Suthep Thaugsuban: Vom Vizepremier zum Demoführer

Einst war Suthep Thaugsuban Thailands Vizeregierungschef und mit der Niederschlagung von Protesten beauftragt. Jetzt steht er auf der anderen Seite. Wie er es mit der Demokratie hält, scheint fraglich.

Noch vor ein paar Jahren war Suthep Thaugsuban Vizeregierungschef und ein ranghoher Manager der ältesten politischen Partei in Thailand. Man kannte ihn als Mann im Anzug mit Schlips. Jetzt ist der 64-jährige Karrierepolitiker aus seiner Berufskleidung geschlüpft, hat sich von der oppositionellen Demokratischen Partei distanziert und sieht eine neue Berufung: als Strassenkämpfer.

Suthep ist der Drahtzieher und Wortführer der jüngsten Runde von Strassenprotesten in Thailand. Er hat geschworen, Regierungschefin Yingluck Shinawatra zu stürzen, indem er mit seinen Gefolgsleuten ein Ministerium nach dem anderen besetzt. Und er meint es zweifellos ernst, ist anscheinend bereit, bis zum Umfallen zu kämpfen.

«Ich bin bereit zu sterben»

Nachdem er Anfang der Woche das Finanzministerium gestürmt und dort zwei Nächte campiert hatte, stand er am Mittwoch erneut an der Spitze von Strassenmärschen. Jetzt stets ganz in Schwarz gekleidet, ist er verschwitzt und sieht müde aus. Seine Stimme klingt heiser, weil er immer wieder die Menge übertönen muss. Aber trotzdem strahlt er entschlossenen Kampfeswillen aus. «Wir ziehen friedliche Methoden vor», sagt er Reportern und fügt dann hinzu: «Wenn wir keinen Erfolg haben, dann bin ich bereit, auf dem Schlachtfeld zu sterben.»

Dass Suthep nicht zimperlich ist, hat er bereits in der Vergangenheit bewiesen. Aber da stand er auf der anderen Seite der Proteste: In seiner Zeit als Vizeregierungschef war es seine Aufgabe, mit Demonstranten gegen die von den Demokraten geführte Regierung fertig zu werden. So gab er 2010 dem Militär grünes Licht, gegen Anhänger des früheren Regierungschefs und Milliardärs Thaksin Shinawatra durchzugreifen, die weite Teile der Innenstadt von Bangkok besetzt hatten.

Im Zuge der achtwöchigen Proteste und des Militäreinsatzes kamen mehr als 90 Menschen ums Leben, etwa 1800 wurden verletzt. Es war die schlimmste Eskalation politischer Gewalt in Thailand seit Jahrzehnten.

Strippenzieher im Hintergrund?

Auch laut einer von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichten Depesche der US-Botschaft nutzte die Demokratische Partei Suthep häufig als Mann fürs Schmutzige. «Mehrere Demokraten haben sich privat bei uns beklagt, dass er sich korrupt und unethisch verhält», hiess es in der Depesche. Während der damalige Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva mit seiner Oxford-Ausbildung öffentlich sozusagen als sauberer Intellektueller aufgetreten sei, habe Suthep im Hintergrund für die Partei die Strippen gezogen.

Sutheps Vergangenheit und Unberechenbarkeit lässt heute viele befürchten, dass er das Land in eine explosive Lage führen könnte. Die Demonstranten wollen unter seiner Führung Yingluck von der Macht vertreiben, weil sie die Regierungschefin für eine Marionette von Thaksin halten, der ihr Bruder ist. Thaksin war 2006 als Regierungschef gestürzt worden, aber übt von seinem Exil in Übersee aus weiter grossen Einfluss aus.

«Ich arbeite lieber hier für das Volk»

Suthep trat ins Rampenlicht, als die im Oktober begonnenen Demonstrationen gegen die Regierung an Fahrt gewannen. Er gab Mitte Oktober seinen Parlamentssitz auf, um die Proteste anzuführen. Versprach er anfangs zivilen Ungehorsam als Strategie, begann er dann mit der Besetzung von Regierungsbehörden. Und forderte er zunächst Yinglucks Rücktritt, sagt er heute, dass dies nicht ausreiche.

Sein Ziel ist nach eigenen Angaben jetzt, die Regierung durch einen Rat zu ersetzen, der bestimmt und nicht gewählt werden soll – demnach also weniger Demokratie statt mehr. Zugleich erklärt Suthep, dass er keine Ambitionen habe, Regierungschef zu werden. «Als Parlamentsmitglied trägst du Anzug und Schlips, handelst klug in einem Zimmer mit Klimaanlage», sagte er am Mittwoch am Rande der erneuten Demonstration. «Hier sprichst du, bis du deine Stimme verlierst. Aber ich habe mich entschieden, ich arbeite lieber hier für das Volk.»

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