Das thailändische Ministerium für Tourismus und Sport mobilisiert massive finanzielle Mittel, um die heimische Wirtschaft anzukurbeln. Mit einem Budgetantrag über 1,75 Milliarden Baht für das neue Konjunkturprogramm „Thai Tiew Thai Plus“ (Thailändische Reisen nach Thailand Plus) will die Regierung noch in diesem Jahr den Inlandstourismus massiv forcieren. Doch während die Behörden mit Milliardeneinnahmen rechnen, formiert sich in der Privatwirtschaft deutliche Kritik am Timing der Kampagne.
Das geplante Subventionsmodell greift den Bürgern direkt unter die Arme: Der Staat übernimmt 50 Prozent der Unterkunftskosten, gedeckelt auf bis zu 3.000 Baht pro Person. Um eine maximale Wirkung zu erzielen, ist das Kontingent auf insgesamt 500.000 Vergünstigungen limitiert. Zusätzlich verankert das Ministerium einen digitalen Gutschein im Wert von 500 Baht pro Leistung im Paket. Diesen Zuschuss können die Begünstigten flexibel für Restaurantbesuche, Transportleistungen oder weitere touristische Angebote einlösen. Die gesamte Abwicklung von der Registrierung bis zur Nutzung der Privilegien soll bis Ende des Jahres nahtlos über die etablierte mobile Anwendung „Pao Tang“ erfolgen. Die makroökonomischen Erwartungen sind enorm: Das Ministerium prognostiziert, dass die Kampagne mehr als 32 Milliarden Baht in den Wirtschaftskreislauf spülen wird.
Subventionierte Flugtickets sollen den ländlichen Raum stärken
Um die Hürden für Reisen weiter zu senken und die Einnahmen gezielt in den Regionen zu verteilen, flankiert die Regierung die Kampagne mit einem zusätzlichen Inlandsflugzuschuss. Die Logik dahinter ist gestaffelt: Reisende in größere Provinzen erhalten einen Rabatt von 400 Baht pro Sitzplatz und Flug. Wer sich hingegen für kleinere, weniger frequentierte Ziele entscheidet, wird mit 600 Baht pro Sitzplatz und Flug unterstützt. Diese Luftfahrt-Initiative soll die Reisepläne von rund 200.000 Urlaubern subventionieren, was einem Volumen von etwa 400.000 Flugzeugsitzen entspricht.
Kritik aus der Hotellerie: Fehlinvestition in der Hochsaison?
Trotz der verlockenden Zahlen stößt der Regierungsplan beim thailändischen Hotelverband (THA) auf erhebliche Skepsis. THA-Präsident Thienprasit Chaiyapatranun fordert die Regierung dringend auf, den Zeitplan zu überdenken. Das Programm mitten in der ohnehin starken Hochsaison zum Jahresende zu starten, verfehle die eigentliche Stützwirkung für die Betreiber, da die Buchungszahlen in diesem Zeitraum traditionell auch ohne staatliche Hilfe hoch seien.
Thienprasit plädiert stattdessen dafür, das Budget in die Nebensaison umzuleiten, um den strukturellen Leerstand zu bekämpfen. Die Zahlen untermauern seine Sorge: Im Juni lag die landesweite Hotelbelegungsrate im Schnitt bei ernüchternden 52 Prozent – und für das dritte Quartal wird ein weiterer Rückgang prognostiziert. Sollte die Regierung dennoch an der Einführung während der Hochsaison festhalten, fordert die THA eine klare Reglementierung: Die Privilegien müssten dann zwingend auf Reisen an Wochentagen beschränkt werden. Nur so ließe sich der Touristenverkehr sinnvoll steuern und eine Überlastung an den Wochenenden verhindern.
Kerosin-Schock: Zivilluftfahrtbehörde warnt vor explodierenden Kosten
Parallel zu den Tourismusplänen sieht sich die Branche mit einer externen Bedrohung konfrontiert. Die thailändische Zivilluftfahrtbehörde (CAAT) überwacht derzeit die Betriebskosten der Fluggesellschaften mit Argusaugen. Der Grund ist der anhaltende Konflikt im Nahen Osten, der die Kerosinpreise dramatisch in die Höhe getrieben hat. Nach Angaben von Air Chief Marshal Manat Chavanaprayoon, Generaldirektor der CAAT, sind die Preise für Flugzeugtreibstoff von historisch üblichen 85 bis 90 US-Dollar pro Barrel auf über 200 US-Dollar pro Barrel explodiert.
Manat stellte in Aussicht, dass die Ticketpreise wieder sinken könnten, sofern die regionalen Konflikte im Nahen Osten nicht in die Länge gezogen werden. Bis dahin wird die CAAT die Kostenstrukturen und Finanzberichte der einzelnen Fluggesellschaften kontinuierlich prüfen. Das erklärte Ziel: Sicherzustellen, dass die Ticketpreise für die Verbraucher trotz des Marktdrucks fair und angemessen bleiben.
Um einen Kollaps abzuwenden und den Preisanstieg abzufedern, koordiniert sich die CAAT bereits mit relevanten Behörden, um konkrete Entlastungsmaßnahmen für Fluggesellschaften zu prüfen – darunter die Absenkung von Flughafenlandegebühren sowie Flugsicherungsgebühren. Gleichzeitig nimmt die Regulierungsbehörde die Billigflieger in die Pflicht: Diese werden explizit ermutigt, vermehrt Direktverbindungen in kleinere Städte einzurichten. Bedingung hierfür bleibt jedoch die Wirtschaftlichkeit, die durch eine durchschnittliche Auslastung von mindestens 70 Prozent pro Flug gewährleistet sein muss.