Nach der Brandkatastrophe im Bangkoker Unterhaltungszentrum „Rong Beer Na Ladprao“ herrscht tiefe Trauer. Während die Zahl der Todesopfer auf 32 gestiegen ist und die Identifizierung aller Toten abgeschlossen werden konnte, bringen erste Zeugenaussagen und die Auswertung von Serverdaten Licht ins Dunkel der dramatischen Brandnacht im Stadtteil Chatuchak.

Identifizierung abgeschlossen: Familien nehmen Abschied

Das Institut für Gerichtsmedizin in Bangkok war heute ein Ort unermesslichen Leids. Zahlreiche trauernde Familienmitglieder und Angehörige versammelten sich, um die sterblichen Überreste ihrer geliebten Menschen abzuholen. Wie der Leiter des Instituts, Polizeigeneralmajor Wiroon Supasingsiripreecha, mitteilte, wird damit gerechnet, dass alle Leichen bis zum Ende des heutigen Tages an die Familien übergeben werden können.

Die traurige Bilanz des Infernos: Von den insgesamt 32 Todesopfern starben 27 Menschen noch direkt am Unfallort, fünf weitere erlagen später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Unter den Toten befindet sich auch Pol Lance Cpl Sitthichok Butthithak, ein Polizist der Sonderabteilung. Angehörige und Kollegen, die tief bewegt Abschied nahmen, berichteten, dass er erst seit etwas mehr als einem Jahr im Polizeidienst aktiv war. Sein Leichnam wird nun für die traditionellen Bestattungsriten in seine Heimatprovinz Kalasin überführt.

Auch Freunde des Musikers Phrutthiphong Phudmon kamen zum Institut, um seinen Leichnam in Empfang zu nehmen. Der Keyboarder der Band Totsakan wurde von seinen Weggefährten als außergewöhnlich freundlicher, großzügiger und stets hilfsbereiter Mensch beschrieben. Sie schilderten den bangen Moment nach Bekanntwerden des Feuers: Vergeblich hatten sie versucht, ihn telefonisch zu erreichen, bis sie schließlich die traurige Gewissheit über seinen Tod erhielten.

Überlebender erstattet Anzeige: Schwere Vorwürfe gegen Betreiber

Während die Trauer die thailändische Metropole lähmt, beginnt die juristische Aufarbeitung. Ein verletzter Überlebender namens Natthaphot hat bei der Polizeiwache von Phaholyothin offizielle Anzeige gegen die Verantwortlichen des Unterhaltungszentrums erstattet.

Gegenüber Reportern schilderte er die dramatischen Minuten der Katastrophe: Er war am Abend des Brandes gegen 22:30 Uhr mit drei Freunden im Club angekommen und hatte in der Nähe der Bühne nahe dem Haukteingang Platz genommen. Es war sein erster Besuch in dem Lokal; auf Notausgänge habe er vorab nicht geachtet.

Zunächst schien alles wie gewohnt, bis kurz vor Mitternacht – die Band hatte gerade erst ihren Auftritt begonnen – weißer Rauch von der Decke über der Bühne aufstieg. Natthaphot dachte anfangs noch an harmlose Spezialeffekte der Show. Doch nur Augenblicke später sah er echte Flammen und bemerkte Brandgeruch. Geistesgegenwärtig flüchtete er durch einen Hinterausgang zum Parkplatz.

Seine Schilderungen werfen ernste Fragen zur Sicherheit des Clubs auf:

  • Kein Feueralarm: Während des gesamten Vorfalls war kein akustischer Alarm zu hören. Die Menschen im Inneren mussten sich gegenseitig durch „Feuer!“-Rufe warnen.

  • Keine Sprinkleraktivierung: Die automatische Sprinkleranlage des Gebäudes löste zu keinem Zeitpunkt aus.

  • Fluchtweg: Einzig zwei Sicherheitsleute wiesen den Gästen mit Taschenlampen den Weg zum rettenden Hinterausgang.

Für Natthaphot ist die Katastrophe auch ein persönlicher Verlust: Einer seiner drei Begleiter, Sitthiphong Chaiyo, überlebte das Feuer nicht. Mit seiner Anzeige und seiner Aussage möchte der Überlebende den Ermittlern entscheidende Details liefern, um die strafrechtliche Untersuchung voranzutreiben.

Ermittlungen laufen auf Hochtouren: 52 Zeugen und 16 Kameras im Fokus

Die Polizei arbeitet unter Hochdruck an der lückenlosen Aufklärung des Brandes. Bislang haben die Ermittler bereits 52 Zeugen verhört. Darunter befinden sich:

  • Der Geschäftsinhaber des Veranstaltungsortes,

  • 16 Angestellte des Clubs,

  • 33 Angehörige und verletzte Überlebende sowie

  • zwei Beamte, die direkt an der ersten Sicherung und Untersuchung des Tatorts beteiligt waren.

Als nächster Schritt steht die Befragung von Experten für Gebäude- und Elektrotechnik an. Zudem sollen Verletzte vernommen werden, sobald es ihr gesundheitlicher Zustand in den Krankenhäusern zulässt.

Einen potenziell entscheidenden Durchbruch meldet unterdessen die Forensik: Den Beamten ist es gelungen, die Videodateien direkt vom Server des Veranstaltungsortes wiederherzustellen. Die Ermittler werten nun das Bildmaterial von insgesamt 16 Überwachungskameras aus dem Innenraum des Clubs aus, um den genauen Ausbruch des Feuers und das darauffolgende Chaos sekundengenau zu rekonstruieren.

Von stin

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest

0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
{title}
WP Twitter Auto Publish Powered By : XYZScripts.com