Premierminister Anutin Charnvirakul kündigt ein kompromissloses Durchgreifen gegen den Schusswaffenbesitz an. Mit einem strikten Trageverbot, der Aussetzung von Lizenzerneuerungen und drastischen Haftstrafen will die Regierung die öffentliche Sicherheit garantieren – ohne Ausnahmen für Sportler, Politiker oder Selbstverteidigung.

BANGKOK – Die thailändische Regierung zieht im Kampf gegen Waffenkriminalität die Zügel extrem straff an. Wie Premierminister Anutin Charnvirakul am Dienstag (11. August 2026) im Regierungssitz bekannt gab, beschleunigt die Führung des Landes die Ausarbeitung eines grundlegend verschärften Schusswaffengesetzes. Vizepremierminister Pakorn Nilprapunt wurde in einer Kabinettssitzung bereits mit der zügigen Ausarbeitung des Gesetzentwurfs beauftragt.

Parallel dazu wies Anutin das Innenministerium sowie die Königlich Thailändische Polizei (RTP) an, die Erneuerung von drei zentralen Lizenztypen vorerst komplett auszusetzen, sofern das Kabinett keine gegenteilige Entscheidung trifft:

  • Por 3: Lizenz zum Kauf einer Schusswaffe oder Munition

  • Por 4: Lizenz zum Besitz und Gebrauch einer Schusswaffe

  • Por 12: Lizenz zum Tragen einer Schusswaffe in der Öffentlichkeit

Razzien, Kontrollpunkte und Kautionsverbot

Die Durchsetzungsverfahren werden massiv verschärft, die Strafen spürbar drastischer. Landesweit sind Verwaltungs- und Polizeibeamte angewiesen, die Kontrollen unverzüglich zu intensivieren. Im Fokus stehen dabei neu eingerichtete Kontrollpunkte, die gezielt Jagd auf illegale Schusswaffen und Drogen machen. Dass die Maßnahmen greifen, belegen bereits erste Erfolge aus der Nacht zum Montag (10. August 2026), in der mehrere Verstöße aufgedeckt wurden.

Für Aufgegriffene gilt ab sofort eine eiserne Linie: Während der Ermittlungen wird keine Kaution gewährt. Die Polizei ist angewiesen, entsprechende Anträge konsequent abzulehnen – Verdächtige bleiben bis auf Weiteres in Haft.

Das Ende des Waffen-Internethandels und Null-Toleranz auf Straßen

Das Mitführen von Schusswaffen ist ab sofort ausnahmslos untersagt. Anutin warnte die Bevölkerung ausdrücklich davor, Ratschlägen zu glauben, eine Waffe zur Selbstverteidigung zu tragen. Eine Schusswaffe im Alltag sei keine Sicherheit, sondern eine gefährliche Belastung, die Menschen in Lebensgefahr bringe. Auch das Mitführen von Munition ist strikt verboten.

Gleiches gilt für den Online-Handel mit Schusswaffen. Trotz der Herausforderungen bei der Überwachung stellte der Premierminister klar: Wer ohne Lizenz agiert, macht sich strafbar – unabhängig davon, wie schwer oder leicht die Kontrolle im Einzelfall ist. Jeder Besitz ohne gültige Lizenz wird bei strikter Durchsetzung mit Gefängnisstrafen geahndet.

Nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes wird die Regierung die Staatsanwaltschaft und die Gerichte um eine enge Kooperation ersuchen, um eine zügige, entschiedene Prüfung der Fälle zu garantieren und der Verweigerung von Kautionsfreilassungen in geeigneten Phasen juristisches Gewicht zu verleihen.

Abgabefrist für illegale Waffen und temporäre Straffreiheit

Selbst legal lizenzierte und registrierte Schusswaffen – etwa jene, die in den Vermögenserklärungen von Abgeordneten und Politikern aufgeführt sind – dürfen künftig ausschließlich im eigenen Heim aufbewahrt werden. Ein Mitführen ist verboten.

Für illegale Waffen plant die Regierung ein Gesetz zur verpflichtenden Abgabe innerhalb einer festzulegenden Frist. Dies gilt auch für Waffen, die rechtlich nicht übertragen werden können – etwa geerbte Schusswaffen eines Partners, wenn der Empfänger nicht die Voraussetzungen für eine Übernahme erfüllt. Für diesen Übergangszeitraum wird eine vorübergehende Straffreiheit gewährt. Obwohl Anutin betont, kein Jurist zu sein und den Begriff „Amnestie“ daher zurückhaltend nutzt, versicherte er: Wer seine Waffe fristgerecht abgibt, geht straffrei aus.

Hundertprozentiges Trageverbot: Keine Ausnahmen für Sportschützen

Das Mitführen legal besessener Waffen außerhalb der eigenen vier Wände wird vollständig untersagt. „Selbstverständlich können sie verboten werden“, stellte Anutin klar. Wer nicht als Staatsbeamter im aktiven Dienst eine Schusswaffe ohne Schein trägt, bricht das Gesetz.

Der Premierminister bezeichnete die Regelung als ein hundertprozentiges Verbot, das bei Verstößen konsequent mit Haftstrafen belegt wird. Ausnahmen gibt es nicht – auch nicht für den Schießsport:

  • Kein Waffentransport: Sportschützen dürfen ihre Waffen nicht mehr zum Training mitnehmen. Schusswaffen müssen dauerhaft auf den Schießständen deponiert werden.

  • Munitionskontrolle: Die Bestände an Übungsmunition auf den Schießständen werden strengstens überprüft. Munition muss exakt nach Bedarf vor Ort gekauft und verbraucht werden.

  • Keine Rechtfertigungen: Nach dem Training verbleiben die Waffen auf dem Schießstand.

Anutin verwies darauf, dass andere Länder bereits ähnliche Bestimmungen anwenden und merkte an, dass die Strafen für das illegal Waffentragen dort bis hin zur Todesstrafe reichen können.

Strikte Regeln im häuslichen Umfeld und in Regierungs-Entouragen

Wer zu Hause bedrohliches oder gewalttätiges Verhalten zeigt, erhält künftig keine Waffenscheine mehr. Der Premierminister rief Familien- und Haushaltsangehörige dazu auf, verdächtiges Verhalten von Waffenbesitzern aufmerksam zu beobachten und zu melden. Eine Schusswaffe aus dem Haus zu tragen ist illegal – Unkenntnis des Gesetzes schützt vor Strafe nicht.

Sogar für das Abfeuern einer Waffe auf dem eigenen Grundstück zur Selbstverteidigung gibt es rechtlich keinen Schutz: Das Erschießen eines Eindringlings bleibe nach Ansicht des Premierministers weiterhin rechtswidrig. Anutin begründete dies mit dem enormen Gefahrenpotenzial von Schusswaffen. Das Mitführen einer Waffe verleite Menschen dazu, sich mächtiger zu fühlen; unter Druck oder Wut führe dies unweigerlich zu Tragödien für sie selbst und andere. Er riet dazu, Waffen im Haushalt nur noch als reine Ausstellungsstücke in Vitrinen zu nutzen – ohne Munition und ohne Magazin.

Die Verschärfung macht auch vor den eigenen Reihen nicht halt. Anutin kündigte an, das Regierungsgebäude persönlich zu überprüfen. Sollten enge Mitarbeiter oder Mitglieder von Ministerkonvois Schusswaffen bei sich tragen, ohne als Polizisten im Dienst zu sein, müssten sie die vollen rechtlichen Konsequenzen selbst tragen.

Nachhaltige Durchsetzung statt Strohfeuer

Anutin unterstrich, dass die Reform keine kurzlebige Kampagne sein dürfe, die nachlässt, sobald das öffentliche Interesse abflacht. „Die Behörden dürfen das nicht zulassen“, forderte er. Sowohl Staatsbeamte als auch Verwaltungsbehörden stünden in der Pflicht, die Einhaltung der Gesetze dauerhaft und streng zu überwachen.

Eine Politik könne zwar nicht jedem gefallen, sie müsse jedoch vor allem die Sicherheit unschuldiger Opfer, gesetzstreuer Bürger und Kinder gewährleisten.

Auf seine private Situation angesprochen, erklärte Anutin, dass er einst eine Waffe besessen, diese jedoch verloren und den Verlust umgehend der Polizei gemeldet habe. Er besitze heute keine Schusswaffen mehr. Bezüglich der Schusswaffe, die in der Vermögensaufstellung seiner Frau bei der Nationalen Antikorruptionskommission (NACC) geführt wird, merkte er an, dass er nicht wisse, ob sie diese noch besitze – fest stehe jedoch, dass sie nun nirgendwohin mehr mitgenommen werden dürfe.

Redaktion STIN --> Austria // Thailand

Von stin

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