Nach einer Bluttat in der Provinz Nonthaburi versuchen Ermittler, das Unfassbare zu rekonstruieren. Ein 14-jähriger Schüler löschte zuerst das Leben seiner Großeltern aus und richtete anschließend an der Debsirin Nonthaburi Schule ein Blutbad an. Mit dem Tod einer weiteren Schülerin steigt die Zahl der Opfer auf neun – während das Land vor den Trümmern seiner Waffengesetze steht.

Die traurige Bilanz vergrößerte sich am Abend: Eine 12-jährige Schülerin erlag im Krankenhaus ihren schweren Schussverletzungen. Damit verzeichnet Thailand nun neun Todesopfer nach dem Amoklauf vom Freitag.

Der mutmaßliche Täter, ein Schüler der Mathayom 3 (entspricht der 9. Klasse), hinterließ eine Spur der Verwüstung. Die Gewalttat begann im Haus der Familie im Bezirk Bang Bua Thong. Dort erschoss der Teenager seinen Großvater in der Küche und seine im Obergeschoss schlafende Großmutter. Anschließend verriegelte er das Grundstückstor von außen und steuerte die Debsirin Nonthaburi Schule im Bezirk Bang Kruai an.

Auf dem Schulgelände Eröffneter das Feuer: Fünf Lehrer und Mitarbeiter starben im Kugelhagel, Dutzende weitere Menschen erlitten Verletzungen. Unter den Schwerverletzten kämpfen derzeit zwei Schüler im Alter von 13 und 14 Jahren im Krankenhaus weiterhin um ihr Leben. Schließlich richtete sich der 14-Jährige, der während der Tat eine violette Sportuniform trug, auf dem Schulgelände selbst.

Digitale Spuren und akribische Vorbereitung

Erste Notrufe erreichten die Freiwilligen der Poh Teck Tung Foundation am Freitag gegen 10:00 Uhr morgens. Augenzeugen berichten, dass der Täter auf dem Schulgelände 26 Schüsse abfeuerte. Die Polizei stellte vor Ort weitere 34 Patronen sicher.

Die Ermittler analysieren derzeit die digitalen Spuren sowie den Waffenzugang des Teenagers. Erste Details aus seinem Umfeld zeichnen das Bild eines unauffälligen Jugendlichen: Nach der Trennung seiner Eltern wuchs er bei seinen Großeltern auf, die ihn liebevoll betreuten. Verwandte beschreiben ihn als extrem ruhigen, höflichen und wohlerzogenen Teenager, der selten das Haus verließ und die meiste Zeit mit Computerspielen verbrachte. Sein Großvater, ein ehemaliger Bankmanager, fuhr ihn täglich zur Schule und holte ihn dort ab.

Doch hinter der Fassade des unauffälligen Schülers reifte der Tatentschluss. Die Tatwaffe – eine legal registrierte 9-mm-Pistole des Großvaters – lag in einem verschlossenen Kleiderschrank. Der Junge entwendete den Schlüssel, schaffte die Waffe sowie fast 100 Schuss Munition beiseite und posierte zuvor sogar mit einem Foto der Pistole auf seinem Instagram-Account.

Untersuchungen der digitalen Forensik offenbaren zudem, dass der 14-Jährige in den Tagen vor dem Angriff gezielt Videoclips von Schießereien an US-Schulen recherchiert und konsumiert hatte. Der nationale Polizeichef, General Kitrat Phanphet, betonte, dass die gezielten und tödlichen Schüsse auf vital Organe der Opfer auf eine vorherige Schießausbildung oder intensive Übung hindeuten.

Thailands Premierminister Anutin Charnvirakul erklärte, der Angriff sei eindeutig vorsätzlich gewesen. Er merkte an, dass der Jugendliche vermutlich unter enormem Druck und schulischem Stress gestanden habe.

Konsequenzen und eine Serie der Gewalt

Als unmittelbare Reaktion setzte die Leitung der Debsirin Nonthaburi Schule den Präsenzunterricht bis einschließlich nächster Woche aus, um den Ermittlungen Raum zu geben.

Politik und Behörden stehen unter Zugzwang. Premierminister Charnvirakul kündigte umgehend verschärfte Waffenkontrollgesetze und umfassende Sicherheitsmaßnahmen auf Schulgeländen an. Die thailändische Provinzverwaltung (DOPA) ordnete landesweite Schwerpunktaktionen an, um Gewaltverbrechen, illegale Schusswaffen und Drogen zu bekämpfen. Die Kontrollen konzentrieren sich auf öffentliche Plätze, Risikogebiete und das Nachtleben, um das strikte Verbot des öffentlichen Waffentragens lückenlos durchzusetzen.

Die Tragödie von Nonthaburi ist kein isolierter Einzelfall, sondern wirft die Frage auf, ob das Land von einer schleichenden Welle der Jugend- und Waffengewalt erfasst wird. Bereits im Februar dieses Jahres griff ein 17-Jähriger eine Schule im Bezirk Hat Yai (Provinz Songkhla) an, verletzte mehrere Angestellte sowie Schüler und tötete die Schulleiterin, ehe er festgenommen werden konnte. Unvergessen bleibt auch die Bluttat vom Oktober 2022, als ein ehemaliger Polizist in einer Kindertagesstätte der Provinz Nong Bua Lam Phu 37 Menschen ermordete, darunter 22 Kinder.

Redaktion STIN --> Austria // Thailand

Von stin

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