Semperit-Konzern beendet Join-Venture in Thailand

Die bekannte, an der Wiener Börse gelistete Semperit Gruppe und die thailändische Sri Trang-Agro Industry Public Co Ltd Gruppe beenden ihr Geschäftsbeziehungen: Man habe sich auf die Beendigung fast aller gemeinsamen Geschäftsaktivitäten geeinigt, hiess es am Mittwoch. Ein entsprechender Vertrag wurde bereits unterzeichnet.

Dieser sieht die Übernahme der gemeinsamen Vertriebsgesellschaft in den USA (Sempermed USA) durch Semperit vor. Des Weiteren übernimmt Semperit bisherige Sempermed-Joint Venture-Gesellschaften in Singapur, China und Brasilien sowie die Mehrheitsbeteiligung an der malaysischen Formtech (Produzent von Keramikformen für die Handschuhproduktion).

Die Sempermed-Marken bleiben wie bisher im Alleineigentum von Semperit. Sri Trang übernimmt im Gegenzug die bisher zusammen betriebene Handschuhproduktion der Siam Sempermed Corporation Ltd (SSC) in Thailand.

Im Sektor Industrie übernimmt Semperit die Semperflex Shanghai mit einer Hydraulikschlauch-Produktionsstätte in China vollständig. Bei den Semperform-Geschäftsaktivitäten in China stockt Semperit ihren Anteil von 90 auf 100 Prozent auf.

In Thailand wird das Joint Venture Semperflex Asia (SAC) fortgeführt. Semperit einerseits und Sri Trang zusammen mit weiteren Gesellschaftern andererseits halten hier unverändert jeweils 50 Prozent an der Produktion für Hydraulikschläuche in Hatyai/Thailand. Semperit erhält eine Option, die restlichen 50 Prozent an der SAC um 60 Millionen Dollar (57 Millionen Euro) von den Joint Venture-Partnern zu erwerben.

Einmalige Zahlung

Semperit erhält im Rahmen der Beendigung der Joint Ventures eine einmalige Ausgleichszahlung in Höhe von 167,5 Millionen Dollar (rund 157 Millionen Euro) vor Steuern. Unmittelbar vor dem Closing werden SSC eine Dividende entsprechend einem Ausschüttungsvolumen von rund 118,2 Millionen Dollar und SAC eine Dividende entsprechend einem Ausschüttungsvolumen von 30 Millionen Dollar beschließen. Semperit wird rund 51 Millionen Dollar (rund 48 Millionen Euro) der SSC-Dividende vor Steuern in bar erhalten. Der Rest des Anteils von Semperit an der SSC-Dividende wird als Teil der gesamten Transaktion verrechnet.

Semperit-CEO Thomas Fahnemann: “Die nunmehrige Einigung ist fair für beide Seiten. Wir können uns nach Beilegung der Rechtsstreitigkeiten voll auf die Entwicklung unseres eigenen Geschäfts fokussieren. Wir werden unseren Wachstumskurs in den beiden Sektoren Industrie und Medizin mit ganzer Kraft fortsetzen. Mit dem Mittelzufluss können wir unsere Kapitalbasis weiter verstärken und unsere Investitionen vorantreiben.”

Semperit-Aufsichtsratsvorsitzender Veit Sorger: “Semperit hätte das Joint Venture Siam Sempermed gerne fortgeführt. Aufgrund der Erfahrungen mit dem Joint Venture in den letzten Jahren ist die nun erzielte Einigung aber der richtige Schritt für Semperit. Die nunmehr in vermindertem Umfang bestehende Zusammenarbeit im Segment Semperflex wollen wir erfolgreich fortführen.”

Die Neuregelung steht unter Vorbehalt der Zustimmung des Aufsichtsrates bei Semperit, eines entsprechenden Hauptversammlungsbeschlusses bei Sri Trang sowie Closing-Bedingungen. Das Closing der Transaktion wird für März 2017 erwartet.

Bei einem erfolgreichen Closing werden alle zwischen der Semperit Gruppe einerseits und der Sri Trang Gruppe bzw. SSC andererseits anhängigen Schiedsgerichtsverfahren und zivilrechtlichen Verfahren einvernehmlich beigelegt. Für den Fall des Scheiterns des Closings wurden übliche Break-Up-Fees vereinbart.

Dividendenpolitik auf dem Prüfstand

Ein erfolgreicher Abschluss der Transaktion  würde bei Semperit im Geschäftsjahr 2017 aus heutiger Sicht zu positiven Sondereffekten auf das Konzernergebnis in Höhe von rund 100 bis 115 Millionen Euro  führen. Dem stehen negative Sondereffekte im Konzernergebnis 2016 in Höhe von rund 30 bis 40 Millionen Euro hauptsächlich aufgrund nicht-cashwirksamer Wertberichtigungen sowie latenter Steuern entgegen. Diese Anpassungen werden im Zusammenhang mit der vorgesehenen Auflösung des Joint Ventures kombiniert mit der schwächer als erwarteten Entwicklung im Segment Sempermed notwendig. Aufgrund dieser erwarteten Sondereffekte wird die bestehende Dividendenpolitik der Semperit für die Jahre 2016 und 2017 überprüft.

Die Semperit AG Holding steht im Mehrheitsbesitz der (auch am Aluminiumkonzern Amag und am Faserkonzern Lenzing mehrheitlich beteiligten) B&C-Gruppe. Die Zentrale des österreichischen Traditionsunternehmens, das seit 1824 besteht, befindet sich in Wien. Die Gruppe beschäftigt weltweit über 7.000 Mitarbeiter, davon rund 4.000 in Asien und mehr als 800 in Österreich (Wien und Produktionsstandort Wimpassing, Niederösterreich). Zur Gruppe gehören weltweit 22 Produktionsstandorte sowie zahlreiche Vertriebsniederlassungen in Europa, Asien, Australien und Amerika. Im Geschäftsjahr 2015 erzielte der Konzern einen Umsatz von 915 Millionen Euro und verdiente dabei 46 Millionen Euro. Für 2016 waren Analysten bisher von rund 32 Millionen Euro Jahresgewinn sowie einer Dividendenkürzung von 1,20 Euro auf 83 Cent je Aktie ausgegangen.

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3 Antworten zu Semperit-Konzern beendet Join-Venture in Thailand

  1. Avatar emi_rambus sagt:

    berndgrimm: Die Chinesen werden sich freuen!

    Jetzt muesste man nur noch wissen, wer fuer das unnatuerliche Wetter verantwortlich ist! ❓

    • STIN STIN sagt:

      berndgrimm: Die Chinesen werden sich freuen!

      Jetzt muesste man nur noch wissen, wer fuer das unnatuerliche Wetter verantwortlich ist! ❓

      Amerikaner, Chinesen usw. – die den Klimawandel durch ihre Weigerung, was dagegen zu tun – eingeleitet haben.

      Asien hat mit vielen Umweltproblemen zu kämpfen und ist weltweit am schlimmsten von den Folgen
      des Klimawandels betroffen. Abholzung, hohe Luftverschmutzung, schlechte Wasserversorgung,
      extreme Temperaturschwankungen und Wetterumstände sind nur einer kleiner Teil der Bedrohungen
      für die Region.

      tw. sind durch Abholzung auch die Thais/Asiaten selbst schuld.

      http://www.kas.de/medien-asien/de/publications/36422/

  2. Avatar berndgrimm sagt:

    Die Semperit AG ist eine relativ kleine österreichische Gesellschaft.
    Aber ich weiss von einer grossen deutschen und mehreren japanischen
    Firmen dass sie ihr Engagement in Thailand erheblich reduzieren wollen.
    Nicht wegen dieser Militärregierung sondern weil hier garnix mehr vorangeht.
    Thailand hat sich selbst unattraktiv gemacht.
    Und es sieht nicht nach einer Besserung aus. Die Chinesen werden sich freuen!

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