Mit einem Aufgebot von über 200 Einsatzkräften hat die thailändische Polizei am Montag eine exklusive Wohnanlage im beliebten Küstenort Hua Hin stürmt. Im Visier der Ermittler: ein weitverzweigtes Netzwerk, das ausländischen Investoren über Strohmann-Konstruktionen den unrechtmäßigen Erwerb von Luxusimmobilien ermöglicht haben soll. Vor Ort klickten für 13 Ausländer aus acht Nationen die Handschellen. Die Festnahmen sind Teil einer beispiellosen landesweiten Offensive gegen illegale Eigentumsstrukturen.

Schlag gegen die Luxus-Enklave in Hua Hin

Der koordinierte Einsatz konzentrierte sich auf eine moderne Wohnsiedlung im Tambon Thap Tai (Bezirk Hua Hin, Provinz Prachuap Khiri Khan). Dort stehen freistehende Anwesen und Pool-Villen mit Einzelpreisen zwischen 10 und 20 Millionen Baht. Um das Areal zu durchsuchen und gezielt zuzugreifen, bündelten hochrangige Kommandeure ihre Kräfte: Die Operation stand unter der Leitung des stellvertretenden Polizeichefs General Samran Nuanma und umfasste Einheiten der Provinzpolizei Region 7 unter Generalleutnant Pisit Tanprasert, Generalleutnant Nophasil Phoolsawat, Generalmajor Kan Thamkasem sowie Generalmajor Chomchawin Purathananon. Auch der Polizeikommandant der Provinz Prachuap Khiri Khan, Generalmajor Athorn Chinthong, der Gouverneur der Provinz sowie Vertreter des Wirtschaftsministeriums und des Landamtes waren direkt an den Durchsuchungen beteiligt.

Insgesamt erwirkte die Polizei im Vorfeld gerichtliche Genehmigungen für Durchsuchungen an 15 Objekten, erließ Haftbefehle gegen 45 Ausländer und verschickte Vorladungen an 39 thailändische Staatsangehörige. Bis zum Montagabend schlug die Falle für 13 ausländische Tatverdächtige zu:

  • 4 Chinesen

  • 3 Briten

  • 1 Amerikaner

  • 1 Österreicher

  • 1 Franzose

  • 1 Italiener

  • 1 Niederländer

  • 1 Filipino

Scheinberater und verdeckte Eigentümer: Die Masche der Strohmann-Firmen

Im Zentrum der Ermittlungen stehen sechs im Resort ansässige Unternehmen, die als Scheinfirmen dienten. Nach Erkenntnissen der Ermittler wiesen diese Betriebe keinerlei reale Geschäftstätigkeit auf, sondern wurden ausschließlich gegründet, um das Immobilienvermögen ausländischer Käufer zu verwalten und zu verschleiern – ein klares Umgehen des thailändischen Landrechts.

Die Vernehmungen offenbarten das System dahinter: Die festgenommenen Ausländer gaben an, dass ihnen Anwaltskanzleien sowie Wirtschaftsprüfungsgesellschaften explizit dazu geraten hatten, Firmenstrukturen aufzubauen, um Immobilien rechtmäßig zu halten. Die Käufer wiegen sich im Glauben, legal gehandelt zu haben. Die Befragung der eingetragenen thailändischen Aktionäre zeichnete jedoch ein eindeutiges Bild: Die Schein-Aktionäre gestanden ein, die Anteile lediglich im Namen der Ausländer zu halten. Sie hatten ihre Aktien nie bezahlt, übten keinerlei Managementkontrolle aus, besaßen keine Einsicht in Finanzdokumente und wussten von keinerlei Nachweisen über tatsächliches Eigentum.

Digitale Spuren und internationale Finanzermittlungen

Bei der Razzia beschlagnahmten die Beamten umfangreiche Handelsregisterauszüge, Buchhaltungsunterlagen sowie elektronische Datenträger wie Computer und Mobiltelefone. Die Ermittler werten die Daten nun aus, um die Kommunikationswege zwischen Käufern, Strohmännern und den Beratungsgesellschaften zu rekonstruieren sowie die Geldflüsse nachzuvollziehen.

Polizeigeneral Samran betonte, dass die Ermittlungen nicht an den Landesgrenzen enden: Sämtliche Finanzverbindungen ins Ausland werden akribisch verfolgt. Zudem richten sich die Ermittlungen gezielt gegen die involvierten Rechts- und Wirtschaftsberater sowie gegen potenzielle Regierungsbeamte, sollte sich ein Verdacht auf Korruption oder Beihilfe erhärten.

Phase 6 einer landesweiten Großoffensive

Der Zugriff in Hua Hin bildet die sechste Phase einer Anfang des Jahres gestarteten, thailändischen Kampagne gegen Strohmann-Netzwerke. Vorangegangene Operationen trafen bereits Schwerpunkte in Surat Thani, Phang Nga, Phuket, Krabi, Chonburi und Chiang Mai.

Die Bilanz der bisherigen Gesamtoffensive verdeutlicht das Ausmaß:

  • Inspezierte Objekte: 233 Grundstücke und Gebäude mit einer Gesamtfläche von über 160 Rai

  • Gesamtwert: Ca. 2,539 Milliarden Baht

  • Haftbefehle: 133 ausgestellt

  • Verurteilungen: Bereits 20 rechtskräftige Urteile erzielt

Während die Fahndung nach den verbleibenden flüchtigen Verdächtigen und die Vernehmungen der vorgeladenen Thailänder andauern, kündigte die Führung der Königlich Thailändischen Polizei an, die Kontrollen in den Touristenzentren weiter zu verschärfen. Zudem bittet die Polizei die Bevölkerung um Mithilfe: Hinweise auf illegale ausländische Investitionsstrukturen werden an allen Polizeistationen oder rund um die Uhr über die Hotline der Königlich Thailändischen Polizei unter der Rufnummer 1599 entgegengenommen.

Redaktion STIN --> Austria // Thailand

Von stin

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