Yingluck-Flucht: Thailand kontaktiert 6 Länder und Interpol

 

Das thailändische Außenministerium hat auf der Jagd nach der ehemaligen geflohenen Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra sechs Länder kontaktiert. Die thailändischen Behörden gehen davon aus, das Yingluck durch eines dieser Länder reisen musste, um aus Thailand zu fliehen. STIN berichtete hier.

Ministerpräsident Prayuth Chan-o-cha hat gestern gesagt, dass das Außenministerium die Zusammenarbeit auf diplomatischen Kanälen mit den sechs Ländern gesucht und die Einwanderungspunkte an den thailändischen Grenzen überprüft habe, um Yingluck zu finden, die kurz vor dem Urteil gegen sie aus dem Königreich geflohen ist.

Zu den sechs Ländern gehören:

Kambodscha,
Laos,
Myanmar,
Vietnam,
Singapur
und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Prayuth sagte weiter, dass Thailand nicht mit dem Vereinigten Königreich in Verbindung getreten sei, obwohl in den Medien darüber spekuliert wird, dass sie dort um politisches Asyl bitten könnte. Ministerpräsident Prayuth bezweifelt, dass Yingluck diese Möglichkeit in Betracht zieht.

Yinglucks gegenwärtiger Aufenthaltsort bleibt ein Mysterium, da sie am vergangenen Freitag nicht vor dem Obersten Gerichtshof auftauchen konnte, um ein endgültiges Urteil über ihre Anklage zu hören. In dem Urteil wollte das Gericht klären, ob Yingluck für die Unregelmäßigkeiten in der Reisverpfändungsregelung, die Tausende von Milliarden-Baht-Schäden am Staatshaushalt verursachte, verantwortlich ist oder ihre Pflicht vernachlässigt hat.

Armee-Chef General Chalermchai Sitthisat sagte, er glaube, dass Yinglucks Flucht gut vorbereitet und geplant war. Bei den Vorbereitungen zu ihrer Flucht aus Thailand könnte ihr Thaksin Shinawatra, ihr größerer Bruder geholfen haben. Thaksin, der ebenfalls bei einem Putsch im Jahr 2006 gestürzt wurde, lebt seitdem in Dubai im Exil.

“Im Gegensatz zu gewöhnlichen Leuten hatte Yingluck durchaus das Potenzial, alleine aus Thailand zu entkommen. Ihr Bruder könnte ihr dabei sogar geholfen und verschiedene Fluchtwege und auch einen Privatjet für sie vorbereitet haben“, sagte er weiter.  Dabei fügte er hinzu, dass das Signal ihres Handys kurz vor ihrem Verschwinden ausgeschaltet wurde und seitdem nicht mehr lokalisiert werden konnte.

Der Armeechef sagte er glaube, dass Yingluck das Land bereits verlassen habe, obwohl es bisher keine eindeutigen Beweise dafür gab, dass sie wirklich das Land verlassen hat.

Er gab zu, dass ihre Flucht nur durch eine Lücke in den Operationen des Nationalen Rates für Frieden und Ordnung (NCPO) und der Armee, die für die Sicherheitsangelegenheiten und die Kontrollpunkte an den Grenzen verantwortlich sind, möglich war.

Polizei-Chef Chakthip Chaijinda sagte, dass die Offiziere bereits mit mindestens 14 Menschen, die den Berichten zufolge zuletzt mit Yingluck vor ihrer Flucht in einem Hotel in Bangkok gesehen wurde, gesprochen haben.

Die Polizei befragte dazu auch ihren früheren Leibwächter, darunter auch den Polizei Oberst Watanyu Wittayaphalothai, der seit der Premiere von Yinglucks Bruder Thaksin für die Sicherheit der politischen Büroangestellten der Shinawatra-Familie verantwortlich war.

Der stellvertretender Polizeichef General Srivara Rangsipramanakul sagte, dass er sich mit Oberst Watanyu am Montag zu einem Gespräch getroffen habe. General Srivara betonte, dass es zwar eine nützliche Diskussion war, aber Oberst Watanyu keine weiteren Angaben zur Flucht oder zu dem Fluchtweg der ehemaligen Premierministerin machen konnte.

Die Einwanderungspolizei hat alle möglichen Abfahrtspunkte, einschließlich der Flughäfen, der Bus- und Zug Bahnhöfe überprüft, aber keine Hinweise darauf gefunden, wie sie es letzten Endes doch geschafft hat, aus dem Land zu schlüpfen.

Wie bereits berichtet, hat die thailändische Polizei mittlerweile bereits Interpol, die in mehr als 190 Ländern vertreten sind, kontaktiert. Allerdings hätten die thailändischen Behörden bisher noch keine Antworten zur Flucht oder zu dem möglichen Aufenthaltsort von Yingluck Shunaeatra erhalten.

Premierminister Prayuth und Armee-Chef General Chalermchai wiederholten und betonten dabei, dass die Junta-Beamten die den Auftrag hatten, Yinglucks Bewegungen zu beobachten, nicht an ihrer Flucht teilgenommen oder ihr die Flucht sogar ermöglicht oder erleichtert haben.

“Ich sehe keinen Nutzen für den nationalen Rat für Frieden und Ordnung (NCPO) darin, Yingluck auf ihrer Flucht geholfen zu haben. Jetzt sind wir die Beschuldigten“, fügte er hinzu.

„Premierminister Prayuth Chan o-cha ruft mich jeden Tag an um mir zu sagen, dass wir unsere Bemühungen beschleunigen und sie endlich finden sollen“, sagte der Armee Chef weiter.

“Ihr Leute murrten und haben sich bei uns mehrfach darüber beschwert, dass wir die Menschenrechte verletzen, indem wir sie so genau beobachteten. Ich bedauere, dass wir jetzt dafür verantwortlich gemacht werden, dass sie offensichtlich so einfach aus Thailand fliehen konnte. Alle Offiziere, die Yingluck tatsächlich zu ihrer Flucht geholfen haben, werden von uns verfolgt und dafür zur Rechenschaft gezogen“, fügte er hinzu. “Wir werden sie trotzdem weiter verfolgen”, betonte er.

Der stellvertretende Ministerpräsident Prawit Wongsuwan sagte, er sei nicht an der Flucht von Yingluck beteiligt und fügte hinzu, dass er sie niemals persönlich kennengelernt habe.

Mittlerweile weigerten sich sowohl das Außenministerium als auch die zuständigen Sicherheitsbehörden, Fragen zu dem Fall zu beantworten. Ebenso blieb die Frage unbeantwortet, wer nun über den Widerruf von Yinglucks thailändischem Pass zu entscheiden hat.

Während Außenminister Don Pramudwinai sagte, dass das Ministerium von der Polizei den Auftrag erhalten muss, um mit dem Widerruf des Passes fortzufahren, sagte Polizeichef Chaktame, dass das Ministerium sich selber um die Sache kümmern sollte. “Diese Art von Dinge braucht keinen Befehl, um mit den Ermittlungen und den Untersuchungen fortzufahren. Wenn es ihre Pflicht ist, kann das Ministerium sofort mit ihrer Arbeit beginnen,” sagte Polizeichef Chaktame.

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