Süd-Thailand: Thailand kann Probleme im Süden nicht ohne Ausland lösen

Der thailändische Friedensprozess im 15 Jahre andauernden Aufstand im malaiisch-muslimischen Süden braucht externe Hilfe für einen Neuanfang, raten Experten. Der 15-jährige Aufstand im malaiisch-muslimischen Süden hat bereits mehr als 7.000 Menschen das Leben gekostet, berichtet Nikkei ASIAN Review.

Nach vier Jahren fruchtloser Gespräche könnte möglicher Weise ein Friedensdialog zur Beendigung eines separatistischen Aufstands in Südthailand endlich in Gang kommen.

Der neue Leiter des thailändischen Friedensdialogpanels kündigte am 29. November 2019 an, dass die wichtigste malaiisch-muslimische militante Organisation, die hinter 15 Jahren Aufstand steckt, bald an den Tisch kommen könnte – eine Entwicklung, die dem sterbenden Prozess neues Leben einhauchen würde.

Tage später kam ein Bericht, dass Vertreter dieser Gruppe, Barisan Revolusi Nasional Patani Melayu, bekannt als BRN, sich erst kürzlich mit thailändischen Beamten in Deutschland in Berlin getroffen hatten.

Der direkte Dialog zwischen Bangkok und der BRN würde die Bemühungen um eine Lösung des Aufstands wiederbeleben, der bisher schon rund 7.000 Menschenleben gekostet hat. Um die Konfliktursachen anzugehen, müssen Thailand und die BRN jedoch frühere Fehler vermeiden, raten Experten.

Die Gewalt in Thailands mehrheitlich malaiisch-muslimischen südlichen Provinzen ist weitgehend geografisch begrenzt. Die Militanten führen nur selten Angriffe außerhalb ihres proklamierten Heimatlandes Patani durch, zu dem die thailändischen Provinzen Narathiwat, Pattani und Yala sowie vier Bezirke der Provinz Songkhla gehören.

Das betreffende Gebiet ist etwa so groß wie der Libanon. In diesem Gebiet leben rund 2 Millionen Thailänder, von denen 80 % Muslime sind, der Rest sind überwiegend Buddhisten.

Die Gewalt hat seit ihrem Höhepunkt im Jahr 2007 über viele Jahre hinweg abgenommen, was zum Teil auf wirksamere Sicherheitsmaßnahmen, sowie auf die Erschöpfung des Konflikts vor Ort und möglicherweise auf die nachlassende Inbrunst der malaiischen Nationalisten zurückzuführen ist.

Aber der Aufstand wurde in der Vergangenheit niedergeschlagen, nur um in noch brutalerer Form wieder aufzutauchen. Militante können immer noch brutale Angriffe durchführen – erst am 5. November 2019 wurden bei einem Überfall in Yala 15 Menschen getötet – und sie können auch noch außerhalb des Südens zuschlagen, wie am 2. August 2019, als eine Reihe kleiner Bombenanschläge und Brandanschläge Bangkok erschütterten, beweisen.


Die Polizei inspiziert am 6. November 2019 den Schauplatz einer Schießerei an einem Sicherheitskontrollpunkt in Yala: Militante können immer noch schädliche Angriffe durchführen. © AP

Der Dialogprozess in seiner jetzigen Form hat seit seinem Beginn im Jahr 2015 wenig erreicht. MARA Patani, eine separatistische Dachorganisation, die gegründet wurde, um mit der thailändischen Regierung zu sprechen, schließt die BRN nicht ein, was bedeutet, dass sie keine Kontrolle über ihre Kämpfer hat.

Die BRN hat beschlossen, sich dem Prozess nicht anzuschließen, um sicherzustellen, dass der Dialog unwirksam ist. Thailand setzte sich für Malaysia ein, wo sich viele malaiisch-muslimische Militante im Exil aufhalten, um den Dialog zu erleichtern, trotz sowohl thailändischer als auch militanter Bedenken hinsichtlich seiner Unparteilichkeit.

Die BRN erhob Einwände gegen eine Prozessstruktur, die ihrer Ansicht nach hauptsächlich thailändischen Interessen als PR-Übung diente und ein „friedliches Mittel“ zur Konfliktlösung verfolgte, ohne dabei inhaltliche Gespräche zu führen.

Mitten in einem einseitigen Waffenstillstand im April 2017, der seine Führung und Kontrolle unter Beweis stellte, gab die BRN eine Erklärung mit drei Bedingungen für ihre Teilnahme am Dialog heraus:

  • unparteiische Mediation,
  • internationale Beobachter,
  • und vorherige Zustimmung beider Parteien zur Prozessgestaltung.

Thailand ignorierte allerdings diese Forderungen öffentlich, suchte aber leise weiter nach einem direkten Kanal zur BRN.

Um einen inhaltlichen Dialog in Gang zu bringen, sind mindestens zwei grundlegende Änderungen gegenüber früheren 2013 begonnenen Gesprächsrunden erforderlich:

  • Erstens müssen beide Seiten mehr Vertrauen in die Struktur des Prozesses haben, was bedeutet, dass die Grundregeln für den Dialog im Voraus vereinbart werden müssten.
  • Zweitens müssen beide Seiten ihre Herangehensweise ändern, damit der Dialog die Konfliktursachen angeht, anstatt eine Verzögerungstaktik anzuwenden.

Muslimische Frauen besuchen eine morgendliche Gebetsstunde in Yala: In Thailands südlichen Provinzen leben 2 Millionen Thailänder, von denen 80% Muslime sind. © Reuters

Alle Gespräche werden allerdings mit gewaltigen Hürden konfrontiert sein, warnen zahlreiche Experten, die mit dem Thema schon seit Jahren vertraut sind.  Die Abnahme von Gewalt könnte die Anreize für Thailand verringern, den Prozess als etwas anderes als eine Übung zur Informationsbeschaffung oder als eine Taktik sehen, um die Aufständischen zu verfolgen, während sie den militärischen Sieg anstreben.

Thailändische Beamte haben die Idee, mit „Kriminellen“ zu sprechen, bisher regelmäßig abgelehnt und darauf bestanden, dass eine „Win-Win“ -Verhandlungen der nationalen Souveränität Thailands widersprechen würden.

Einige konservative hohe Beamte betrachten daher die Forderungen nach Dezentralisierung als unverschämt, wenn nicht sogar als einen Aufruhr.

Nur wenige Menschen in Thailand glauben noch daran, dass die derzeitige Regierung, angeführt von Generälen, die 2014 einen Staatsstreich inszeniert haben, eine Änderung des politischen Status quo befürworten werden.

Die BRN versteht sich als nationale Befreiungsbewegung, doch ihre Verpflichtung zur Geheimhaltung aufgrund von Sicherheitsbedenken untergräbt ihr Bestreben, für malaiische Muslime in Thailand zu sprechen.

Für einige in der Bewegung ist der Widerstand gegen die thailändische Herrschaft eher ein Selbstzweck als ein Mittel für ein klares politisches Ziel. In den 15 Jahren der Kämpfe haben die Führer der BRN keine Vision formuliert, die über einen bloßen Aufruf zur Unabhängigkeit hinausgeht, beispielsweise die Festlegung der von ihnen bevorzugten Regierungsform.

Unter diesen Umständen könnte eine unparteiische Vermittlung durch ein anderes Land als Malaysia oder eine internationale Organisation den Parteien helfen, eine gemeinsame Basis zu finden.

Ohne Einigung darüber, wie ein produktiverer Prozess gestaltet werden soll, bleiben zukünftige wesentliche Durchbrüche daher vermutlich unerreichbar.

Wenn die BRN jedoch bereitwillig an den Tisch kommt und sich die beiden Parteien auf einen Rahmen für einen dauerhaften Dialog einigen können, kann die harte Arbeit bei der Ermittlung gemeinsamer Interessen ernsthaft beginnen.

Allerdings sollte niemand schnelle Ergebnisse erwarten. Es wird einige Zeit dauern, bis die Verhandlungsbefürworter die Skeptiker auf beiden Seiten davon überzeugen, dass Souveränität und Reform zusammenfallen können und dass ein Kompromiss keine Kapitulation ist.

Die endgültige Verankerung des Dialogs wäre jedoch ein erster Schritt zur Beendigung des tödlichen, ewigen Konflikts in den südlichen Provinzen Thailands. / TP-Nikkei

 

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4 Antworten zu Süd-Thailand: Thailand kann Probleme im Süden nicht ohne Ausland lösen

  1. Avatar berndgrimm sagt:

    Business as usual in Thailand !

    Die Ausländer sollen die Arbeit machen, dafür bezahlen und am Ende

    der thailändischen Gesellschaft und besonders dieser Militärdiktatur

    nebst Appendix  dafür danken dass man sie die Arbeit hat machen lassen

    und dass man sie dafür bezahlen liess!

     

    In diesem Zsusammenhang zwar leicht OT aber bsolut passend ein

    selbstauszufüllender Wunschzettel an den Weihnchtsmann für Thai aus der BP.

    Der auzufüllende Text ist natürlich von mir!

    https://www.bangkokpost.com/opinion/opinion/1820374/letter-to-santa-for-thais

    Dear Santa,

    Sawasdee 1) krap__ , Khun Santa. Greeting from Thailand where I celebrate Christmas with 2) a selfie spree with festive decorations at major malls __ . Although I live in a 3) dictatorship __ country, I always feel a link to you because Thailand has 4)nobody __ who's such a giving, generous figure as you are. He has blessed us Thais with his 5)contempt and humiliation __ . I would like to remind you that I've been very good this year.

    Here are the top five good deeds I've done.

    • I've never had a drug conviction.
    • I've never encroached on forest land and turned it into chicken farms for my own benefit.
    • I've never borrowed 25 watches from a wealthy BFF and worn them over a period of 10 years. I kreng jai.
    • I have the job that I have now because of my own merit and qualifications.
    • I've been turning down free plastic bags and straws from 7-Eleven for years even before it became a trend.

     

    As the Thai saying goes "Do good and you'll receive good things in return", here are my top three wishes for Christmas.

    9) I'd love _a Thai society where everyone is treated the same way under the eyes of the law. _ .

    10) I need a Thai society where there's no corruption, favouritism , nepotism and racism __ .

    11) It would mean the world for me if you give me _ competent leaders to run the country. _ .

    I will be sure to leave a yummy 12) new Charter from 2016__ for your tummy and you can wash it down with 13) the_Palang Pracharath Military Party_ .

    Love, 14) _Somchai Whohasencroachedmyfifteenraisorsoforthatlangkorn_ .

    P.S. Please don't try to climb down my chimney because I don't have one.But I have

    a full functioning Hatari fan if you need air transport.

  2. Avatar SF sagt:

    Süd-Thailand: Thailand kann Probleme im Süden

    Fake-Überschrift oder Übersetzungsfehler.

    Die 7.000Tote sind eine Lüge! Die Meisten haben mit dem Separatisten NICHTS zu tun!!! Vielleicht 800-1.000 und davon sind>2/3 Muslim! 

    In diesem Gebiet leben rund 2 Millionen Thailänder, von denen 80 % Muslime sind, der Rest sind überwiegend Buddhisten.

    Ich halte diese Aussage für vorsätzlich,  bösartig irreführend! 

    xxxxxxxxxx zensiert – Lügen.

    • STIN STIN sagt:

      Fake-Überschrift oder Übersetzungsfehler.

      nein, eigentlich gar keine Überschrift – fehlte noch was.
      Haben wir korrigiert – vielen Dank für den Hinweis.

      Die 7.000Tote sind eine Lüge! Die Meisten haben mit dem
      Separatisten NICHTS zu tun!!! Vielleicht 800-1.000 und davon sind>2/3 Muslim!

      nein, schon auch von der UN verifiziert.
      Jeder Bombenattentäter, der militärische Einrichtungen, Schulen, andere staatliche Organisitionen
      attackiert – ist ein Terrorist.
      Drogenhändler greifen nicht mit Kriegswaffen Militärstationen an, so einfach ist das.

      Mit Muslim hat das auch nix zu tun – die Terroristen töten auch Muslimische Soldaten.

      Ich halte diese Aussage für vorsätzlich, bösartig irreführend!

      nein, UN-konform.

  3. Avatar berndgrimm sagt:

    Auch diese Geschichte wird von der herrschenden Militärdiktatur nur benutzt

    um von ihrer Unfähigkeit irgndeines ihrer grossmäuligen Versprechen einzulösen

    abzulenken.

    Im Süden hat noch keine Thai Regierung irgendeine Lösung erreicht.

    Da ist diese selbsternannt "Gute" Militärdiktatur nicht schlechter als

    die Vorgängerregierungen.

    Es stimmt übrigens garnicht dass die BRN keine klaren Vorstellung

    über die künftige Regierungsform in den Sultanaten hat.

    Sie passt den Thai Nazis nur nicht.

    Wenn man eine Lösung im Süden wirklich haben wollte , könnte man

    sie sehr schnell bekommen.

    Aber dies hiesse Landverlust und dies will man nicht!

    Wo soll das Thai Militär sonst Krieg spielen?

    Schliesslich wurde sogar die Anschaffung der U-Boote damit begründet

    dass Malaysia auch welche hat!

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