Während bei Porsche weitere tausende Stellen auf der Streichliste stehen und der Volkswagen-Aufsichtsrat über einen drastischen Sparkurs berät, wird hinter den Kulissen ein Szenario diskutiert, das lange Zeit als absolut undenkbar galt: Die Produktion chinesischer Elektrofahrzeuge in traditionsreichen deutschen Automobilwerken. Denn eines ist klar: Personalabbau allein löst die strukturelle Krise der Branche nicht.
Der immense Druck auf Oliver Blume
Die Luft für Konzernchef Oliver Blume wird dünner. Am Donnerstag muss er dem Aufsichtsrat von Volkswagen Rede und Antwort stehen und aufzeigen, wie Europas größter Automobilhersteller aus der tiefsten Krise seit Jahrzehnten manövriert werden soll. Nach den jüngsten Hiobsbotschaften der Tochtermarke Porsche befürchten die Arbeitnehmervertreter weitere schmerzhafte Einschnitte. Ein massiver Stellenabbau gilt in der Branche mittlerweile als gesetzt.
Das Problem dieser Strategie liegt jedoch auf der Hand: Harte Sparprogramme mögen zwar kurzfristig die Bilanz aufbessern, sie beantworten jedoch nicht die entscheidende Frage, wie die riesigen Produktionsstätten künftig ausgelastet werden sollen.
Porsche als Symbol einer ins Wanken geratenen Branche
Wie dramatisch die Lage tatsächlich ist, verdeutlicht ausgerechnet Porsche. Der Sportwagenbauer galt über Jahre hinweg als die unbestrittene Ertragssäule des gesamten Volkswagen-Konzerns. Nun plant das Unternehmen laut einem Bericht des Handelsblatts den Abbau von rund 4.000 weiteren Stellen. Damit summiert sich der angekündigte Stellenabbau Medienberichten zufolge inzwischen auf fast 8.000 Arbeitsplätze.
Parallel dazu wird intern über eine stärkere Verlagerung einzelner Modellreihen ins Ausland diskutiert. Porsche steht damit exemplarisch für ein deutsches Erfolgsmodell, dessen Fundament Risse bekommen hat.
Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielschichtig und seit längerem bekannt:
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Schwache Nachfrage: Der Markt für Elektroautos entwickelt sich weltweit deutlich verhaltener als prognostiziert.
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Marktanteilsverluste in China: Auf dem wichtigsten Automarkt der Welt verlieren deutsche Hersteller seit Jahren kontinuierlich an Boden gegen die erstarkte heimische Konkurrenz.
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Milliardenschwere Investitionen: Enorme Summen fließen in die Elektromobilität und Softwareentwicklung, während zeitgleich die Werke in Deutschland vielerorts unter massiver Unterauslastung leiden.
Stellenabbau ist keine Zukunftsstrategie
Inmitten dieser Realität hat sich der Fokus der Debatte grundlegend verschoben. Wo früher Wachstum das primäre Ziel war, geht es heute schlicht um die Existenzsicherung durch Auslastung. Das rüttelt an alten Tabus: Deutsche Fabriken könnten schon bald Fahrzeuge chinesischer Hersteller oder zumindest in China entwickelte Modelle fertigen.
Den Anstoß zu dieser Diskussion gab Volkswagen-Chef Oliver Blume im Frühjahr selbst, als er öffentlich darüber nachdachte, ob eine Fertigung chinesischer Fahrzeuge in europäischen VW-Werken grundsätzlich vorstellbar sei. Obwohl der Konzern diese Überlegungen später relativierte – VW-Markenchef Thomas Schäfer betonte damals, dass Exporte chinesischer Modelle nach Europa derzeit wenig Sinn ergäben, da diese speziell für den chinesischen Markt konzipiert wurden –, verschärft der wirtschaftliche Handlungsdruck die Notwendigkeit neuer Wege.
Auch in der Politik stößt der Gedanke mittlerweile auf offene Ohren:
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Olaf Lies (Niedersachsens Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat) sprach sich dafür aus, die Produktion chinesischer Fahrzeuge in deutschen Werken zumindest ernsthaft zu prüfen.
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Dirk Panter (Sachsens Wirtschaftsminister) äußerte sich ähnlich mit Blick auf die sächsischen VW-Standorte.
Die dahinterstehende Logik ist pragmatisch: Bevor Fabriken endgültig geschlossen werden müssen, sollten freie Kapazitäten lieber mit Produkten aus Übersee ausgelastet werden.
Das Bröckeln des „Made in Germany“
Für den renommierten Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer ist dieser Ansatz ein durchaus realistischer Weg. „Bei VW könnte ich mir vorstellen, dass das funktioniert“, erklärte er im Gespräch mit ntv.de. Preis und Technologie der Chinesen seien absolut wettbewerbsfähig. Neue strategische Möglichkeiten eröffne Volkswagen dabei vor allem die bestehende Kooperation mit dem jungen chinesischen Elektroautobauer Xpeng.
Aktuell entwickeln VW und Xpeng gemeinsam Software und Fahrzeugarchitekturen für Elektroautos. Sollte diese Partnerschaft weiter vertieft werden, könnten perspektivisch auch Fahrzeuge für den europäischen Markt in den bestehenden VW-Werken Zwickau oder Emden vom Band laufen – was den Standorten eine neue Zukunftsperspektive bieten würde. Für Dudenhöffer wäre dies weit mehr als eine reine Übergangslösung: Die Produktion chinesischer Modelle könne helfen, industrielle Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern, selbst wenn die Entwicklung und ein Großteil der Wertschöpfung weiterhin in China verbleiben.
Gleichzeitig verweist der Experte unmissverständlich auf die verschobenen Kräfteverhältnisse: Chinesische Hersteller seien bei Batterietechnik, Software, digitalen Bedienkonzepten und Infotainment der deutschen Konkurrenz vielfach voraus.
„In den chinesischen Modellen steckt mehr Technologie“, so Dudenhöffer. Gerade bei digitalen Funktionen entschieden heute Software und das Nutzererlebnis über den Markterfolg.
Dass die Entwicklungskompetenz zunehmend nach China abwandert, ist indes keine völlig neue Entwicklung. Deutsche Hersteller kooperieren seit langem intensiv mit chinesischen Partnern. Das klassische Verständnis von „Made in Germany“ habe sich dadurch bereits fundamental verändert, stellt Dudenhöffer fest: „Deutsche Ingenieurskunst und Made in Germany gibt es nicht mehr.“
Der Standort Deutschland leidet unter hohen Kosten
Als universelles Allheilmittel für die heimische Industrie taugt das Modell allerdings nicht. Dass große chinesische Branchenriesen wie BYD eigene Werke in Deutschland nutzen werden, bezweifelt Dudenhöffer. BYD baut bereits eine Fabrik in Ungarn und errichtet ein weiteres Werk in der Türkei. Aufgrund der hohen Produktionskosten ist Deutschland international kaum konkurrenzfähig.
„Die Chinesen brauchen keine deutschen Standorte, sie brauchen europäische Standorte“, betont Dudenhöffer. Werke in Ländern wie Spanien oder der Slowakei hätten im harten globalen Wettbewerb deutlich bessere Chancen. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt die Opel-Mutter Stellantis: Sie wird ihren nächsten Elektro-Opel mit chinesischer Technologie des Partners Leapmotor in Spanien produzieren lassen.
Fazit: Die Suche nach dem Geschäftsmodell von morgen
Gerade wegen dieses internationalen Wettbewerbs steht die Führung von Volkswagen unter extremem Zugzwang. Der Konzern besitzt die Fabriken, die Fachkräfte und die industrielle Kompetenz – was fehlt, sind die Aufträge. Genau hier setzt die Debatte um die Produktion chinesischer Fahrzeuge an.
Ob Oliver Blume diesen radikalen Kurswechsel tatsächlich einleiten wird, bleibt abzuwarten. Fest steht: Ein reiner Stellenabbau beantwortet die Zukunftsfragen des Automobilgiganten nicht. Wenn der VW-Aufsichtsrat am Donnerstag zusammenkommt, geht es um weit mehr als um die nächste Sparrunde. Es geht um die fundamentale Frage, welches Geschäftsmodell Deutschlands größter Autobauer in Zukunft überhaupt noch verfolgen will. Dudenhöffer vermisst hierzu bislang ein klares Konzept: „Ich muss ein Ziel haben und nicht nur sagen: Heute bauen wir 50.000 Stellen ab, morgen 100.000 und übermorgen 150.000. Das ist keine Strategie.“
Redaktion STIN // CTN-Media
Was tut STIN nicht Alles um von seinem Hirngespinst „Thailändische Automobilindustrie“ abzulenken?
Dabei holt er die ältesten Hüte aus dem Regal.
Die deutsche Automobilindustrie hat den Aufstieg der japanischen Automobilindustrie verschlafen.
Sie hat die Elektromobilität verschlafen.
Und sie verschäft gerade den Aufstieg der chinesischen Automobilindustrie.
Heute geht es nicht mehr um PS/KW oder km/h sondern um die Konnektivität in der meist Immobile Auto.
Die deutsche Automobilindustrie geht lieber auf Kosten der Steuerzahler in den Puff und wenn die Subventionen nicht schnell genug und fraglos kommen dann droht man mit Massenentlassungen.
Ich habe mit 75 Jahren meinen luxemburger Führerschein nicht mehr verlängert und fahre auch in TH nicht mehr.
Wenn ich heute noch fahren würde so würde ich sicher ein E-Auto fahren.
Und wenn ich kein europäisches oder japanisches 100% E-Auto fahren könnte dann eben einen kleinen Chinesen, z.B. den Changan Lumin (Foto)