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Thai­lands Ergeb­nisse bei den PISA-Prü­fun­gen (Pro­gram for Inter­na­tion­al Stu­dent Assess­ment) der OECD, bei denen die Lesekom­pe­tenz, die math­e­ma­tis­chen Fähigkeit­en und die natur­wis­senschaftlichen Ken­nt­nisse von 15-Jähri­gen gemessen wer­den, waren noch nie so schlecht. Im Jahr 2019 lag Thai­land mit seinen PISA-Ergeb­nis­sen auf Platz 66 von 79 Län­dern. Dies spiegelt ein Bil­dungssys­tem wider, von dem jed­er weiß, dass es kaputt ist und das nie­mand in der Lage war, zu reparieren.

In Anbe­tra­cht der Tat­sache, dass Thai­land bei den PISA-Prü­fun­gen immer wieder schlecht abschnei­det, sollte das diesjährige Ergeb­nis nicht über­raschen. In allen Bere­ichen schnit­ten die thailändis­chen Schüler schlecht ab und rang­ierten unter mehreren ASEAN-Mit­gliedern wie Viet­nam und Malaysia. Doch in diesem Jahr haben die Ergeb­nisse zweifel­sohne für Aufre­gung im Land gesorgt.

Laut OECD war die durch­schnit­tliche Leis­tung im Jahr 2022 niedriger als bei allen vor­ange­gan­genen Bew­er­tun­gen: Der Rück­gang der durch­schnit­tlichen Punk­tzahl zwis­chen 2018 und 2022 bestätigte und ver­stärk­te einen Rück­gang, der bere­its zwis­chen 2012 und 2015 begonnen hat­te. In den let­zten zehn Jahren ist die Zahl der Schüler, die in Math­e­matik unter dem von der OECD als Basis­niveau ange­se­henen Leis­tungsniveau lagen, um 19 Prozent gestiegen, in Lesen sog­ar um 32 Prozent.

Für diesen Rück­gang gibt es eine offen­sichtliche Erk­lärung: Wir alle wussten, dass der Fer­nun­ter­richt nur ein blass­er Schat­ten der Qual­ität des Unter­richts ist, die ein Präsen­zun­ter­richt bieten kann — der freilich bere­its mit Prob­le­men behaftet war. Dies war in der Tat ein glob­ales Phänomen: Die PISA-Ergeb­nisse gin­gen weltweit zurück. In Thai­land haben die lan­gen Schulschließun­gen während der Pan­demie den anhal­tenden Rück­gang des Bil­dungsniveaus noch verschärft.

Obwohl es sich um ein sehr ern­stes Prob­lem han­delt, soll­ten wir uns von der durch den Covid aus­gelösten Bil­dungskrise nicht davon ablenken lassen, einige thai­land­spez­i­fis­che Prob­leme zu unter­suchen. Über­all haben Schüler unter den Schließun­gen gelit­ten; über­all wer­den die Schulen mit der Auf­gabe kon­fron­tiert sein, eine ganze Gen­er­a­tion von Schülern wieder auf den gle­ichen Stand zu bringen.

Noch beun­ruhi­gen­der ist, dass Thai­land in den let­zten zehn Jahren, sog­ar schon vor der Covid-Krise, keinen wirk­lichen Plan zu haben schien, um den Bil­dungsrück­gang aufzuhal­ten, geschweige denn dafür zu sor­gen, dass unsere Schüler mit den Gle­ichal­tri­gen in der Region mithal­ten kön­nen. Bere­its im August war ein Bericht des Thai­land Devel­op­ment Research Insti­tute, in dem die Vorgänger­regierung bew­ertet wurde, zu dem Schluss gekom­men, dass die Regierung Prayut in den neun Jahren ihrer Amt­szeit keine erfol­gre­iche Lehrplan­re­form durchge­führt hat, während ihre ​“inno­v­a­tiv­en Bil­dungssand­kästen” keine ein­deuti­gen Ergeb­nisse erbracht haben.

Die Tat­sache, dass es ein­er Regierung, die neun Jahre lang an der Macht war, davon fünf Jahre mit absoluter Macht, nicht gelun­gen ist, die Bil­dungsre­form voranzutreiben, kön­nte mit der Zeit als eine der größten ver­passten Chan­cen ange­se­hen wer­den. Eine Regierung, die so oft vom Auf­bau eines ​“Thai­land 4.0” auf der Grund­lage ein­er wis­sens­basierten Wirtschaft sprach, tat nicht genug, um die näch­ste Gen­er­a­tion Thai­lands mit den Fähigkeit­en auszus­tat­ten, die notwendig sind, um dieses Ziel tat­säch­lich zu erreichen.

In der Zwis­chen­zeit hat sich die Regierung Sret­tha an der Bil­dungs­front rel­a­tiv ruhig ver­hal­ten (vielle­icht war sie zu sehr von ihrem Streben nach kurzfristi­gen Gewin­nen abge­lenkt). Eine auf­fäl­lige Ankündi­gung im Sep­tem­ber war die Wieder­bele­bung der Yingluck-Ära ​“ein Tablet-PC pro Kind” (was, um es klar zu sagen, ein Fehler war und bleibt). Vor drei Wochen schlug der stel­lvertre­tende Pre­mier­min­is­ter Anutin Charn­vi­rakul die Wiedere­in­führung des Staats­bürg­erkun­de­un­ter­richts vor, aber das wird die Krise im Lesen und in der Math­e­matik nicht beheben.

Der thailändis­che Bil­dungsmin­is­ter, Gen­er­al Permpoon Chid­chob, hat zuge­sagt, die Ver­ant­wor­tung zu übernehmen, wenn sich Thai­lands PISA-Ergeb­nisse bei der näch­sten Bew­er­tungsrunde im Jahr 2025 nicht verbessern soll­ten. Er hat auch eine Lösung ins Spiel gebracht: die Zahl der Mul­ti­ple-Choice-Fra­gen in den Tests zu reduzieren und mehr offene Fra­gen zu stellen.

Aber haben wir nicht schon seit Jahrzehn­ten über diese Lösun­gen gesprochen? Und ist dies etwas, das dem Pre­mier­min­is­ter wirk­lich am Herzen liegt? Diese Regierung hat seit ihrem Amt­santritt kaum ein Zeichen der Dringlichkeit im Bil­dungs­bere­ich gesetzt.

In sein­er poli­tis­chen Erk­lärung vor dem Par­la­ment, als er Pre­mier­min­is­ter wurde, sagte Sret­tha: ​“Diese Regierung wird eine Poli­tik vorantreiben, die darauf abzielt, das Bil­dungssys­tem zu reformieren und eine Gesellschaft zu schaf­fen, die lebenslanges Ler­nen fördert.” Und wie? In den let­zten Monat­en hat­te der Pre­mier­min­is­ter viel Zeit, um ein unüber­legtes ein­ma­liges Kon­junk­tur­pro­gramm zu fördern. Bil­dung? Rel­a­tiv unbeachtet.

Ohne kreative Arbeit­skräfte, die effek­tiv lesen und neue Ideen ver­ar­beit­en kön­nen, kann man keine echte kreative Wirtschaft auf­bauen — Entschuldigung, ich meinte ​“Soft Pow­er”. Man kann keine inno­v­a­ti­vere Wirtschaft auf­bauen — die einzige Möglichkeit, Thai­land aus dem langfristi­gen Zyk­lus des gerin­gen Wach­s­tums her­auszuführen -, wenn die Arbeit­skräfte in den MINT-Fäch­ern schlecht abschnei­den. Geben Sie jeman­dem 10.000 Baht, und er kann sie (inner­halb eines bes­timmten Kilo­me­ter­ra­dius) ein paar Monate lang nutzen. Geben Sie ihnen die Fähigkeit­en … und Sie ver­ste­hen den Punkt.

Alle paar Jahre ger­at­en wir wegen der PISA-Ergeb­nisse in Panik. Es ist jedoch eine Schande, dass wir nur dann in Panik ver­fall­en, wenn sie veröf­fentlicht wer­den. Es wäre ein hoff­nungsvolles Zeichen, wenn diese Regierung über einen län­geren Zeitraum in Panik geri­ete, damit sie sich ern­sthaft für die Verbesserung der Bil­dung in Thai­land einsetzt. / The Thai Enquirer

 

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Von STIN

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berndgrimm
Gast
9. Dezember 2023 9:29 am
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In TH zaehlt nicht Bildung sondern Einbildung und dort liegt man weltweit wirklich ganz vorn. Und man kann immer hoffen dass man in Sachen Volksverbloedung von D oder gar Finland ueberholt wird.
Ich war haeufig beruflich in Finland und hatte auch einige finnische Freunde.
Die Finnen haben die Tatsache dass sie in Sachen effektiver Schulbildung die Nummer 1 waren nie selber geglaubt.
Sie wollten nirgendwo (ausser im Eishockey und im Ralleyfahren) die Nummer 1 sein. Aber sie wollten trotz ihrer Randlage und ihrer seltenen (seltsamen) Sprache (kipis) ein Teil Westeuropas sein.
Und es sah anfangs wirklich nicht danach aus.Als ich 1980 zum ersten Mal mit unserem japanischen Firmenpraesident in Helsinki war meinte der nur : looks like Russia. Da konnte ich ihm nicht widersprechen. Und wer die Verhaeltnisse dort erlebt hat konnte sehr gut verstehen warum sie soviel Wodka tranken. Kipis eben.

berndgrimm
Gast
10. Dezember 2023 6:11 am
Reply to  STIN

Ohne Ranking geht der STIN nie ins Bett.
Ich brauch kein Ranking sondern schreibe von meiner eigenen Erfahrung.Schliesslich habe ich mehrere Jahre als Mathe-Tutor und BWL-Dozent an privaten “Lehranstalten” in TH gewirkt.
Ich weiss aus eigener Erfahrung wie schwierig es heutzutage ist den Kids Mathe oder wenigstens Rechnen beizubringen.
Weltweit.
Und ich finde die Thai Methode den Schueler(inne)n Geschenke zu geben wenn sie zum Tutoring kommen durchaus ueberlegenswert.
Mathe ist nicht populaer und wird im spaeteren Berufsleben kaum gebraucht.Aber zumindest die Grundrechenarten sollte man beherrschen.
Ich war immer der Klassenbeste in Mathe obwohl ich sehr faul war. Ich musste ja auch nicht lernen weil ich eine natuerliche Begabung dafuer hatte.Ich rechne heute noch viele Sachen im Kopf weil es schneller geht als mit dem Rechner.Mir machen Zahlen auch spass. Besonders auf der Habenseite meiner Konten.
Wenn es nach meinen Eltern und meinen Lehrern gegangen waere haette ich Mathe Professor werden sollen.Aber selbst mir war Mathe zu langweilig.Ausserdem konnte man damals auf dem Gebiet nix verdienen.Und Geld war fuer mich wichtig.Nicht zum Ausgeben sondern Geld brachte mir Unabhaengigkeit. Und dies war fuer mich das Wichtigste.
Geld ist auch den Thai sehr wichtig.Aber nicht um unabhaengig zu sein sondern um es fuer irgendwelchen Prestige Tand herauszuwerfen.Und natuerlich am liebsten das Geld von Anderen.
So tun als ob….. Das ist die Thai Lebenseinstellung und meistens klappt die Verarsche ja auch.Bei STIN 100%ig.
Natuerlich wird man mit so tun als ob nirgendwo gut ausser als Schauspieler und als Politiker.
Aber das sind eintraegliche Jobs.