Die thailändische Regierung greift im Verwaltungsapparat durch: Um Doppelstrukturen abzubauen, Kosten zu senken und die Digitalisierung voranzutreiben, hat das Kabinett die Schaffung neuer zentralstaatlicher Außenstellen in den Provinzen gestoppt. Gleichzeitig stehen tausende bestehende Einheiten auf dem Prüfstand – mit einer strikten dreimonatigen Frist für die Ministerien.

Die thailändische Regierung geht entschlossen gegen die wachsende Bürokratie im Land vor. Am Dienstag, dem 11. August 2026, billigte das Kabinett umfassende Maßnahmen zur Reorganisation der regionalen Staatsverwaltung. Damit folgte die Regierung einem Vorschlag der Kommission für die Entwicklung des öffentlichen Sektors (Office of the Public Sector Development Commission, OPDC) und hob entsprechende Beschlüsse aus den Jahren 2007 und 2017 auf.

Das klare Ziel der Reform: Aufblähungen im Apparat stoppen, Doppelstrukturen eliminieren, langfristige Staatsausgaben senken und die Effizienz öffentlicher Dienstleistungen spürbar verbessern.

Verstoß gegen das Staatsverwaltungsgesetz

Die bisherige Praxis entsprach nach Auffassung der Regierung nicht mehr vollständig dem Staatsverwaltungsgesetz BE 2534 aus dem Jahr 1991. Dieses sieht eine strikte Dreiteilung der Verwaltung in ein zentrales, ein provinzielles und ein lokales System vor.

Der stellvertretende Premierminister und OPDC-Vorsitzende Pakorn Nilprapunt stellte klar, dass zentrale Behörden eigenmächtig Zweigstellen in den Provinzen errichtet hatten. Diese verdoppelten häufig die Aufgaben der gewählten oder ernannten Provinzgouverneure – eine Kategorie von zentralen Ablegern in den Regionen war im ursprünglichen Gesetz schlicht nicht vorgesehen.

Die Folgen dieser Praxis waren gravierend: Überschneidende Zuständigkeiten verwirrten Bürger sowie Unternehmen, verlangsamten die Problemlösung vor Ort und verursachten enorme Kosten.

3.708 Einheiten unter dem Seziermesser

Im Juni 2026 zählte die OPDC in den Regionen Thailands insgesamt 10.010 Verwaltungseinheiten auf Divisionsebene – ein Anstieg gegenüber 9.990 Einheiten vor dem Jahr 2017. Diese gliederten sich wie folgt auf:

  • 2.496 Verwaltungseinheiten auf Provinzebene

  • 5.321 Verwaltungseinheiten auf Bezirksebene

  • 2.193 Außenstellen der Zentralregierung

(Hinweis: Das Verteidigungsministerium, das Bildungsministerium und die Königlich Thailändische Polizei sind aufgrund spezieller Gesetzgebungen von diesen Zahlen ausgenommen.)

Für den jüngsten Zuwachs zeichneten sich im Wesentlichen sieben Behörden verantwortlich: das Amt für nationale Wasserressourcen, das Haushaltsbüro, die Zollbehörde, das Ministerium für Bodenschätze, das Ministerium für Meeres- und Küstenressourcen, das Büro des Ständigen Sekretärs für Justiz sowie das Ministerium für Kompetenzentwicklung. Neben diesen regionalen Einheiten existieren in Thailand zudem 7.842 lokale Verwaltungsorganisationen.

Im Visier der aktuellen Überprüfung stehen nun genau 3.708 Einheiten – etwa ein Drittel der gesamten regionalen Struktur. Diese Büros, darunter regionale Finanzämter, Straßenbauämter, ländliche Straßenbauämter und Zollkontrollstellen, wurden einst auf Basis von Ministerialverordnungen geschaffen, ohne das reguläre Prüfverfahren des früheren Kabinettsrahmens zu durchlaufen.

Dreimonatiges Ultimatum und das „One Roof“-Prinzip

Das Einfrieren bedeutet nicht das automatische Aus für alle 3.708 betroffenen Wohneinheiten, stellt jedoch strenge Bedingungen an deren Fortbestand. Die Ministerien haben ab sofort drei Monate Zeit, um für jede einzelne Außenstelle einen detaillierten, einjährigen Umstrukturierungsplan beim OPDC einzureichen.

Folgende Vorgaben gelten ab sofort:

  • Einrichtungsstopp & Überprüfung: Keine neuen Außenstellen der Zentralregierung in den Provinzen. Bestehende Strukturen müssen evaluiert und Aufgaben gegebenenfalls an lokale Verwaltungsorganisationen oder andere Sektoren übertragen werden.

  • Umwandlung: Notwendige Außenstellen müssen innerhalb der Drei-Monats-Frist in Teilverwaltungen der regulären Provinzstruktur umgewandelt werden.

  • Das „One Roof“-Modell: Ämter desselben Ministeriums im selben Gebiet sollen unter einer einzigen Behörde zusammengeführt werden. Als erfolgreiches Praxisbeispiel verweist die Regierung hierbei auf die provinziellen Handelsämter.

  • Strikte OPDC-Einbindung: Alle weiteren Strukturänderungen bleiben ausgesetzt. Bei künftigen Gesetzesentwürfen oder Ministerialverordnungen zur Schaffung regionaler Stellen muss zwingend vorab das OPDC konsultiert und dessen Stellungnahme dem Kabinett vorgelegt werden.

Personaloptionen und digitaler Wandel

Die Reform betrifft eine gewaltige Belegschaft: Auf regionaler Ebene sind derzeit 438.470 Beamte, Regierungsangestellte und Festangestellte beschäftigt (die Angestellten der Kommunalverwaltungen und der Stadtverwaltung von Bangkok nicht mitgerechnet).

Mitarbeiter, deren Dienststellen von Schließungen oder Zusammenlegungen betroffen sind, werden jedoch nicht im Regen stehen gelassen. Laut Pakorn Nilprapunt können sie eine Versetzung zurück in die Hauptzentralen beantragen oder an einem freiwilligen Vorruhestandsprogramm teilnehmen.

Parallel dazu setzt das Kabinett massiv auf Digitalisierung. Wo physische Büros durch Online-Plattformen, Computersysteme und E-Services ersetzt werden können, soll dies konsequent geschehen, um langfristig den Bedarf an Personal und Gebäuden zu senken.

Behörden reagieren zurückhaltend: Zoll wartet auf Details

In den betroffenen Behörden stellt man sich bereits auf die kommenden Auswertungen ein. Phantong Loykulnanta, Generaldirektor der thailändischen Zollbehörde, erklärte gegenüber Krungthep Turakij, dass man den genauen Wortlaut des Beschlusses noch erwarte. Ihm sei jedoch klar, dass der Schritt weit über seine Behörde hinausgehe.

„Wir haben die Einzelheiten noch nicht erhalten. Wir müssen die Personalstärke, die Positionen und die betroffenen Provinzen prüfen“, so Phantong.

Sollte die Evaluierung ergeben, dass einzelne Zollkontrollpunkte überflüssig sind, zeige man sich flexibel: Nicht benötigte Standorte könnten geschlossen, Personal umverteilt und moderne Technologien eingesetzt werden, um die betriebliche Effizienz aufrechtzuerhalten oder gar zu steigern. Das Ministerium wird seine endgültige Strategie formulieren, sobald alle detaillierten Vorgaben der Prüfbehörden vorliegen.

Redaktion STIN --> Austria // Thailand

Von stin

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