Krabi: Vermülltes Paradies: Kajakfahrer filmt Plastikflut vor Thailands Küste / Aktivisten reinigen Strand

Nopparat Thara ist ein typischer Traumstrand: Feiner weißer Sand, türkisfarben leuchtet das Meer, sanft plätschern die Wellen. Und aus dem Wasser ragen die Kalksteinfelsen von Krabi in den Himmel. Am Morgen hat sich das Meer zurückgezogen, der Strand hat Massagequalitäten: Mini-Krabben sind bei der Arbeit, sie graben Löcher und werfen dabei den Sand auf, sie formen ein großes Muster aus vielen kleinen Sandperlen. Die Füße laufen wie über einen weichen Teppich. Es fühlt sich wunderbar an.

Thailand hat perfekte Strände zum Baden und Schnorcheln. Sonntagvormittags jedoch prägt nicht nur Badeidylle das Bild am Nopparat Thara, genauso wie in manch anderer Bucht – die Trash Heroes kommen. Sie treffen sich zum Cleanup.

Die meisten der rund zwanzig Aktivisten, die heute zum Saubermachen gekommen sind, kennen sich schon. Familien mit Kindern und einige Mitarbeiter von Hotels in Ao Nang. Es ist einer der Haupttouristenorte im südlichen Thailand. Kaffee und Kuchen gibt’s zur Stärkung vorweg, dann schwärmen die Menschen aus, immer zu zweit.

Ausgerüstet mit Stoff-Handschuhen und schwarzen Müllsäcken laufen die Aktivisten langsam am Strand entlang, den Blick auf den Sand geheftet. Viele tragen gelbe T-Shirts, die sie als Trash Hero erkennen lassen. Es wird ein bisschen geplaudert und gelacht, das Müllsammeln wirkt wie ein nettes Sonntags-Event.

Die Fuß-Massage-Qualitäten nimmt kaum einer wahr, die Aufmerksamkeit gilt den Zigarettenstummeln, Plastiktüten, Plastikflaschen, Kronkorken, Bierdosen, Schuhsohlen, Steropor. Alles Müll! Beim Aufsammeln mit dabei ist eine junge Frau aus Krabi. Während sie sich immer wieder bückt, um Dinge aufheben, erzählt sie, dass sie Reiseführerin ist und an diesem Sonntag ausnahmsweise mal frei hat.

Sie ist zum ersten Mal bei einer Trash Hero-Aktion dabei. Genauso wie die vier Kanadier, die in Ao Nang Urlaub machen. Übers Internet haben sie vom Cleanup erfahren. „Wir möchten etwas zurückgeben für unseren schönen Urlaub hier, sagen die jungen Leute. „Und man kommt so ein bisschen mit den Einheimischen in Kontakt”, freuen sie sich.

Sie finden viel Angespültes vom Meer und auch Abfall, den Strandbesucher hinterlassen haben. Keine großen Gegenstände, eher kleinteiliger Müll, wie man ihn genauso gut an Mittelmeerstränden sieht.

Zum Beispiel die Plastiktüten-Fetzen, schon halb im Sand begraben, und selbst bei der zweiten Runde gibt’s noch etwas zum Aufheben oder Ausbuddeln. Zu Hause, auf der Straße, da schaltet man beim Anblick von Müll eher auf Ausblenden, hier dagegen wird die Umwelt-Aufmerksamkeit geschärft. Das Cleanup stimmt nachdenklich.

Genau das ist das Ziel der Trash Heroes: „Wir wollen Bewusstsein schaffen und Menschen zum Mitmachen animieren”, erklärt Peter Kaudelka, der 2015 die Ao Nang-Gruppe gemeinsam mit seiner Frau Nan ins Leben rief. Peter kommt ursprünglich aus Hagen, der 53-Jährige lebt seit 2003 in Thailand.

Dort gründete er eine Agentur, die für verschiedene Reiseveranstalter, darunter Wikinger Reisen, Touren durch Thailand organisiert. „Der boomende Tourismus ist Teil des Müll-Problems, aber auch Teil der Lösung”, meint Peter, „schließlich wollen Urlauber eine saubere Umwelt, niemand möchte an einem verschmutzten Strand baden.”

Die erste Aufräumaktion fand 2013 auf der Insel Koh Lipe statt, initiiert vom Schweizer Trash-Hero-Gründer Roman Peter. Der IT-Fachmann fand hier sein Paradies, die kleine, leicht hügelige Insel in der Andamanensee war damals noch ein echter Geheimtipp. Allerdings ein Paradies mit Schönheitsfehlern.

Beim Tauchen und an den Stränden stieß Roman Peter immer wieder auf angeschwemmten Zivilisationsmüll. So beschloss er aufzuräumen, fand ein paar Mitstreiter und startete die ersten Cleanups.

Koh Lipe ist die südlichste Insel Thailands, nahe Malaysia. Zwar hat in den letzten Jahren der Tourismus deutlich zugenommen, doch das Eiland ist recht entspannt geblieben. An den pudrigen Sandstränden liegen Bungalowanlagen, dazwischen viele Thai-Massage-Liegen, chillige Bars mit Fruchtcocktails und einheimischem Chang-Bier.

Das Leben spielt sich barfuß ab, auch in den Restaurants direkt am Meer spüren die Zehen den Sand. Trubelig wird es später am Abend in der Walking Street am Pattaya Beach. Urlauber spazieren vorbei an Geschäften und Bars, einige Live-Bands spielen auf, Mopeds schlängeln sich durch die Menschenmenge.

Unbewohnte Inseln umgeben Koh Lipe. Sie gehören zum Tarutao-Nationalpark, sind mit dichtem Dschungel bewachsen, davor liegen schöne Korallenriffe. Für Schnorcheltouren kommt man mit einem knatternden Longtail-Boot von Koh Lipe aus zu den Nachbarinseln. Man taucht ein in die bunte Unterwasserwelt, trifft etwa auf schwarz-weiß-gestreifte Wimpelfische, auf Papageienfische, während vom Meeresgrund furchterregende Seeigel zwischen ihren langen schwarzen Stacheln funkeln.

Ihnen kommt man besser nicht zu nahe. Silbrig schimmernde Fischschwärme teilen sich vor der Schnorchelmaske, sie schweben vorbei. Dann, plötzlich, eine Seeschlange. Sie windet sich elegant durch die Korallenschluchten hindurch, manch Meeresbewohner flüchtet erschrocken. Die Schlange ist lila-schwarz gestreift und interessiert sich auf einmal für die Schnorchlerin. Eine kurze Dreh-Bewegung, und schon ist der Blickkontakt da. Auge in Auge.

Nur knapp unter der Wasseroberfläche schwimmt sie auf die Schnorchlerin zu. Mit einer schnellen, heftigen Flossenbewegung – viel Wasser aufwirbelnd – tritt diese hastig den Rückzug an. Zum Glück verliert die Schlange offenbar das Interesse, sie ward nicht wieder gesehen.

Während des Schlangen-Abenteuers hat Peter Kaudelka, der die Schnorchelgruppe begleitet, am Strand Plastikmüll aufgespürt. Zwischen Palmen und Büschen liegen weggeworfene Wasserflaschen. Für Peter alltägliche Routine, er ist eigentlich immer ein Müll-Held.

„Wenn ich auf meinen Touren Abfall sehe, dann nehme ich den einfach mit”, erzählt er. Auch seine Mitarbeiter schwört Peter auf Umwelt-Achtsamkeit ein. So gibt es zum Lunch für die Reisegruppen unterwegs statt in Plastik verpackte Sandwichs ein thailändisches Reisgericht in einer Box. Sie wird später ausgewaschen und wiederverwendet.

Für Sauberkeit sorgen in Thailand zwar auch die Nationalpark-Verwaltungen, aber ihre Mittel sind beschränkt. Auch manche Hotels reinigen ihre Strände selbst. Im Norden der Insel Koh Lanta, drei Stunden mit dem Speedboot von Koh Lipe, herrscht in einer Meeresbucht sogar striktes Rauchverbot. Damit die Giftstoffe aus den Zigarettenstummeln nicht in die Umwelt gelangen.

Das sonntägliche Cleanup am Nopparat Thara-Beach in Ao Nang dauert etwas über zwei Stunden. Am Ende wird der Abfall sortiert und gewogen, heute haben die Trash Heroes zwanzig Kilo gesammelt. Das ist wenig. Oft kommen hundert Kilo zusammen, wie Nan Kaudelka berichtet.

Und natürlich weiß sie: „Der Müll kommt wieder”. Laut einer aktuellen Studie des WWF landen jährlich acht Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren. „Aber immerhin, für heute haben wir es weggeschafft”, sagt Nan ermunternd. „Früher waren die Strände hier sehr schmutzig”, erinnert sie sich, „inzwischen schätzen auch viele Einwohner einen sauberen Strand und helfen mit”.

Trash Hero-Gruppen sind vor allem in Thailand und Indonesien aktiv, weltweit beteiligen sich derzeit rund 230.000 Menschen in 12 Ländern an den Cleanups. Zudem betreibt die Non-Profit-Organisation Aufklärung in Schulen, sie produziert wiederverwendbare Trinkflaschen sowie Einkaufsbeutel, um die Plastikflut einzudämmen.

„Wir prangern niemanden an, wir denken positiv”, beschreibt Nan Kaudelka die Philosophie der Bewegung. Unterstützung kommt jetzt auch von Regierungsseite: Thailand hat das Ende der Plastikbeutel eingeläutet, seit Anfang des Jahres verteilen die großen Supermärkte keine kostenlosen Exemplare mehr. Ab 2021 sollen die Wegwerftüten komplett verboten werden.

Ein Kajakfahrer aus Thailand machte vergangene Woche vor der Küste in Krabi einen Ausflug. Dabei traf der Mann auf eine entsetzliche Plastikflut.

 

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4 Antworten zu Krabi: Vermülltes Paradies: Kajakfahrer filmt Plastikflut vor Thailands Küste / Aktivisten reinigen Strand

  1. Avatar berndgrimm sagt:

    Meine Freunde kamen heute von einer Woche Krabi zurueck.

    Hotels billig (auch fuer Expats) Straende leer ,aber total vermuellt.

    Dafuer scheint es dort keine Alkoholverkaufsverbotszeiten zu geben.

    Auch in den Shops nicht!

    Meine Freunde sind Anti Alkoholiker aber trotzdem meine Freunde.

  2. Avatar "Forentroll" sagt:

    Das sieht aus als wäre der Kajakfahrer in den Auswurf des Müllbootes von Raylee West gekommen. 

  3. Avatar berndgrimm sagt:

    Na ja, um im Meer eine entsetliche Plastik (und Styropor nicht zu vergessen) Flut

    anzutreffen braucht man nicht bis hinunter nach Krabi zu fahren.

    Das gibt es in Thailand eigentlich ueberall ausser auf den blitsauberen

    thailaendischen Straenden aus STINs Photoshop.

    Ja, es gibt in Thailand durchaus Trash Hero Volunteers.

    aber dies sind entweder die Dummen die fuer die Drecksaeue den Dreck wegmachen

    oder es sind Maulhelden die nur dabeistehen und hinterher schoen Selfies von den

    momentan sauberen Straenden machen.

    Umweltbewusste Thai gibt es auch , aber viel zuwenige und zu gutmuetige also Dumme

    die fuer Andere den Dreck wegmachen ohne dafuer entlohnt zu werden.

    Wir haben in unserer Anlage relativ viele Umweltbewusste.

    Nuetzt aber nix, weil der Rest und die Angestellten fuer Muell Nachschub sorgen.

    Und natuerlich die lieben Nachbarn die ihren Plastikmuell und Sperrmuell

    im Meer entsorgen und dieser dann an unserem Strand angespuelt wird.

    • STIN STIN sagt:

      Das gibt es in Thailand eigentlich ueberall ausser auf den blitsauberen

      thailaendischen Straenden aus STINs Photoshop.

      nein, keine Sorge – mal selbst testen. Fahr mal die Strände von Trat runter bis zur Khmer-Grenze.
      Von Müll am Strand noch nichts zu sehen – zumindest vor ca 2 Jahren noch nicht. Aber kann sich natürlich ändern, wie auch
      in anderen – ehemals sehr sauberen Gewässern. Ozeane verdrecken und das ist nun mal Fakt.

      Koh Samed war letztes Jahr, als mein Sohn da war – auch noch sehr sauber. Kristallklares Wasser.
      Meckern kann man in jedem Land immer über alles – bis man Magengeschwüre hat 🙂

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