Das thailändische Board of Investment (BOI) hat sich mit dem Luft- und Raumfahrtgiganten Airbus getroffen, um die Rolle des Landes als regionales Zentrum für digitale Technologien sowie Luftfahrttechnik nachhaltig zu stärken. Ein zentraler Meilenstein dieser Allianz: Thailand dient künftig als weltweit einziger Teststandort für die Flugbetriebssoftware des europäischen Flugzeugbauers.

Nach Richtungsweisenden Gesprächen mit Bert Porteman, dem Präsidenten von Airbus Thailand, hob BOI-Generalsekretär Narit Therdsteerasukdi die Bedeutung des Standorts hervor: „Airbus betrachtet Thailand als einen strategischen Kernstandort. Der Hersteller hat sein regionales Flight Operations Centre of Excellence in dem Land eingerichtet, um digitale Luftfahrtsysteme und Servicemärkte in ganz Asien zu unterstützen.“

Massiver Stellenaufbau und Ausbau der Digitalplattform „Skywise“

Derzeit beschäftigt Airbus mehr als 200 Mitarbeiter in Thailand – was mehr als einer Verdreifachung der Belegschaft im Vergleich zum Jahr 2022 entspricht. Mit einem Anteil von 85 Prozent stellt die thailändische Bevölkerung den Großteil des Teams in den Bereichen Luft- und Raumfahrttechnik, Softwareentwicklung, Grafikdesign und weiteren technischen Segments. Bis Ende dieses Jahres plant das Unternehmen, das Team um mehr als 40 zusätzliche Fachkräfte aufzustocken.

Im Zuge seiner Digitalisierungsoffensive baut Airbus zudem seine zentrale Datenplattform „Skywise“ in Thailand aus. Von dort aus steuert der Konzern künftig Datenanalysen, Flugplanung, Sicherheitsmanagement sowie die vorausschauende Wartung für seine globalen Kunden. Bangkok fungiert dabei als regionale Zentrale, von der aus die gesamten Geschäftstätigkeiten in der ASEAN-Region, China, Indien, Japan und Südkorea überwacht werden – kombiniert mit der Funktion als exklusiver globaler Software-Teststandort.

Strategische Allianzen in Raumfahrt, MRO und nachhaltigem Treibstoff

Airbus vertieft zeitgleich die Zusammenarbeit mit thailändischen Behörden und Partnern aus der Privatwirtschaft. Im Raumfahrtsektor kooperiert der Konzern mit der Geo-Informatics and Space Technology Development Agency (GISTDA), während im Bereich der Flugzeugwartung eine Partnerschaft mit Thai Aviation Industries (TAI) besteht.

Darüber hinaus vereinbarten beide Seiten gezielte Initiativen zur Personal- und Arbeitskräfteentwicklung. Ziel ist es, die Wartungs-, Reparatur- und Überholungskapazitäten (MRO) für Thailands aktive Flotte von über 150 Verkehrsflugzeugen und knapp 80 Hubschraubern massiv zu erweitern. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf gemeinsamen Bemühungen, Thailand als regionalen Produktionsstandort für nachhaltigen Flugkraftstoff (Sustainable Aviation Fuel, SAF) zu etablieren.

Wachstumsmarkt trifft auf globale Lieferketten-Engpässe

Die langfristigen Aussichten des Sektors sind immens: Airbus-Thailand-Chef Porteman prognostiziert, dass sich der weltweite Passagierverkehr und die globalen Flottengrößen in den nächsten 20 Jahren verdoppeln werden. Daraus entsteht ein Bedarf von mehr als 20.000 Neufahrzeugen und Flugzeugen. Airbus selbst verfügt aktuell über einen Auftragsbestand von über 9.000 Flugzeugen – was einer gesicherten Auslastung und Produktion von mehr als zehn Jahren entspricht. Dennoch sieht sich die gesamte globale Luft- und Raumfahrtbranche mit Engpässen in der Lieferkette, akutem Arbeitskräftemangel und geopolitischen Spannungen konfrontiert.

In diesem Umfeld sieht Porteman klare Wettbewerbsvorteile für den südostasiatischen Staat: „Die geopolitische Neutralität und die Qualität der thailändischen Arbeitskräfte sind wichtige Stärken, die Thailand in die Lage versetzen, die Diversifizierung der Lieferkette in der Luftfahrtindustrie zu bewältigen.“

Potenziale in der Zulieferindustrie und klare Zukunftsagenda

Um diesen Weg erfolgreich fortzusetzen, fordert der Airbus-Landeschef gezielte Industriestrategien: „Das Land sollte spezifische Zielkompetenzbereiche definieren und bestehende Branchen mit hohem Potenzial, insbesondere die Automobilindustrie und die Fertigung von Präzisionsteilen, nutzen, um in die Flugzeugstrukturfertigung einzusteigen.“ Derzeit setzt Airbus in Thailand bereits auf rund 80 Zulieferer der Ebenen Tier-1 bis Tier-3.

BOI-Generalsekretär Therdsteerasukdi zog ein rundum positives Fazit des Spitzentreffens: „Das Treffen bot eine entscheidende Gelegenheit, Thailands Rolle in der globalen Luftfahrtindustrie zu stärken. Dies umfasst digitale und Softwareentwicklung, Lieferketten- und Personalentwicklung, den Ausbau der MRO-Kapazitäten sowie die Produktion von nachhaltigem Flugkraftstoff.“ Das BOI stehe bereit, sich eng mit Airbus und allen relevanten Behörden abzustimmen, um Thailand konsequent als regionales Zentrum für Luftfahrt und Spitzentechnologie zu positionieren.

Redaktion STIN --> Austria // Thailand

Von stin

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