5 Jahre danach: Die Folgen

(MARK TEUFEL – GATEOT / modifiziert, 19.09.2011) Die Generäle werden es nicht gerne hören. Aber der Militärcoup von 2006 hat das Gegenteil von dem erreicht, was sie beabsichtigten. Thaksins Position ist so stark, wie sie heute niemals ohne den Coup wäre, denn sein Stern hatte 2006 den Zenit bereits überschritten, und wurde nur wieder aufpoliert, weil er sich als Opfer des Coups darstellen konnte. Noch nie haben sich mehr Thailänder aktiv um die Geschichte und Politik informiert als jemals zuvor, und noch niemals vorher sind deshalb so viele Thailänder „erleuchtet“ worden, wurden so vielen Menschen in Thailand „die Augen geöffnet“ über die wahren Verhältnisse im Land, und damit auch die wahren Beweggründe für die Einflussnahme des Militärs. 

Die Planungen der Generäle sahen anders aus. Man hatte erwartet, dass die thailändischen Menschen akzeptieren, was man ihnen erklärt, und demütig einen Wai machten, wie so oft in den letzten 60 Jahren. Schließlich hatte das Establishment so lange eine Hierarchie zementiert, das es erlaubte, zentralistisch und von oben nach unten, unumschränkt und unangefochten zu herrschen.

Aber jetzt gibt es plötzlich tausende von „roten Dörfern“, hunderttausende von Landbewohnern, die sich einem erneuten Militärputsch in den Weg stellen würden. Ein Vorgang, der in der Vergangenheit undenkbar gewesen wäre. Das schließt natürlich einen solchen nicht aus, macht ihn aber wesentlich unkalkulierbarer als in den 19 vorhergehenden Fällen. Denn bisher musste lediglich innerhalb der konkurrierenden Machtzentren des Establishments eine Hegemonie hergestellt werden, um dann über das ganze Land herrschen zu können. Nun gibt es ein neues Machtzentrum: Die rote Bevölkerung.

All dies wäre so vermutlich nicht eingetreten, wenn es nicht die Verbreitung der Informationen über Mobiltelefon, Fotokopierer, Fax, Internet, Satelliten-TV und Internet-TV gäbe. Besonders das Internet hat sich als wirksames Mittel für Meinungsmultiplikatoren entwickelt, sonst unterdrückte Nachrichten und Kommentare an andere Meinungsmultiplikatoren mit zu teilen, die es wieder in die traditionellen Kanäle der Verbreitung weiter leiteten. Und somit wird diesen neuen Medien zukünftig eine besondere Verantwortung zu Teil. Sie werden zukünftig eine größere Rolle als Korrelativ für Machtmissbrauch und Desinformation spielen. Dass die Mächtigen dieser Welt sich dieses Angriffes auf ihr Informationsmonopol bewusst sind, zeigt die weltweite Anstrengung, diese neue Form des Informationsflusses zu reglementieren, zu kontrollieren, zu manipulieren, zu desinformieren und zu beherrschen.

Zurück von der großen Weltpolitik zu Bloggern wie mich, die über Thailand berichten. Für diese bedeutet das, zukünftig gegenüber jeder Machtausübung kritisch eingestellt zu sein, die nicht zu mehr Transparenz, Demokratie und Freiheit in Thailand führt. Vollkommen unabhängig davon, von welcher Seite die Machtausübung ausgeht. Das Internet ist zu einem Korrelativ der herkömmlichen Medien geworden, und wird mittelfristig immer mehr Bedeutung erlangen. Die Frage, ob solche Blogs im Werberauschen der großen Mediengiganten untergehen werden, oder nicht. Dies wird maßgeblich davon abhängen, ob sie in der Lage sind, glaubhaft alternative Informationen anzubieten, und jede Art von Machtmissbrauch anzuprangern. Blogs, die nur eine politische Richtung mit Scheuklappen vertreten, werden mittel bis langfristig in der Bedeutungslosigkeit verkümmern, und haben keine Chance, sich gegen kommerzielle Systeme durchzusetzen. Denn sie verlieren ihre Glaubwürdigkeit, ihre Legitimation.

Deshalb ist es wichtig aufzuzeigen, dass auch eine gewählte Regierung Machtmissbrauch betreiben kann, und auch eine gewählte Regierung ständig mit den gleichen Maßstäben gemessen werden muss, wie eine, die durch Militärcoup oder Justizmachenschaften an die Macht gekommen ist.

Ein Regime, das diese Kritik unterdrückt, nimmt sich die Chance, frühzeitig auf Bewegungen auch der Wählerschaft aufmerksam zu werden, und könnte bei den nächsten Wahlen ein böses Erwachen erfahren. In diesem Sinne muss es im Interesse einer demokratisch gewählten Regierung sein, auch Kritik zuzulassen.

Wir Blogger werden aufmerksam beobachten, ob die Regierung von Yingluck Shinawatra dies tut. Oder ob sie nur die gleichen Texte mit einem anderen Umschlag versehen hat, und weiter die alten Sermone vorträgt.

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7 Antworten zu 5 Jahre danach: Die Folgen

  1. Avatar berndgrimm sagt:

    Ich hab jeden Tag meinen sozialen Tag für wirklich Bedürftige.
    Wenn der Dichterfürst direkt hier schreiben würde,
    müssten wirs nicht aufwendig hierhinkopieren.
    Aber er hat ja inzwischen die Kurve gekriegt.
    Nachdem es so aussah als wollte er wirklich mal Kritik
    an dieser Revolutions-Nicht-Regierung äussern,
    ist ihm wohl eingefallen von wem er bezahlt wird.
    Jetzt tut er wieder das was er am Besten kann:
    Geschichtsfälschung mit Anlauf.
    Er meint eben, je öfter er die gleichen Lügen(notfalls etwas
    modifiziert)wiederholt, umso wahrer werden sie.
    Und lesen tut sie ja eh keiner.

  2. Avatar emi_rambus sagt:

    @berndgrimm
    hast du heute wieder deinen sozialen Tag?
    Das gibt ja Ueberstunden, bin echt froh, wenn ich mal zu normalen Zeiten in die Kiste komme.
    Wir koennten ja eine 3-Tagesschicht vereinbaren.

  3. Avatar berndgrimm sagt:

    Deshalb ist es wichtig aufzuzeigen, dass auch eine gewählte Regierung Machtmissbrauch betreiben kann, und auch eine gewählte Regierung ständig mit den gleichen Maßstäben gemessen werden muss,

    Na dann tu es doch mal!
    Wenn das im ST.de nicht möglich ist wegen der Zensur,
    dann komm doch zu uns.
    Wir sind eh die einzigen die deinen Mist lesen und versuchen zu verstehen.

  4. Avatar berndgrimm sagt:

    Also ich kanns nicht mehr lesen.
    Hören schon sowieso nicht.

    Noch nie haben sich mehr Thailänder aktiv um die Geschichte und Politik informiert als jemals zuvor, und noch niemals vorher sind deshalb so viele Thailänder „erleuchtet“ worden, wurden so vielen Menschen in Thailand „die Augen geöffnet“ über die wahren Verhältnisse im Land

    Wenn das wirklich der Fall wäre, hätten wir nicht Takkis Revolutionsregierung
    sondern ein Regierung die nicht nur verspricht sondern auch mal was tut.
    Und Jatuporn und Nattawut würden mit Arschtritten dahin befördert
    wo sie hingehören.
    Entweder in den Knast oder zur Erholung nach Kambodscha,
    wo sie zusammen mit Arisman und Jakprapob
    den nächsten Putsch planen können.

  5. Avatar emi_rambus sagt:

    Fortsetzung:
    Thailaendische Uebersetzen, dann haben sie auch was zu lachen.
    Eben kommt im Fernsehen, wie das Militaer Hilfsgueter vor Ort verteilt, da stellt sich keiner in den Weg! 😛

  6. Avatar emi_rambus sagt:

    Aber jetzt gibt es plötzlich tausende von „roten Dörfern“, hunderttausende von Landbewohnern, die sich einem erneuten Militärputsch in den Weg stellen würden.

    Kann es echt bald nicht mehr hoeren!
    Diese undemokratischen “roten Doerfer” hat nirgends eine geheime Abstimmung gegeben. Der Hammer ist doch auch hier, der ueberwiegende Teil der Bewohner sind rechtlich gesehen gar keine Thais! Wanderarbeiter aus Laos, Kambodscha, … Staatenlose, Immigranten, .. solche Leute muss man nicht fragen :-[
    Da die rote Partei bis heute keine Linie geschweige denn Programm hat, wofuer sollen denn die Doerfer eintreten?
    Da wird sich keiner dem thailaendischen Militaer entgegenstellen.

    Der MT belegt Tag fuer Tag, er hat keine Ahnung von dem Land. Wo soll’s auch her kommen, noch nicht mal die Bilder und Anmerkungen in seinen Jahr”buechern” sind von ihm. Der kann doch nur Isaaner-Farangs die durch mangelnde Sprachkenntnisse auch keine Kenntnisse vom Land haben, mit der warmen “Luft” beeindrucken.
    Waere an der Zeit , Thailand laesst alles von ihm ins

  7. Avatar bukeo sagt:

    Der Autor polemisiert wieder wie gewohnt, ohne Ende.

    Die Generäle werden es nicht gerne hören. Aber der Militärcoup von 2006 hat das Gegenteil von dem erreicht, was sie beabsichtigten.

    richtig, ein Nebenziel wurde nicht erreicht und zwar die Bevölkerung auf einen demokratischen Weg zu bringen. Man hat zwar die Regierung undemokratisch gestürzt, aber man kann auch nicht behaupten, das die Regierung Thaksins demokratisch an die Macht gekommen ist.
    2001 waren die schmutzigsten Wahlen in der Geschichte Thailands, Thaksin hat sich also an die Macht gekauft.
    Das Hauptziel, Thaksin von der Macht zu entfernen, wurde erreicht und hält auch heute noch an. Ob Thaksin wieder an die Macht zurück kommt, wagen viele Experten zu bezweifeln.

    http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Thailand/wahl2.html

    Thaksins Position ist so stark, wie sie heute niemals ohne den Coup wäre, denn sein Stern hatte 2006 den Zenit bereits überschritten, und wurde nur wieder aufpoliert, weil er sich als Opfer des Coups darstellen konnte

    richtig, eine Zeitlang schien es so, als ob die Macht Thaksins in Thailand nicht zu brechen sei. Er finanzierte die Gewalt-Demo 2009 und begann damit, das Land zu spalten. Anwälte von ihm reisten um die Welt und diskreditierten Regierung und andere Institutionen.
    Als jedoch 2010 Rothemden begannen, Soldaten zu erschiessen – Blut auf Polizisten zu spritzen und Kinder, Mönche als Schutzschild missbrauchten – sank der Stern Thaksin erneut. Als dann Nattawut noch aufforderte, ganz Thailand abzufackeln – war es wohl vielen zuviel.
    In der letzten Umfrage ergab, das 76% der Thais sich keine Einmischung von Thaksin wünschen – das ist eine satte Mehrheit. Somit steht auch eindeutig fest, das Yingluck als Person gewählt wurde – nicht die PT selbst.

    Die Planungen der Generäle sahen anders aus. Man hatte erwartet, dass die thailändischen Menschen akzeptieren, was man ihnen erklärt, und demütig einen Wai machten, wie so oft in den letzten 60 Jahren.

    richtig, die machen den Wai nun zweimal täglich vor dem Bild Thaksins – in den Rothemden-Dörfern. Als Populist ist Thaksin nicht zu schlagen – da stimmen wohl auch alle Anti-Thaksinistas zu. Leider lügt er sie an, missbraucht sie und wirft sie nach der Wahl erstmal weg – es reicht, wenn man die Rothemden 1 Jahr vor der Wahl wieder rausholt.
    Aber ob die Rothemden in der Tat so naiv sind, das sie dies nicht irgendwann merken.

    Ein Regime, das diese Kritik unterdrückt, nimmt sich die Chance, frühzeitig auf Bewegungen auch der Wählerschaft aufmerksam zu werden, und könnte bei den nächsten Wahlen ein böses Erwachen erfahren. In diesem Sinne muss es im Interesse einer demokratisch gewählten Regierung sein, auch Kritik zuzulassen.

    nein, leider, leider nicht.
    Wie man weiss, wurden die Medien bei Thaksin massiv unterdrückt – ITV aufgekauft, kritische Berichterstatter entlassen, The Nation fast in den Ruin getrieben, die Bangkok Post um ein Haar durch eine feindliche Übernahme mundtot gemacht. Den kritischen Menschenrechtsanwalt durch Polizei entführt usw.
    Stört die Thaksin-Anhänger absolut nicht, auch 3000 tote Unschuldige (es gilt auch in Thailand die Unschuldsvermutung) nicht, es stört die Rothemden kein Amtsmissbrauch, keine Korruption – absolut nichts. Hauptsache Thaksin teilte Gratiskühe aus und man braucht nicht zu arbeiten – alles gratis. Den Mikrokredit zumindest bis zur nächste Rate, die dann durch Kredithaie finanziert werden musste.

    Wie sagte Chavalit 2008:

    Ein Coup ist zu akzeptieren, wenn er die Nation und die Monarchie schützt. Es gibt also sog. gute Coups und schlechts Coups. Auch Chavalt – der ja 2008 der PPP angehörte, wäre damals für einen guten Coup gewesen.

    http://www.tannetwork.tv/tan/ViewData.aspx?DataID=1006914

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