Suthep: Märtyrer und Volksheld?

Suthep Thaugsuban ist Protestanführer derer, die in Thailand die Regierung stürzen wollen. Sein Markenzeichen: die vergoldete Trillerpfeife. Anzug und Krawatte hat er gegen schwarze Hemden getauscht.

Der Protestanführer zeigte sich kürzlich mit einer vergoldeten Trillerpfeife. Das ist das Markenzeichen der Demonstranten, die in Thailand die gewählte Regierung stürzen wollen. Die goldschimmernde Pfeife deutete aber auch zu Recht an, dass Suthep Thaugsuban kein einfacher Mann ist. Wie seine Anhänger gehört der 64 Jahre alte Politiker der Mittel- und Oberklasse an. Als seit Jahren führendes Mitglied der Partei der „Demokraten“ vertrat er die Elite des Landes, die der Monarchie treu ist und früher politisch den sogenannten Gelbhemden zugeordnet wurde. Sie ist besonders stark in Bangkok sowie im Süden vertreten, wo auch Sutheps Heimatprovinz Surat Thani liegt. Der Unternehmer hat dort mit Shrimps und Palmöl ein Vermögen gemacht. Er hatte einst auch einen Abschluss in Politikwissenschaft an einer amerikanischen Universität erlangt.

Um den Aufstand anzuführen, hat er Abgeordnetenmandat und Parteiämter allerdings abgelegt. Statt im Anzug und mit Krawatte tritt er jetzt in schwarzen Hemden auf. Er sitzt neben seinen Anhängern auf dem Boden oder marschiert mit ihnen stundenlang durch die Hitze. Das alles, um endlich das „Thaksin-Regime“ zu stürzen, von dem sein Lager annimmt, dass es mit Geld und Korruption die Geschicke des Landes bestimmt. Damit meint er vor allem die Regierungschefin Yingluck Shinawatra und ihren Bruder, den ehemaligen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra. Thaksin war 2006 mit Hilfe des Militärs gestürzt worden und lebt seit Jahren im Exil. Suthep wirft der Regierung vor, sie werde von Thaksin aus der Ferne kontrolliert und habe mit einem Amnestiegesetz seine Rückkehr geplant.

Fragliche Vergangenheit

Die Amnestie wurde durch die Proteste verhindert. Das reicht Suthep aber nicht. Er lässt sich auch nicht von einem Haftbefehl abhalten. Er stilisiert sich zum Märtyrer. Andere sehen ihn als „tragische Figur“. Seine Partei hat viele Niederlagen hinnehmen müssen. 2011 wurde die Regierung, in der Suthep als Vizechef diente, und die durch einen Putsch an die Macht gekommen war, bei den Wahlen von der jetzt regierenden Pheu-Thai-Partei klar besiegt. Suthep und seine Mitstreiter sagen, dass Stimmen gekauft worden seien. Von demokratischen Wahlen hält er deshalb nicht sehr viel. Er möchte lieber erst einmal ein „Volksparlament“ einsetzen.

Anti government protests in Bangkok © DPA
Anti-Regierungsproteste in Bankgkok. Demonstranten hören Suthep Thaugsuban zu

Dabei hatte der Politikveteran selbst seit 1979 im Parlament gesessen und mehrere Ministerposten inne. Er und sein früherer Regierungschef Abhisit Vejjajiva sollen für das gewalttätige Vorgehen gegen die sogenannten Rothemden, die demonstrierenden Anhänger Thaksins, bei den Unruhen 2010 verantwortlich sein. Damals wurden mehr als 90 Menschen getötet. Die beiden Politiker sind deshalb des Mordes angeklagt. Für sich reklamiert Suthep, gegen die Korruption vorgehen zu wollen. Dabei stand er auch einst selbst unter Verdacht. Er soll Land, das für arme Bauern gedacht war, an reiche Familien auf der Ferieninsel Phuket gegeben haben. Ironischerweise war in der Folge des Skandals auch sein heutiger Erzfeind Thaksin in die Politik eingestiegen.

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8 Antworten zu Suthep: Märtyrer und Volksheld?

  1. Avatar hanseat sagt:

    Moin Paul,
    du schreibst als Einleitung: “ Ich komme aus der Nach-Thaksin-Zeit und habe mich mit ihm nicht so sehr beschäftigt.“
    Ferner sagst du: „In jedem Fall gibt es für den Umsturz von Suthep und seinen Fans keine Grundlage.“
    Dazu möchte ich nachfolgendes dir zum Bedenken aus meiner Sicht geben.
    Da ich seit 2000 mich in diesem Lande befinde, habe ich das „Glück“ gehabt, alle Höhen und Tiefen des Khun Thaksin mit zu erleben. Wie willst du beurteilen, dass der Suthep und seine Fans keine Anlässe für einen Umsturz hätten, wenn du die Zeit des Thaksins ausblenden willst? Er, der Ex-PM Thaksin, ist doch der Grund dieser ewigen Strassen-Events, die wir in gleichbleibenden Abständen von der einen und dann von der anderen Seite der Farbenscala verfolgen dürfen. Du musst nicht den Thaksin mit Hitler vergleichen, vergleiche lieber Thaksin mit dem endlich geschassten Bonga-Bonga-Experten Berlusconi der Italiener. Auch der war ein Nimmersatt, einer, der meinte, er könne alles sich erlauben. Du kannst ja verfolgen, wie viel Jahre eine Demokratie in Italien bedurfte, diesen Herren juristisch aus dem Parlament zu verbannen. Ist dir bekannt, wie lange schon die Anklage gegen Thaksin bei der Staatsanwaltschaft liegt, sich vor Gericht zu verantworten, wieso er für seinen damaligen Aktien-Verkauf keine Steuern hat bezahlen müssen? Die Klage mit dem Haftbefehl gegen Suthep hat die Staatsanwaltschaft innerhalb kürzester Zeit umgesetzt. Ok, kannst du vielleicht noch nicht wissen, die Staatsanwaltschaften sind schon größtenteils von Thaksins Fans bestallt worden. Nach Sutheps Meinung hat der gesamte Thaksin-Clan, der momentan die Politik und auch die Wirtschaft Thailands beherrscht, nichts mehr in der Politik zu suchen. Neuwahlen bringen, wie auch in Italien vorgemacht, nur die alte Krake wieder zurück. Zum Schluss möchte ich dir noch zur Überlegung nachreichen, als der Thaksin zum ersten Mal zum PM gewählt wurde, er dem Wahlvolk u.a. versprach: „Ihr könnt mich wählen, derweil ich unbestechlich bin. Ich bin so reich, dass ich keine Korruption benötige“ In England liegen rund eine Milliarde EURO des Thaksin auf Eis, weil er die Herkunft dieser Riesensumme (Schwarzgeld?) nicht erklären kann oder will. Der Mann, der es der Englischen Regierung mitteilen wollte, wurde, man sollte es nicht glauben, von bösen Menschen vor geraumer Zeit ermordet. Die wichtigen Unterlagen sind seitdem, du wirst es nicht auch glauben, nicht auffindbar.
    Solch einen Berlusconi sich zu entledigen, wäre schon ein Grund, wenn man weiß, dass die PM YL nur die Befehle ihres in Dubai lebenden Bruders befolgt.
    Es ist noch nichts in trocknen Tüchern für die eine noch die andere Seite. Auch die Krake Bürgerkrieg liegt immer noch in der Luft, was sehr schlimm wäre!

  2. STIN STIN sagt:

    Phrom Phong,

    richtig, weil sie nicht funktionieren kann. Um wirklich in Thailand Demokratie einzuführen, müsste erstmal verhindert werden, das man Wähler kauft. Egal ob mit unfinanzierbaren Versprechungen, oder mit Kuverts vor der Wahl.

    Suthep ist sicher kein Engel, aber er hat ja auch nicht mehr vor, aktiv in der Politik mitzumischen. Er ist momentan höchstens der Wegbereiter.

  3. Avatar Phrom Phong sagt:

    Demokratie in Thailand vergiss mal, geht mit Thaksin nicht. Democracy is not my goal – hat er immer behauptet.

    Auch Suthep hat an Demokratie eher wenig Interesse.

  4. STIN STIN sagt:

    Paul, es ist gleich wie in der Ukraine. Da wird einer gewählt und denkt, er kann das Land aussaugen. Geht halt nicht immer gut.
    Nun kämpfen Suthep und Klitschko den gleichen Kampf. Interessant auch, die gleichen Methoden – Protester haben geantwortet, sie hätten die Catarpillar in der Ukraine gesehen, daher haben sie auch welche geholt.

    Demokratie in Thailand vergiss mal, geht mit Thaksin nicht. Democracy is not my goal – hat er immer behauptet.

  5. Avatar Paul sagt:

    hanseat,

    Ja, mag sein. Ich komme aus der Nach-Thaksin-Zeit und habe mich mit ihm nicht so sehr beschäftigt. In jedem Fall gibt es für den Umsturz von Suthep und seinen Fans keine Grundlage. Die gäbe es nur, wenn es gegen eine Diktatur a la Pol Pot, Mao Tsetong, Stalin, Hitler, Idi Amin, Arafat und solche Regime ginge. Davon ist Thailand aber mehr als meilenweit entfernt. Es ist eine Demokratie mit großen Geburtsschwierigkeiten. Die Deutschen haben es doch der Welt vorgmacht, wie schwierig das ist, aus einem alten autoriären System im Kaiserreich hin zu einer funktionierenden parlamentarischen Demokratie zu kommen. Das kann hundert Jahre dauern. Warum sollte es gerade in Thailand wesentlich reibungsloser ablaufen?

  6. Avatar hanseat sagt:

    Moin Paul,
    tausche einmal den von dir eingesetzten Namen Suthep gegen Thaksin aus. Dein Kommentar hätte immer noch Gültigkeit.

  7. STIN STIN sagt:

    Paul,

    für uns ist er natürlich kein Hero. Ich sehe ihn als alten Polit-Fuchs, der wohl auch keine reine Weste hat. Nur ich habe mit Trang und Surat telefoniert (einer davon Kamnan) – die sehen das anders. Für die ist er schon eine Art Hero und auch die Protester in der City Hall Phuket sehen das auch so.

    Richtig, die alte Elite wehrt sich dagegen – von einer neuen Elite unter Thaksin beiseite gedrängt zu werden. Muss man aber auch irgendwie verstehen. Da kommt ein normaler Polizist durch dubiose Geschäfte zu Reichtum, gründet mehrere Telekom-Unternehmen und versucht sich dann in der Politik. Al er es dann verfassungswidrig geschafft hat, PM zu werden, bekommen die alten Eliten natürlich erstmal keine Telekom-Lizenzen, sondern erstmal die Shin Corp. Ebenso beim Verkauf – die alten Eliten mussten Steuern zahlen, wenn sie Unternehmen ins Ausland verkaufen – Thaksin schneidert sich dazu ein eigenes Gesetz – als PM. Das kann nicht gut gehen.

    Thaksin ist kein Demokrat, sondern ein machtgieriger Despot. Ein guter Vorzeige-Demokrat war Chuan Leekpai.

  8. Avatar Paul sagt:

    Suthep ist weder Märtyrer noch Volksheld. Er ist ganz einfach ein Scharlatan und Rattenfänger. Einer, der von den Fleischtöpfen der Macht verdrängt wurde und jetzt diese allein für sich haben will. Dafür riskiert er ein Blutbad unter den Menschen, die ihm blindslings folgen, ohne genau zu wissen, was er vor hat. Emotionen statt Verstand regieren den jetzigen Konflikt. Aber Emotionen statt Verstand regieren im Grunde genommen ganz Thailand. Das betrifft alle, vom einfachen Landbewohner, über die Polizei bis hin zur Regierung. Manche Westler bezeichnen diese Herangehensweise ans Leben fälschlicherweise auch als Sanuk.

    Deshalb ist es ratsam, sich als Farang da raus zu halten. Man kann mit Thais nicht rational diskutieren. Die können es einem sehr übel nehmen, wenn man eine andere Meinung vertritt oder sie mit Argumenten in Bedrängnis bringt. Das kann tödlich enden.

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