packen habe das Paar jede einzelne Tasche geöffnet und kontrolliert. Da keinerlei Verdächtiges zu sehen war, verschlossen sie die Taschen wieder und verstauten sie im Koffer. Selbst die Röntgenkontrolle am Flughafen Suvarnabhumi schlug vor dem Abflug keinen Alarm.
Finanzielle Spur führt weg vom großen Drogengeld
Gegen eine bewusste Tat spricht laut ONCB auch die finanzielle Situation der Frau: Auf ihrem Bankkonto wurden lediglich wenige Tausend Baht gefunden. Die Ermittler prüfen derzeit die Zahlungen rund um die Liefervereinbarung genauer. Statt der ursprünglich angenommenen Summe von 8.800 Baht stießen die Behörden auf zwei separate Überweisungen von jeweils gerade einmal 1.700 Baht.
Zudem entlastet das Verhalten der Flugbegleiterin bei ihrer Ankunft in Australien sie weiter: Berichten zufolge hatte sie die mitgeführten Gegenstände von sich aus beim australischen Zoll deklariert, noch bevor ein Spürhund das versteckte Heroin im Gepäck anschlug.
„Sollte unsere Untersuchung letztendlich ergeben, dass sie nicht in den Drogenhandel verwickelt war, werden wir den australischen Ermittlern über die thailändische Botschaft alle Beweismittel zur Verfügung stellen, damit diese im Gerichtsverfahren verwendet werden können“, betonte Areepak Ngernbamroong. Als thailändische Staatsbürgerin habe die Frau vollen Anspruch auf staatliche Unterstützung.
Das Netz des Syndikats: Jagd auf das „Goldene Dreieck“-Netzwerk
In Thailand liegt gegen die Flugbegleiterin keine Anklage vor. Sie befindet sich jedoch weiterhin in Australien in Haft und muss sich am 14. September vor dem Amtsgericht in Melbourne verantworten.
Unterdessen haben die thailändischen Behörden eine großangelegte Jagd auf die Hintermänner gestartet. Die Ermittlungen wurden auf ein mutmaßlich transnationales Drogenhandelsnetzwerk ausgeweitet, das seine Routen vom berüchtigten „Goldenen Dreieck“ über Thailand bis nach Australien spannt. Die Ermittler verknüpfen den Fall mit mehreren jüngsten Heroinbeschlagnahmungen in Bangkok, bei denen insgesamt rund 26 Kilogramm der Droge sichergestellt wurden. Das Syndikat nutzt laut ONCB zwei Methoden: den Postversand oder Kuriere für die persönliche Übergabe.
Die Masche: Falle für Vielreisende über Social Media
Der Zulieferer Uthai gestand, bereits drei- oder viermal im Auftrag ausländischer Staatsangehöriger Pakete ausgeliefert zu haben – die Übergabe an die Flugbegleiterin sei jedoch seine erste an sie gewesen. Die Ermittler vermuten dahinter System: Das Netzwerk nutzt offenbar gezielt gefälschte Social-Media-Konten, um Kabinenpersonal und andere Vielreisende ins Visier zu nehmen und als ahnungslose Kuriere einzuspannen.
Im Fokus der Ermittlungen steht dabei insbesondere ein Facebook-Konto namens „Rose Rose“, das mutmaßlich zur Rekrutierung genutzt wurde. Auch über den geplanten Empfänger in Australien gibt es bereits Erkenntnisse: Die Drogen sollten an eine Person mit dem Decknamen „Dear“ übergeben werden – einen thailändischen Staatsbürger, der vermutlich seit über zehn Jahren in Australien lebt.
Redaktion STIN // CTN-Media