Peking setzt auf Deeskalation in Südostasien: Bei einem hochrangigen Treffen in Shanghai hat der chinesische Präsident Xi Jinping dem thailändischen Premierminister Anutin Charnvirakul eine aktive Vermittlerrolle im festgefahrenen Grenzstreit mit Kambodscha angeboten. Gleichzeitig reagierte Xi sensibel auf die Sicherheitsbedenken Bangkoks bezüglich jüngster chinesischer Waffenlieferungen an Phnom Penh und kündigte konkrete Schritte zur Vertrauensbildung an.
Peking bremst Panzerlieferungen an Kambodscha
Ein zentraler Streitpunkt der bilateralen Gespräche am Freitag war die jüngste Lieferung chinesischer Panzer an Kambodscha, die in Thailand für erhebliche Unruhe gesorgt hatte. Präsident Xi betonte zwar, dass die kambodschanische Regierung diese Militärfahrzeuge bereits lange vor dem Ausbruch des bewaffneten Grenzkonsflikts Mitte des vergangenen Jahres bestellt habe. Dennoch signalisierte Peking deutliches Verständnis für die thailändische Sensibilität: Xi gab bekannt, dass er die Verschiebung einer weiteren geplanten Panzerlieferung an Kambodscha angeordnet hat. Zudem habe die chinesische Führung die strikte Bedingung gestellt, dass weder die Panzer noch andere in China hergestellten Waffen dazu verwendet werden dürfen, Thailand Schaden zuzufügen.
Premierminister Anutin, der am Donnerstag zu seinem ersten offiziellen Antrittsbesuch in China eingetroffen war, stellte gegenüber thailändischen Medien die unmissverständliche Position seines Landes klar: Thailand suche unter keinen Umständen den Konflikt mit seinen Nachbarn, sehe sich jedoch in der Pflicht, die eigene Souveränität sowie die Sicherheit der thailändischen Bevölkerung konsequent zu schützen.
Strategische Partnerschaft und der Streit um den Mekong-Gipfel
Abseits der militärischen Spannungen bekräftigte Präsident Xi die Absicht, die Kooperation mit Thailand in allen strategischen Schlüsselbereichen – von der Sicherheit und Wirtschaft über den Technologietransfer bis hin zur Personalausbildung – intensiv voranzutreiben.
Flexibilität fordert die diplomatische Lage hingegen beim bevorstehenden Mekong-Lancang-Kooperationstreffen, dessen Ausrichtung eigentlich bei Thailand liegt. Für den Fall, dass Kambodscha aufgrund der anhaltenden Spannungen einer Teilnahme auf thailändischem Boden fernbleiben sollte, schlug Xi Jinping pragmatisch vor, das multilaterale Treffen stattdessen nach China zu verlegen, um den Dialog der Region nicht abreißen zu lassen.
Königliche Einladung nach Bangkok
Zum Abschluss der Gespräche drückte Premierminister Anutin seinen Dank für den herzlichen Empfang aus, der bereits Ihren Majestäten, dem König und der Königin von Thailand, bei ihrem Staatsbesuch im vergangenen November zuteilgeworden war. In diesem feierlichen Rahmen übermittelte Anutin eine offizielle Einladung Seiner Majestät an den chinesischen Staatschef und dessen Ehefrau zu einem Gegenbesuch. Präsident Xi nahm die Einladung an und kündigte an, zu einem für beide Seiten passenden Zeitpunkt nach Thailand zu reisen.