China und Laos bauen weiter Dämme – ohne Rücksicht auf die anderen Mekong-Staaten

Der Xayaburi Damm, der erste Damm, der über dem unteren Mekong gebaut wurde, wurde zu einer interessanten Zeit in Betrieb genommen – nur wenige Tage bevor Thailand an diesem Wochenende den 35. ASEAN Gipfel ausrichtet.

Er ist deswegen so interessant, weil der Staudamm, der auf dem Territorium von Laos erbaut wurde, zusammen mit zehn weiteren Staudämmen am Mekong als Höhepunkt der Partnerschaft und wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den Ländern der ASEAN gepriesen wurde.

Der Xayaburi Damm wurde von einem thailändischen Investor finanziert und über 90 % des erzeugten Stroms werden an die thailändische Stromerzeugung (Egat) verkauft.

Am Dienstag (29. Oktober)wurde der Staudamm mit einem großen Medien Spektakel und einer Medienfanfare eröffnet – einschließlich großer Zeitungsanzeigen, in denen die guten Absichten des Betreibers und sein Engagement für die Schaffung eines nachhaltigen Staudamms für Xayaburi zum Ausdruck gebracht wurden.

Am selben Tag versammelte sich aber auch eine Gruppe von Einheimischen und Umweltschützern in Chiang Rai, um gegen die imposante Struktur zu protestieren, da sie gleichzeitig auch für das Austrocknen des Mekong verantwortlich gemacht wird.

Ein solches Paradoxon erinnert an das Thema des diesjährigen ASEAN Gipfels – „Advancing Partnership for Sustainability“. Für den Investor und die Unterstützer des Damms symbolisiert Xayaburi die „fortschreitende Partnerschaft“ unter den Mitgliedern der ASEAN Staaten. Ob dies jedoch zu „Nachhaltigkeit“ führen wird, bleibt dabei noch eine ganz andere große Frage, spekulieren die Medien.

Noch besorgniserregender ist aber, dass die Diskussion über die Mekong Staudämme auf dieser und auch auf den früheren Tagesordnungen des ASEAN Gipfels komplett zu fehlen scheint.

Der Staudamm Xayaburi ist dabei aber nur die Spitze des Eisbergs. China hat bereits 11 Staudämme vorgelagert und plant in den kommenden Jahren noch weitere 17 Staudämme zu errichten. Am unteren Mekong ist der Xayaburi Damm der erste von insgesamt elf Staudämmen in der Pipeline der Chinesen. Die meisten davon werden allerdings in Laos gebaut, das sich dabei als „Batterie Asiens“ profiliert.

Der Investor hat versucht, die Notwendigkeit von Xayaburi zu rechtfertigen, und hat ein kleines Vermögen für Umweltschutz und lokale Gemeindeentwicklung ausgegeben, um die Auswirkungen des Staudamms abzuschwächen. Trotzdem lässt sich nicht leugnen, dass der Aufstau des Mekong die Ökologie des gesamten Beckens schon jetzt grundlegend verändern hat und auch noch weiter verändern wird.

Stellen Sie sich vor, wie viel Wasser für 39 Mega Dämme umgeleitet werden muss! Dies wird zu einem regionalen Wettbewerb – einem „Krieg“ – um die Wasserressourcen sowie zu ökologischen Auswirkungen in einem Ausmaß führen, dass in der ASEAN Region bisher noch nie zuvor erreicht wurde.

Diese Bedenken werden jedoch als Schicksalsschlag abgetan und nicht als ernsthafte Herausforderung für das auf den ASEAN Treffen diskutierte Ziel der „Nachhaltigkeit“. Auf dem 35. ASEAN Gipfel gehören alle Umwelt- und Nachhaltigkeitsprojekte, die gebilligt werden sollen, zur Kategorie „Wohlbefinden“, wie Pläne für die Bewirtschaftung von Meeresschutt und intelligente Städte. Keiner riskiert dabei eine Beeinträchtigung des Investitionsklimas.

Es mag unfair sein zu sagen, dass ASEAN die Subregion Mekong, die einen großen Teil des Festlandes der Region abdeckt, ignoriert hat, seit sie 1996 die Entwicklungszusammenarbeit (AMBDC) für das ASEAN Mekong Einzugsgebiet ins Leben gerufen hat. Diese subregionale Zusammenarbeit hat jedoch sehr viel bewirkt, allerdings wenig wirklichen Fortschritt für die Region.

Derzeit werden ein Dutzend Kooperationsprojekte in der Mekong Subregion von dieser und anderen regionalen Stellen beaufsichtigt, darunter die Mekong River Commission (MRC) und die Lancang Mekong Cooperation (LMC) – eine chinesische Initiative, die 2015 ins Leben gerufen wurde.

Weitere solche Projekte werden sowohl auf subregionaler als auch auf internationaler Ebene überwacht und beziehen wichtige Dialogpartner in Europa, den USA, Südkorea und Japan mit ein.

Was die Region jedoch dringend benötigt, ist ein Mechanismus, der die Anrainerstaaten wirklich auf nachhaltige Entwicklungsziele ausrichtet.

Die MRC hat Anstrengungen in diese Richtung unternommen, wird jedoch durch ihre mangelnde Durchsetzungs- und Verhandlungsmacht behindert. ASEAN kann diese Mängel beheben, wenn es die Führung übernimmt und mit diesen Gremien zusammenarbeitet, um einen wirklich kooperativen Rahmen für die Entscheidungsfindung im Mekong zu schaffen.

Ein Beispiel dafür wäre die 1999 von 10 Anrainerstaaten gegründete Nile Basin Initiative (NBI) in Afrika. Das Nilbecken, in dem 300 Millionen Menschen in 10 Ländern leben, weist eine Vielzahl von Problemen auf, die von Wasserzugangsrechten über schlechte Wasserqualität bis hin zu Auswirkungen auf den Klimawandel und Staudammprojekten in den vorgelagerten Ländern reichen.

Das NBI begann klein, als Drehscheibe für den Austausch wissenschaftlicher Daten, hat sich jedoch mittlerweile positiv zum vorherrschenden Kooperationsmechanismus im Einzugsgebiet entwickelt. Natürlich bleibt noch viel zu tun, um das Ziel zu erreichen, dass alle Anrainerstaaten selbstlos zusammenarbeiten. Ihr bisheriger Fortschritt macht sie jedoch zu einem Modell für die Zusammenarbeit an den Ufern.

Wenn ASEAN beschließt, die Zusammenarbeit mit dem Mekong zu übernehmen, bietet die Politik der NBI zur Einbeziehung einen Weg. Die Aufteilung der Nilwasserressourcen ist nicht allein die Aufgabe von Regierungen und Investoren.

Das NBI bezieht Akteure der Zivilgesellschaft wie Landwirte, Fischer, NRO und Dorfbewohner in seinen Dialogprozess mit ein. Dazu gehören auch globale Akteure wie die Weltbank und die internationalen Hilfsorganisationen. Diese Gremien tragen dazu bei, wissenschaftliche Kapazitäten und Überwachungskapazitäten aufzubauen, die eine transparentere und umfassendere Aufteilung der Wasserressourcen ermöglichen, anstatt sie den Regierungen und Unternehmen zu überlassen, wie dies bisher im Mekong geschehen ist. / TP-BP

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5 Antworten zu China und Laos bauen weiter Dämme – ohne Rücksicht auf die anderen Mekong-Staaten

  1. Avatar Wolf5 sagt:

    Der Standard macht in seinem Artikel auf einige Probleme beim Bau weiterer Mekong-Staudämme aufmerksam.

    So waren Ende 2018 in Laos in den Zuflüssen zum Mekong bereits 46 Dämme in Betrieb. An 54 Staudämmen wird gebaut, bis zu 100 weitere sind geplant.
    Dazu kommen elf Großstaudämme im Hauptstrom des Mekong. Neun dieser Mammutanlagen befinden sich in Laos – zwei sind bereits in Betrieb.

    Mit dutzenden Wasserkraftwerken im Mekong und seinen Zuflüssen schädigt das bitterarme Laos nicht nur die Umwelt, es gefährdet auch das Überleben von Millionen Menschen.

    Eigentlich wäre es Aufgabe der Mekong River Commission (MRC), die “gemeinsamen Wasserressourcen und die nachhaltige Entwicklung des Mekong zu verwalten”.
    Das sagen die Statuten der Körperschaft, der Laos, Kambodscha, Thailand und Vietnam angehören.
    Doch die bald 25 Jahre alte Kommission ist von Bürokratie und den Eigeninteressen der Mitgliedsstaaten gelähmt, so Kritiker.
    https://www.derstandard.at/story/2000110515497/mekong-teurer-strom-aus-der-batterie-suedostasiens

  2. Avatar SF sagt:

    Habe schon lange nicht mehr soviel Quatsch gelesen! 

    • STIN STIN sagt:

      Habe schon lange nicht mehr soviel Quatsch gelesen!

      dann bitte bei Bangkok Post oder Reuters beschweren. Stammt nicht von uns.
      Oder bei der Mekong-Kommission, die das auch so sieht. Ebenfalls bei der US-Regierung, die das ebenfalls
      so sieht – bitte dort eine Beschwerde einlegen, dass du andere Infos darüber hast.

      Dann legst du denen deine Gegen-Beweise vor und wartest ab, was sie dazu sagen.

  3. Avatar Wolf5 sagt:

    Das Problem ist, dass die jeweiligen Landeschefs weltweit immer nur den Moment sehen und nicht an die Zukunft denken.

    Den Menschen (falls sie ohne jede Rücksichtnahme auf die Umwelt immer so weiter machen) wird es schon gelingen, die von ihr bewohnte Erde zu zerstören.

    Dabei sollten wir alle bedenken, unsere Erde kommt ohne die Menschen aus, aber die Menschen nicht ohne die Erde.

    Deshalb einige Beispiele des Versagens:

    Der Aralsee,
    dessen Hauptzuflüsse traditionell die Flüsse Amudarja (vom Süden her kommend) und Syrdarja (vom Osten) sind.
    Ihnen werden seit der Stalinära (1929–1953) große Wassermengen für die künstliche Bewässerung riesiger Anbauflächen für Baumwolle in Kasachstan und Usbekistan entnommen.
    Durch den geringeren Zufluss sank seitdem der Wasserspiegel des Sees kontinuierlich.
    Die seit etwa 1960 zunehmende Austrocknung des Sees stellt weltweit eine der größten vom Menschen verursachten Umweltkatastrophen dar.
    Mit ursprünglich rund 68.000 Quadratkilometern Ausdehnung (beinahe die Fläche Bayerns) war der Aralsee früher der viertgrößte Binnensee der Erde.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Aralsee

    oder

    Der Assuan-Staudamm
    lindert wie geplant die Folgen starker Hochwasser, und an den Dürren etwa der Jahre 1972 und 1983 leidet Ägypten weniger stark als zum Beispiel Somalia.
    Die zwölf Generatoren des Staudamms liefern 2,1 Gigawatt Strom – zeitweise die Hälfte des ägyptischen Bedarfs. Viele Dörfer bekommen erstmals Elektrizität.
    Doch die Nachteile überwiegen bei weitem.
    Der wichtigste: Der Damm schadet der Landwirtschaft mehr, als er ihr nutzt.
    Er hält einen großen Teil der wertvollen Schwemmstoffe zurück, der Boden wird weniger fruchtbar. Die Bauern verwenden zum Ausgleich teuren Kunstdünger, der das Ökosystem im Nil gefährdet.
    Der Assuan-Staudamm ist das eindrucksvollste Denkmal des fatalen Fortschrittswahns der sechziger und siebziger Jahre.
    https://www.zeit.de/wissen/geschichte/2010-01/assuan-staudamm/seite-2

    oder

    Drei-Schluchten-Talsperre in China
    Kein anderes Großprojekt war in den letzten Jahren so umstritten wie diese Talsperre in der Volksrepublik China.
    Der gigantische Drei Schluchten-Damm in China hat das natürliche Gleichgewicht am Jangtse-Strom durcheinandergebracht.
    Den Provinzen flussabwärts fehlt in der gegenwärtigen Dürre das Wasser.
    Für Schiffe ist der Damm ein Nadelöhr.
    Am Reservoir drohen Erdrutsche.
    https://www.focus.de/wissen/klima/klimaprognosen/drei-schluchten-damm-folgeschaeden-und-folgekosten_aid_629078.html

  4. STIN STIN sagt:

    wenn noch zig Dämme gebaut werden, könnte Thailand und Vietnam das Mekong Land verkaufen, weil dann kommt da kein
    Wasser mehr und die Region in Thailand und Vietnam kann Reisbau usw. einstellen.

    So entstehen Kriege….

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