Mit dem Start des regulären Linienflugbetriebs am 1. Dezember setzt Vietnam zu einem historischen Schlag in der südostasiatischen Luftfahrt an: Rund 40 Kilometer östlich von Ho-Chi-Minh-Stadt öffnet der Megaflughafen Long Thanh seine Pforten. Es handelt sich um das bislang größte und teuerste Infrastrukturprojekt in der Geschichte des Landes – mit Gesamtkosten von beeindruckenden 336,63 Billionen VND (12,8 Milliarden US-Dollar). Primär gebaut, um den chronisch überlasteten Flughafen Tan Son Nhat zu entlasten, verfolgt die staatliche Betreibergesellschaft Airports Corporation of Vietnam (ACV) jedoch eine weitaus ambitioniertere Vision: Long Thanh soll sich als führendes regionales Drehkreuz etablieren, den etablierten Drehkreuzen in Singapur, Bangkok sowie Kuala Lumpur Paroli bieten und den langstreckigen Transitverkehr zurück nach Vietnam holen.
Kampfansage an die etablierten Drehkreuze
Zum Start verfügt Long Thanh über eine Kapazität von 25 Millionen Passagieren pro Jahr. In späteren Phasen, deren Fertigstellung noch Jahre entfernt liegt, soll das Areal auf eine Gesamtkapazität von 100 Millionen Passagieren ausgebaut werden. Damit nimmt der Newcomer direkt den Singapore Changi Airport ins Visier – den aktuell als bester Flughafen der Welt gehandelten Hub, der im Jahr 2025 einen Rekord von 69,98 Millionen Passagieren abwickelte und derzeit auf 140 Millionen erweitert wird.
Dreiphasiger Masterplan für die Flugverlagerung
Um die Kapazitäten optimal zu nutzen, hat die ACV ein präzises Übergangskonzept erarbeitet, das Strecken nach Geografie und Distanz aufteilt. Long Thanh wird sämtliche Frachtflüge sowie alle internationalen Verbindungen über 1.000 Kilometer Distanz übernehmen. Tan Son Nhat behält die kürzeren internationalen Strecken, die mit Code-C-Jets wie dem Airbus A320, A321 oder der Boeing 737 bedient werden. Sämtliche Verbindungen nach Ostasien, Westasien, Ozeanien und Europa werden schrittweise nach Long Thanh verlegt, während die südostasiatischen Routen zu etwa 55 % auf den neuen Hub und zu 45 % auf Tan Son Nhat aufgeteilt werden.
Die Migration erfolgt in drei Phasen, die an die saisonalen Flugpläne der Airlines gekoppelt sind:
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Phase 1 (1. Dezember 2026 bis 27. März 2027): Long Thanh übernimmt alle internationalen Langstrecken- und Frachtflüge, sämtliche Neuverbindungen sowie zusätzliche Frequenzen im Raum Ho-Chi-Minh-Stadt. Dies entspricht etwa 19 % des gesamten internationalen Passagiervolumens der Region. Tan Son Nhat behält seine bestehenden Routen, darf jedoch keine neuen internationalen Strecken mehr aufnehmen.
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Phase 2 (28. März bis 30. Oktober 2027): Alle Flüge nach Europa, Amerika, Ozeanien, Afrika, in den Nahen Osten sowie nach Süd- und Zentralasien ziehen nach Long Thanh um. In Tan Son Nhat verbleiben lediglich die restlichen Nordost- und Südostasien-Routen.
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Phase 3 (31. Oktober 2027 bis 25. März 2028): Long Thanh wickelt nahezu den gesamten internationalen Flugverkehr ab. In Tan Son Nhat sind dann nur noch geplante Routen unter 1.000 Kilometer Länge erlaubt, die von vietnamesischen Fluggesellschaften betrieben werden.
Das erklärte Ziel der ACV ist es, bis 2027 mehr als 90 % des internationalen Passagierverkehrs der Region an den neuen Flughafen umzuleiten. Der Inlandsverkehr verbleibt größtenteils in Tan Son Nhat, wobei den Fluggesellschaften in allen drei Phasen freigestellt ist, beide Flughäfen je nach Nachfrage anzufliegen.
Dringender Ausbau der Verkehrsinfrastruktur
Um den ehrgeizigen Zeitplan nicht zu gefährden, hat die ACV das Bauministerium und die vietnamesische Zivilluftfahrtbehörde um eine zügige Genehmigung des Betriebskonzepts sowie der Passagiergebühren gebeten. Parallel dringt der Betreiber bei der Regierung auf einen beschleunigten Ausbau der Anbindungsinfrastruktur: Neben der Verbreiterung des HCMC-Long Thanh Expressways stehen die Fertigstellung des Bien Hoa-Vung Tau Expressways und des HCMC Ring Road 3 ganz oben auf der Prioritätenliste.
Auch der öffentliche Nahverkehr wird hochgefahren: Das Bauministerium hat bereits den Plan der Stadt Ho-Chi-Minh-Stadt für ein spezielles Busnetz genehmigt. Ab Dezember wird eine direkte Expressbus-Linie die beiden 40 Kilometer voneinander entfernten Flughäfen verbinden, damit Passagiere bei Transfers nicht stranden. Routenführung, Fahrpläne und Tarife werden derzeit finalisiert, sodass der Betrieb pünktlich zur Eröffnung von Long Thanh steht. Bis zum Jahr 2030 soll schließlich eine direkte Metrolinie die beiden Flughäfen nahtlos miteinander verknüpfen.
Nein , Long Tanh kann (noch) nicht Changi herausfordern.Aber er kann Suvarnabhumi ernsthafte Konkurrenz machen.