Bangkok: Neues Cannabis-Gesetz verschärft Strafen bei Anbau, Einfuhr und Handel

Das neue Cannabis­ge­setz, das sich durch das Par­la­ment schlän­gelt, ver­schärft die Strafen und sieht Gefäng­nis­strafen für den Anbau, den Verkauf und die Ein­fuhr ohne Lizenz sowie für die Ver­mark­tung und Wer­bung für die Droge vor, die im Juni 2022 von der Liste der Betäubungsmit­tel gestrichen wird.

Die umstrit­ten­ste Bes­tim­mung ist jedoch die Ver­hän­gung von Geld­strafen für das Rauchen in der Freizeit, selb­st in den eige­nen vier Wän­den. Dies wurde von vie­len verurteilt, darunter auch von der langjähri­gen Ver­fech­terin der Cannabisle­gal­isierung und Unternehmerin Chok­wan Kit­ty Chopaka.

“Die ganze Diskus­sion über Medi­zin und Freizeit ist zu schwarz-weiß”, sagte sie zu Dave Kendall in der let­zten Folge des Bangkok Post Pod­casts Deep­er Dive.

“Sagen wir, ich habe einen Joint — ich rauche etwa einen Zen­time­ter davon, und es hil­ft gegen meine Migräne. Ich kann jet­zt noch zwei, drei Stun­den sitzen und arbeit­en, Doku­mente lesen und recher­chieren, aber der zweite Zen­time­ter dieses Joints — weil ich die Migräne nicht mehr habe, bin ich jet­zt glück­lich. Heißt das, dass das ein Freizeitvergnü­gen ist? Es ist also nie wirk­lich schwarz oder weiß. Wir soll­ten auch in der Lage sein, das anzubauen, was wir in unserem Haushalt ver­wen­den”, sagte Frau Kitty.

“Dieser neue Geset­zen­twurf lässt den Eige­nan­bau und den Eigenge­brauch nicht zu. Wenn man anbaut, muss man verkaufen. Wenn man es ver­wen­den will, muss man es kaufen. Das zeigt wirk­lich, wie viele Rechte man uns nehmen will.”

Auf die Frage nach den zahlre­ichen Beschw­er­den über das Rauchen von Cannabis antwortete sie. ​“Ich kon­nte keine f****** Tele­fon­num­mer find­en, die ich anrufen kon­nte, um eine Beschw­erde einzure­ichen. Wir hat­ten sog­ar Gespräche mit der Gesund­heits­be­hörde. Es ist so schw­er, über­haupt jeman­den ans andere Ende des Tele­fons zu bekom­men, um Fra­gen zu stellen oder zu sagen: ​‘Hey, da ist ein [unl­izen­ziert­er] Laden, der vor ein­er Schule verkauft’ oder so etwas in der Art, dass es keine Möglichkeit gibt, Beschw­er­den vorzubrin­gen. Ich würde mich auch gerne beschweren!”

Ein Grund für die Notwendigkeit von Geset­zen ist ihrer Mei­n­ung nach die Möglichkeit, das zu kon­trol­lieren, was sie als ​“schlechte Akteure” beze­ich­net. Ein weit­er­er Grund ist finanzieller Natur: Die thailändis­che Han­del­skam­mer geht davon aus, dass der Wert der Cannabisin­dus­trie im Jahr 2025 43 Mil­liar­den Baht erre­ichen wird, so dass ein neues Gesetz notwendig ist, damit sich die Inve­storen sich­er fühlen. Und den­jeni­gen, die befürcht­en, dass die wahre Absicht des neuen Geset­zes darin beste­ht, die Branche zu schließen, sagt Frau Kit­ty, dass sie dafür inzwis­chen zu etabliert ist.

“Wenn man die Schnell­straße ent­langfährt, sieht man so etwas wie Doc­tor CBD oder CBD Water”, sagte sie im Pod­cast. ​“Man geht zu 7‑Eleven und sieht Cannabiswass­er … es hat sich langsam in Thai­land inte­gri­ert … nicht anders als, sagen wir, Alko­hol oder Süßigkeit­en oder Snacks.”

“Ich würde sagen, dass wir inner­halb dieses Jahres wahrschein­lich einige dieser Unternehmen an die Börse gehen sehen wer­den … es gibt wirk­lich kein Zurück mehr.”

In Wirk­lichkeit han­dele es sich bei dem Geset­zen­twurf um einen Machtkampf, bei dem es darum gehe, wer — oder welche Behörde — in den näch­sten fünf Jahren Eigen­tümer von Cannabis sein werde.

“Es geht nicht um Cannabis, es geht um poli­tis­che Posi­tion­ierung … eher um ein Pfand, das sie benutzen oder irgend­wie aus­tauschen oder herum ­schieben kön­nen.” Für viele Men­schen ist die größte Frage, ob das Ver­bot des Freizeitrauchens zusam­men mit der Geld­strafe von 60.000 Baht durchge­set­zt wer­den wird.

“Wenig­stens gibt es keine Strafanzeige”, sagte Frau Kit­ty. ​“Ich würde sagen, dass es eher eine Abschreck­ung ist, was zu mehr Erpres­sun­gen führt.

“Wis­sen Sie, das ist Thai­land … die Kor­rup­tion ist so weit ver­bre­it­et, dass es nicht lustig ist. Vergessen Sie nicht, dass die Polizei Sie nicht mehr auf der Sukhumvit oder an all den touris­tis­chen Plätzen aus­quetschen kann, weil sie von der Liste gestrichen wor­den ist. Sie müssen einen Weg find­en, um Geld zu ver­di­enen. Son­st dreht sich die Welt ein­fach nicht weiter.”

Bedeutet das, dass ein Polizist Ihre Tür mit­ten im Schlaf auf­brechen könnte?

“Das würde nicht passieren, denn das würde den Tourismus behindern. Ich glaube nicht, dass jemand an deine Tür klopfen würde, wenn du keinen Rauch durch die Fenster der Leute bläst.”

“Die Presse wird sagen: ‘Man kann es nicht als Freizeitbeschäftigung nutzen.’ Das bedeutet nicht, dass man die Leute vom Konsum abhalten wird. Aber zumindest werden sie sich von anderen Leuten fernhalten, damit sie nicht erwischt werden und niemanden wirklich belästigen. Es ist also nicht so, dass die Verhaftungen zunehmen werden oder dass es anders sein wird als vor der Legalisierung. Wir müssen einfach einen Weg finden, die neuen Regeln zu umgehen”, schloss sie.

Sie können das vollständige Interview mit Chokwan Kitty Chopaka in der neuesten Ausgabe des Deeper Dive Podcasts ansehen, indem Sie den QR-Code scannen, auf https://spoti.fi/3SgNSuB gehen oder nach “Deeper Dive Thailand” suchen, wo immer Sie Ihre Podcasts beziehen. / Bangkok Post

 

 

 

 

 

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gg1655
Gast
gg1655
3. Februar 2024 11:31 pm

Die umstrit­ten­ste Bes­tim­mung ist jedoch die Ver­hän­gung von Geld­strafen für das Rauchen in der Freizeit, selb­st in den eige­nen vier Wän­den.

Cannabis Rauchen im Dienst ist dann anscheinend in Ordnung.

“Wenig­stens gibt es keine Strafanzeige”, sagte Frau Kit­ty. ​“Ich würde sagen, dass es eher eine Abschreck­ung ist, was zu mehr Erpres­sun­gen führt.
“Wis­sen Sie, das ist Thai­land … die Kor­rup­tion ist so weit ver­bre­it­et, dass es nicht lustig ist. Vergessen Sie nicht, dass die Polizei Sie nicht mehr auf der Sukhumvit oder an all den touris­tis­chen Plätzen aus­quetschen kann, weil sie von der Liste gestrichen wor­den ist. Sie müssen einen Weg find­en, um Geld zu ver­di­enen.

Wahre Worte.

berndgrimm
Gast
5. Februar 2024 6:04 am
Reply to  gg1655

Vollkommen richtig.
Es geht ums Geld und sonst um garnix.Weniger um das Geld in die Staatskasse sondern um das Geld welches durch Erpressung/Korruption in die eigene Tasche fliesst.
Bericht aus der derzeitigen Realitaet in TH:
Unsere Security baut ihren Cannabis weiterhin neben unserer Anlage an.
Wo kein Klaeger da kein Richter.
Die “offiziellen” Hanfgeschaefte an der Sukhumvit zwischen Hnongmon und Chonburi Stadt haben “business as usual”.
Ich persoenlich wuerde mich freuen wenn man wenigstens die chronisch bekifften “Berufskraftfahrer” aus dem Verkehr ziehen wuerde.

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