Chiang Mai: Erfolgreicher Auswanderer berichtet über seinen Leben in Thailand

Schnelles Internet, niedrige Preise und gutes Wetter, das waren genug Gründe für Sven Ernst, sein Büro nach Chiang Mai in Thailand zu verlegen. Wie geht es ihm heute, fünf Jahre später?

Sie haben ihre Mietverträge gekündigt, ihr Hab und Gut verkauft oder verschenkt, Freunden und Eltern Adieu gesagt und sich ins Abenteuer gestürzt – in Indonesien, Peru oder den USA. Seit Jahren berichtet der Karriere-SPIEGEL über Auswanderer. Doch was wurde aus ihren Träumen? Der Spiegel hat nachgefragt.

Er hatte nur vier Wochen bleiben wollen, damals, vor Studienbeginn. Doch dann gefiel es Sven Ernst so gut in Chiang Mai, dass er seinen Platz an der Uni in München sausen ließ und sich stattdessen in der thailändischen Metropole in Informatik einschrieb. Die zweitgrößte Stadt Thailands gilt als Mekka digitaler Nomaden: Das Internet ist schnell, Lebenshaltungskosten und Mieten sind günstig, und es wird selten kälter als 25 Grad.

15 Jahre liegt die Reise von Ernst nun zurück. “Chiang Mai ist zu meiner Heimat geworden”, sagt er.

Wenn der 41-Jährige zur Arbeit geht, packt er manchmal seine Badehose ein. Zu seinem Büro gehört ein Swimmingpool. Er hat die Immobilie selbst ausgesucht; wichtiger als der Pool sei ihm der große Garten gewesen, sagt er. Dort können seine Mitarbeiter auf einer Slackline balancieren oder Tischtennis spielen. Oder unter Palmen am Laptop arbeiten.

Vor fünf Jahren berichtete der SPIEGEL zum ersten Mal über Sven Ernst. Er hatte mit Freunden eine Software-Agentur gegründet und beschlossen, einen Standort in Chiang Mai aufzubauen. Die Firma hatte damals 16 Mitarbeiter und profitierte von einem Förderprogramm des thailändischen Wirtschaftsministeriums für Start-ups. Das Stipendium ist mittlerweile ausgelaufen, aber Ernst kann sich eine Rückkehr nach Deutschland gar nicht mehr vorstellen.

Er hat nun zwei Kinder, beide sind in Chiang Mai geboren, sie sollen dort auf die deutsche Schule gehen. Und die Zahl der Mitarbeitenden in seiner Firma hat sich mehr als verdoppelt. Von den 35 Angestellten sind rund ein Drittel Thailänder, die anderen haben zehn verschiedene Nationalitäten. Auch vier Deutsche und ein Schweizer sind dabei.

Ernsts Mitgründer arbeiten von Stuttgart und München aus. “Wer als deutsche Agentur wahrgenommen werden will, muss auch vor Ort sein. Das ist für die Kommunikation mit Kunden unverzichtbar”, sagt Ernst.

Die Kollegen aus Deutschland besuchen ihn und sein Team ein- bis zweimal im Jahr, die Flüge spendiert die Firma. Wer will, kann mehrere Monate bleiben – oder länger. Das Austauschprogramm nutzen auch die Mitarbeiter im thailändischen Büro. Ein Thailänder arbeitete gerade drei Monate in Stuttgart, ein Russe wechselte von Chiang Mai ins Schwabenland.

70 Cent für ein leckeres Essen

Treue und zuverlässige Mitarbeiter zu finden sei schwer in Thailand, war Ernst gewarnt worden. Er kann das nicht bestätigen. “Das Recruiting ist einfacher als in Deutschland”, sagt er. “Man merkt zwar, dass die Konkurrenz größer geworden ist, aber hier kann man mit einem schönen Büro und flachen Hierarchien noch herausstechen.”

Vor fünf Jahren sagte Ernst, das einzige, was ihm in Thailand fehle, sei die Möglichkeit zum Netzwerken. Das hat sich geändert. Mittlerweile haben Firmen wie Facebook und Google in Bangkok Standorte, und Chiang Mai ist vielen Entwicklern ein Begriff. Das habe Vor-, aber auch Nachteile, sagt Ernst. “Die Preise ziehen stark an. Vor fünf Jahren konnte man mit 400 Euro im Monat noch gut über die Runden kommen, das wird jetzt knapp.”

Allerdings sei das Leben in Chiang Mai im Vergleich zu Deutschland noch immer sehr günstig. Für 70 Cent gebe es am Straßenstand leckeres Essen, auch Mieten und Gehälter seien niedriger. “In Stuttgart wäre ein Büro mit Pool für uns unbezahlbar.”

Kurzzeitig hatte Ernst überlegt, mit seiner zweiten Firma, einem Yogaportal, einen Standort im Silicon Valley zu eröffnen. Mehrere Monate war er damals in Kalifornien, um Fördergelder zu sammeln und Kontakte zu knüpfen. Dann entschied er sich doch wieder für Chiang Mai.

“Hier reicht das Startkapital einfach länger”, sagt er. “In San Francisco wäre uns das Geld schon nach knapp sechs Monaten ausgegangen, in Chiang Mai reicht es für mindestens zwei Jahre.”

Für Gründer, deren Firma an keinen Ort gebunden sei, sei das Auswandern nach Thailand allein aus finanziellen Gründen eine tolle Option. Aber: “Man braucht schon eine Affinität zu Asien, um hier zu bestehen. Wer noch nie in Thailand war, wird es schwer haben.” Wer zum Beispiel einen Handwerker bestelle, müsse damit rechnen, dass dieser kein Englisch verstehe.

Ernst spricht Thai, auch seine Kinder wachsen mit der Sprache auf. Seit seiner Ankunft habe sich viel getan, sagt er. “2004 gab es hier kaum Ausländer. Und die wenigen waren Missionare, Englischlehrer oder NGO-Mitarbeiter. Jetzt gibt es an jeder Ecke ein Café mit WLAN und viele junge Menschen aus aller Welt, auch sehr viele allein reisende Frauen.” / Quelle: SPIEGEL

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Wolf5
Gast
Wolf5
19. November 2019 11:11 am

Ich sehe nichts außergewöhnliches an diesem Bericht.

Da ist ein junger Mann, welche mit relativ geringen Mitteln einen erfolgreichen Betrieb aufgebaut hat.

Gleiches haben andere (auch in anderen Berufen z.B. als Koch, Fleischer usw.) in vielen anderen Ländern (sogar in Deutschland mit seinen recht umständlichen Bedingungen) ebenfalls praktiziert. Nur sind in den anderen Berufen die Kosten wesentlich höher.

Wir können deshalb hin und wieder von solch erfolgreichen Unternehmern hören und lesen.

Weniger berichtet wird über die Unternehmer, welche in den verschiedensten Ländern einschl. Thailand, ihr ganzes Geld auf eine Karte setzten und versagten.

Und da die Gastländer kein Interesse an derartigen Versagern haben, ist es dann nur noch eine Frage der Zeit, nach welcher sie dass einst so gelobte Land verlassen müssen.

Ergebnis: die meisten der deutschen Gescheiterten kehrten mit leeren Taschen nach Deutschland zurück und hoffen, dass sie dort in der sozialen Hängematte aufgefangen werden.

Und in dem konkreten Fall sollte auch nicht vergessen werden, dass, wenn diesen digitalen Nomaden bestimmte Dinge nicht mehr gefallen, diese einfach ihren Laptop einpacken und ohne größeren Aufwand ins nächste Land weiterziehen.

So hat es z.B. ein Russe mit Familie, welcher ca. 2 Jahre hier in Thailand agierte, gemacht und arbeitet nun bereits seit über 4 Jahren von Singapur aus.

Und wer sich unter digitaler Nomade nichts vorstellen kann, findet hier einige Erläuterungen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Digitaler_Nomade

berndgrimm
Gast
berndgrimm
19. November 2019 8:55 am

Ja ist es nicht herrlich, dieses Paradies?666!

Und für 20THB gibts ein Pad Thai?666!

Schnelles Internet? Von wem?666!

Aber die Spionage Software der Militärdiktatur gibts ganz umsonst!

Und dazu noch Behördenschikane, Ausländerhass ,Gewaltandrohung

und Verleumdungen.

Für Digital Nomaden die ihren Laden im Hirn und Laptop haben

sich nirgendwo fest binden müssen aber wenigstens ein Büro

in einem zivilisierten Land aufweisen können ist Thailand

und besonders Chiang Mai sicherlich eine billige Alternative !

Aber wer will dieses Land ernsthaft mit dem Silicon Valley

oder gar San Francisco vergleichen?

Ich habe durch die Abwicklung des Unternehmens unserer südafrikanischen Freunde

eine ganz andere Realität in Thailand kennengelernt:

Betrügerische Thai Angestellte die gemeinsame Sache mit betrügerischen

Thai Behördenchefs machen. Ein untätige und kontraproduktive Thai Polizei.

Verfahrensverschleppung,Beweisvernichtung. parteiische rassistische Urteile

vor Gericht.Betrügerische Thai Unrechtsanwälte.

You name it, they lie it.

Natürlich ist Thailand nicht nur ein Paradies für Kriminelle aber besonders

heutzutage hält man sich als anständiger gebildeter Mensch der sein Geld

nicht hier verdient lieber woanders auf!

San Francisco, Silicon Valley? Wäre auch für einen Rentner wie mich eine Option.

Aber leider unbezahlbar.Selbst mit LUX Rente!

Muss aber auch nicht sein denn 100km weiter kann man für den halben Preis

mieten oder kaufen und lebt in einem Rechtsstaat (trotz Trumpel) mit

besserem Wetter und viel sauberer Luft als in Thailand.

Und wenn man weg will kann man seine Immobilie auch wieder verkaufen!

 

berndgrimm
Gast
berndgrimm
19. November 2019 6:38 pm
Reply to  STIN

Meine Freunde, die oft auswärts  ihr Essen kaufen sind froh wenn sie

für 60THB ein Somtam ohne Beilage bekommen.

Für 20THB gibts bei uns ein Soya Eis vom Samlor oder die

furchtbaren Würstchen und undefinierbaren Schaschliks vom Grill.

Wenn wir zu zweit in ein Thai Restaurant (nix besonderes) gehen

kostet es incl++ min 600THB mit nur einer Flasche Singha für mich.

Mit Wein (wenn sie haben) min 1000THB.

In D haben wir bei meinem letzten Besuch in einem Weingarten an der Saar

für ein 3 Gang Menu (Salat/Suppe,Hirschgulasch mit Preisselbeeren,Dessert)

einer Flasche eigenen Wein und einer Flasche Mineralwasser und einem Kaffee

zu zweit  € 29,60 bezahlt ! In enem ruhigen Ambiente und einer guten Luft

die ich hier auch für mehrere tausend THB nicht bekomme, egal wo.

OK war eine Ausnahme, in anderen ähnlich gelagerten Etablissements

zahlen wir bis zum Doppelten.Ach so, einen Trester gabs noch umsonst dazu.

Als digitaler Nomade hat man auch mit den lokalen Behörden nicht viel zu tun.

Aber wenn man hier als Produktionsbetrieb mit 65 Thai Arbeitern/Angestellten

arbeitet ist es etwas ganz anderes. Da stehen die Thai Behörden Schlange

zum Abkassieren.Aber man kann dafür an den Arbeitern sparen!

Was STIN bei seinem Vergleich immer vergisst ist der Unterschied

zwischen einem zivilisierten Rechtsstaat und Thailand wo es

statt Recht und Ordnung jeden Tag eine neue Show gibt.

Ich habe immer geschrieben dass Thailand in Sachen Entertainment

durch nichts und niemanden zu übertreffen ist.

Nur irgendwann ist man die miesen Shows für die man teuer bezahlen muss einfach leid.