Lasst mal Demokratie beiseite….

Bangkok – Wie immer, wenn sich Thailand in einer Krise befindet, gibt es Leute, die von der undemokratischen Herangehensweise der Parteien verblüfft sind.

Ich antworte dann immer: Wenn man Demokratie als Maßstab für die Streitereien der Menschheit heranzieht, haben Sie vermutlich Recht, wenn Sie sagen, das ist demokratisch und das ist undemokratisch. Das hilft jedoch nicht dabei, die Realität zu verstehen. Kurz gesagt, theoretisch betrachtet hätten Sie im Allgemeinen Recht, im Besonderen hätten Sie aber keine Ahnung.

Betrachten Sie die Angelegenheit aus einem undemokratischen Blickwinkel und verstehen Sie, dass ein Kampf ein Kampf ist. Demokratie hat damit nichts zu tun. In einem Kampf sagt niemand: „Schlagen Sie mir nicht ins Gesicht, das ist undemokratisch.“ Vielmehr sollten Sie erwarten, dass man Ihnen mit dem Fuß in den Unterleib tritt.

Zu sagen, Premierministerin Yingluck solle dieses tun oder Protestanführer Suthep Thaugsuban jenes, wäre sicherlich richtig. Ich aber würde sagen, was sie tun sollten, hat damit gar nichts zu tun. Stattdessen geht es darum, was sie tun müssen, um den Kampf zu gewinnen, denn nur darum geht es.

Es ist für westliche Länder undemokratisch, in Entwicklungsländern Viehzüchter und Farmer niederzumetzeln oder ganze Landstriche und Städte mit Bombenteppichen zu belegen. (Mögen Sie nicht auch den Geruch von Napalm am Morgen?) Und doch wird das getan – im Namen der Demokratie, denn ein Kampf ist ein Kampf, und verdammt noch mal, diese bösen Schäfer hassen doch Freiheit und Demokratie. Na bitte.

Klassenkampf? Sicherlich, wenn Sie damit die neue Klasse der Elite und die alte Klasse der Elite meinen. Wille des Volkes? Natürlich, so wie von beiden Seiten der Elite diktiert. Das Volk wird tun, was von ihm erwartet wird, den Führern folgen. Sagen Sie, es soll springen, und es wird fragen: Auf wen?

Also kann man Suthep verstehen, was aber nicht heißt, ihn zu entschuldigen oder zu unterstützen. Verstehen Sie, dass er keine Skrupel hat und keine demokratischen Ansprüche. Er ruft zu einem landesweiten Aufstand auf, um die demokratisch gewählte Regierung zu stürzen.

Er will dann die Wahldemokratie aussetzen, Reformen durchsetzen, das „Thaksin-Regime ausradieren“ und dann wieder zur Wahldemokratie zurückkehren. Die Forderung nach einem vom König eingesetzten Premierminister ist dabei nur Show.

Aufstand? Suthep würde Ihnen sagen, jawohl, es ist eine Rebellion. Was für eine Rebellion also?

Die Antwort ist, dass Suthep den Kampf nicht in der Wahlkabine gewinnen kann. Hinzu kommt, dass die politische Maschinerie Thaksin Shinawatra seit 2001 ohne Unterbrechung Wahlen gewinnt und sich das in naher Zukunft auch nicht ändern wird. Daher muss Suthep die Wahldemokratie verabschieden – vorübergehend, wie er sagt.

Die Beinahe-Monopolisierung der Parlamentssitze auf dem Land, 162 Sitze im Norden und Nordosten, ist ein riesiger Vorteil für jede Partei, die Thaksin nahe steht. Sutheps Reform sieht daher als Hauptpunkt vor, die thailändische Wahllandschaft zu ändern, wieder einmal, weil es nicht geklappt hat, als die Verfassung diesbezüglich im Jahre 2007 zugunsten der Demokratischen Partei geändert wurde.

Wenn er gewinnt und wenn er die Wahldemokratie nach Thailand zurückbringt, wird es keine Stellvertreterpartei Thakins geben, keine Marionette Thaksins und keinen Thaksin-Klon, gegen den Suthep den Wettbewerb verlieren könnte. Somit winkt der Sieg. Ein Kampf ist ein Nullsummenspiel, und Sutheps Strategie ist köstlich machiavellistisch. Sie können das Spiel nicht gewinnen? Dann ändern Sie einfach die Regeln. Mit den neuen Regeln kann Suthep demokratische Rechtmäßigkeit behaupten.

Doch warum überhaupt der Kampf? Der richtet sich gegen das Monopol der Macht von Thaksins politischer Maschinerie. Demokratie ist nichts weiter als ein Werkzeug, um dieses Monopol zu schaffen.

Die Welt ist voller Regime, die durch demokratische Wahlen legitimiert sind, obwohl diese Länder von einem starken Mann regiert werden, einem Oligarch. Thailand hat auf diesem Gebiet sehr viel Erfahrung. Das bedeutet nicht, dass Suthep für eine gute Sache kämpft.

Ziel von Suthep ist, die neue Gruppe von Oligarchen durch die alte Gruppe von Oligarchen zu ersetzen. Welche Gruppe von Oligarchen ist besser? Das kommt darauf an, wen Sie fragen. Ich sage immer, dass über 15 Millionen für die neue Oligarchie sind und über elf Millionen für die alte Oligarchie – basierend auf dem Wahlergebnis vom Juli 2011.

Beide Seiten haben sowohl Arme als Anhänger als auch Teile der Mittelklasse und der Oberklasse. Auf der obersten Ebene jedoch sind es eine Handvoll Milliardäre, die einer anderen Handvoll Milliardäre gegenüberstehen.

Aber warum jetzt? Das liegt daran, dass in naher Zukunft – und dieser Zeitpunkt rückt näher und näher – ein großer Wandel in Thailand stattfinden wird. Beide Oligarchie-Fraktionen wollen das Ruder in der Hand haben und sicherzustellen, dass der Wandel in ihrem Sinne geschieht, was Macht und Einfluss betrifft.

Wenn Suthep siegt, wird die westliche Welt das verurteilen, aber es wird keine ernsthaften Probleme wie Sanktionen geben. Politiker in aller Welt werden politisch korrekt ihr Bedauern äußern, wissen aber sehr gut, dass Demokratie damit nichts zu tun hat. Wir könnten eine Diktatur sein, das war in den letzten 80 Jahren schon häufiger der Fall, aber so lange Thailand sich im Netzwerk der westlichen Verbündeten befindet und für Geschäfte gut ist, gehören wir dazu.

In einem Kampf bedeutet es nicht, das Richtige zu tun, indem Moral und Demokratie beachtet werden, vielmehr geht es um den Sieg. Tod, Zerstörung und wirtschaftliche Ausfälle sind nur Kollateralschäden. Fragen Sie einfach Gelbhemden-Führer Sondhi Limtongkul oder Rothemden-Führer Jatuporn Prompan.

Die große Frage in der thailändischen Politik lautet immer: Welchen Weg wird das Militär einschlagen? Oder besser: Ist das Militär unter einer Führung vereint? Wenn die Männer in grün nicht mit mischen, kann der Kampf weder auf der Straße noch hinter den Kulissen gewonnen werden.

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Thaifreund
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Thaifreund
6. Dezember 2013 3:28 pm

STIN,

ich lach mich schief über die Ergebenheit, Nordkorea ist wohl das Vorbild für die royalen Anhänger. Auch dort erfindet der große Führer alles und kann alles. Aber wer zu alt oder zu schwach ist, sollte ein Einsehen haben und zurücktreten.

Thaifreund
Gast
Thaifreund
6. Dezember 2013 11:44 am

also ein Universalgenie, der Staudämme baut. den Biodiesel erfunden hat, Lieder komponiert, den Leuten den Reisanbau und die Landwirtschaft erklärt.
Man kann das dann auch erfolgreiche Propaganda nennen…
Nur in dem Job als Staatsoberhaupt sieht man ihn selten…
Aber wirklich: Ich möchte nicht unterhalb eines Staudamms leben, der ohne Ingenieurswissen zusammengenagelt und betoniert wurden. Vielleicht hat ja dann der eine oder andere Ingenieur aus dem Ausland noch etwas nachgebessert

hanseat
Gast
hanseat
6. Dezember 2013 12:44 pm
Reply to  Thaifreund

Nur in dem Job als Staatsoberhaupt sieht man ihn selten…

Moin Thaifreund,
wenn du etwas von Thailand und der bisherigen Arbeit des Königs gesehen (TV) oder gehört haben solltest, könntest du etwas nicht schreiben. Der „Alte Herr“ hat gerade seinen 86igsten Geburtstag gefeiert und selbst dir muss es nicht unbekannt sein, dass es mit der Gesundheit des Königs nicht zum Besten steht. Da kommst du und monierst, dass das „Staatsoberhaupt selten zu sehen ist? Soll er noch, wie mit 50 in die Dörfer fahren, um mit den Bürgern über seine Wasserprojekte zu sprechen? Vielleicht erkundigst du dich einmal über die Vielzahl von Stauseen, die der Monarch hat anlegen lassen, um u.a. auch in den heute durch Rote befreite Dörfer mit zuwenig oder zuviel Wasser damals zur Hilfe zu kommen?

Aber wirklich: Ich möchte nicht unterhalb eines Staudamms leben, der ohne Ingenieurswissen zusammengenagelt und betoniert wurden. Vielleicht hat ja dann der eine oder andere Ingenieur aus dem Ausland noch etwas nachgebessert

Dann nenne ich das einmal Propaganda deinerseits…

hanseat
Gast
hanseat
7. Dezember 2013 12:01 pm
Reply to  hanseat

Moin Thaifreund,
meinst du dass dein Name angebracht ist, wenn du so unqualifiziert‎ den Monarchen versuchst nach Masche der Roten Dörfer zu verleumden?
Unwissenheit kann es wohl nicht sein, denn selbst du hättest dich bei wickipedia schlau machen können. Dort steht u.a. auch für dich nachlesbar:

Nach dem Ablegen seiner Maturität am Gymnasium in Lausanne, nahm er ein Studium der Technischen Wissenschaften auf.
Entwicklungsprojekte
Der König startete mehr als 1000 größere und kleinere Projekte, mit denen das gesamte Spektrum der ländlichen Probleme Thailands angesprochen wird (von der Einführung neuer Nutzpflanzen über die Wasserhaltung, von der Trockenlegung von Sümpfen bis zur Erhaltung der letzten Regenwälder des Landes).
Landwirtschaft, Bewässerungsprojekte, Rettungsdienst, Gesundheitswesen waren und sind zum Teil noch Problemfelder, für deren Verbesserung er persönlich sorgte und die er weiterhin tatkräftig begleitet. Unter anderem sorgte er für den Rückbau des Opiums im Norden und förderte den Anbau von Pflanzen und Früchten mit hohem Ertrag, die auf gemäßigtes Klima angewiesen sind. Auf dem Palastgelände betreibt er eine Versuchsfarm, die sich mit Viehzucht und experimentellem Fruchtanbau beschäftigt.

Nachzulesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Bhumibol_Adulyadej

Thaifreund
Gast
Thaifreund
6. Dezember 2013 9:28 am

STIN,

Staudämme bauen macht der König selbst? Hat er noch ein Ingenieursstudium jetzt gemacht? Oder geht das in Thailand auch ohne?

Thaifreund
Gast
Thaifreund
6. Dezember 2013 9:26 am

der Artikel ist -wie viele andere auch- zu 100% aus der Bangkokpost abgeschrieben und übersetzt für diejenigen hier, die nicht einmal englisch können.

Und da sind wir schon beim Thema: Wer ernsthaft sagt” laßt mal Demokratie beiseite” der meint damit ohne es auszusprechen “Willkommen für jede Diktatur”
Das mag man noch verstehen bei Leuten ohne Bildung, für jeden aber, der nur etwas im Geschichtsunterricht in der Schule aufgepaßt und auch verstanden hat ist das unwürdig. Außer eben, er ist selbst undemokratisch und ahnungslos.

Die Bangkokpost ist schon seit Jahren das Sprachrohr der ewig gestrigen Royalisten und knickt dank 112 regelmäßig ein. Für was braucht man in Thailand eigentlich 112 wenn doch die Liebe so groß ist?
Ein Land, was sich aufmacht in Richtung Moderne, wird das mit Zensur, 112 und ohne Demokratie niemals schaffen.

hanseat
Gast
hanseat
6. Dezember 2013 12:28 pm
Reply to  Thaifreund

Moin Thaifreund,
du reitest so sehr auf den 112er herum. Wie siehst du denn die versteckten 112er der Thaksin-Anwälte? Wird nicht momentan der Bürgermeister von Bangkok angeklagt, weil er den Demonstranten Toilettenhäuschen, gegen den Willen der Staatsmacht, zur Verfügung gestellt hat? Jeder, der sich in der Öffentlichkeit gegen die Projekte der Regierung kritisch äußert, muss mit einer Abmahnung in hoher Summe rechnen. Selbst der 112er wird gerne von der genannten Anwaltsseite benutzt, um nicht regierungskonforme Meinungsäußerungen in Schach zu halten. Und nun kommst du mit der 112er Keule?

claudio
Gast
claudio
6. Dezember 2013 7:58 am

Obige Ausführungen sind nicht unrichtig, doch in Bezug auf Thailand wird dabei ein wichtiger Punkt vergessen.
Hier gibt es eine Monarchie und diese wird vom Volk, egal welcher “Farbe” nahezu göttlich verehrt.
Daß es nunmehr viele Befürworter für eine Absetzung des “Regimes” unter Taksin gibt, liegt weniger an demokratischen Bestrebungen irgendwelcher “Führer” sondern viel einfacher daran, daß der Taksin-Clan die Monarchie abschaffen möchte und daß würde unweigerlich in einen echten Bürgerkrieg ausarten. Da braucht man die Tugenten und Machenschaften eines Taksin Shinawatra erst gar nicht aufzuzählen beginnen.

Wer zum Geburtstag des Königs die Übertragungen und Einspieler auf den diversen TV-Kanälen verfolgt hat, wird es wohl auch aktuell festgestellt haben.