General Prayuth Chan-ocha neuer Ministerpräsident

Der thailändische Armeechef Prayuth Chan-ocha gilt als royalistischer Hardliner. Aus seiner Abneigung gegen den Shinawatra-Clan hat er nie ein Geheimnis gemacht.

General Prayuth Chan-ocha, der sich in der Nacht auf Freitag zum amtierenden Ministerpräsidenten Thailands ernannt hatte, hat demokratischen Prozessen schon immer misstraut. Im April 2010, inmitten schwerer Unruhen in Bangkok, regte der damalige Armeechef Anupong Paochind Neuwahlen an, um die Krise zu entschärfen. Sein Stellvertreter Prayuth drang hingegen auf die Niederschlagung der Proteste – und setzte sich durch. 91 Personen wurden getötet, die meisten durch Kugeln der Armee.

Anders als Anupong, der versprach, die Armee werde nicht mehr putschen, lehnte Prayuth solche Zusicherungen ab. Der 60-jährige General, der bereits beim Coup gegen Thaksin Shinawatra seine Finger im Spiel gehabt haben soll, orchestrierte diese Woche den neunzehnten Staatsstreich seit der Abschaffung der absoluten Monarchie (1932) und brachte damit erneut eine mit den «Rothemden» liierte Regierung zu Fall.

Fragile Koexistenz

Vor den letzten ordentlichen Wahlen im Jahr 2011 hatte Prayuth dem Volk nahegelegt, nicht Politikern die Stimme zu geben, die das Königshaus geringschätzten. Die Breitseite galt dem Shinawatra-Clan, dem republikanische Anwandlungen unterstellt wurden. Der Souverän liess sich von der «Empfehlung» nicht beeindrucken und verhalf der Pheu-Thai-Partei und damit Thaksins Schwester Yingluck an die Macht.

Das Einvernehmen zwischen dem General, der seit 2010 die Königliche Thailändische Armee befehligt, und der politischen Neueinsteigerin war zunächst überraschend gut. Yinglucks Regierung liess dem royalistischen Hardliner, der im 21. Infanteriebataillon, der prestigeträchtigen Queen’s Guard, gross wurde, bei Personalentscheiden freie Hand. Er beförderte Offiziere, die sich bei der Niederschlagung der «roten Proteste» durch Entschlossenheit ausgezeichnet hatten, und stellte jene, die der Wankelmütigkeit oder gar der Nähe zu Thaksin verdächtigt wurden, auf ein Nebengeleise. Prayuth, den Weggefährten als ungeduldig und aufbrausend charakterisieren, verlangt seinen 300 000 Untergebenen absolute Loyalität ab – gegenüber ihm und der Monarchie.Ins Wanken kam die fragile Koexistenz zwischen den konservativen Eliten und Yingluck, als diese ein Amnestiegesetz auf den Weg brachte, das ihrem Bruder eine straffreie Rückkehr aus dem Exil in Dubai ermöglicht hätte. Der schwerreiche Tycoon, der sich in seiner Amtszeit verschiedentlich mit der Armee angelegt hatte, sieht sich als Opfer politischer Manöver. Nicht goutiert wurde von den Militärs auch Yinglucks Bestreben, den Senat wieder vollständig vom Volk wählen zu lassen. Damit wäre die Armee ihres Privilegs verlustig gegangen, selber Mitglieder für das Oberhaus zu nominieren. Dieses Vorrecht war das Resultat eines früheren Putschs.

Vorbelasteter Broker

Als die Protestbewegung PDRC im November 2013 Yingluck mit Massenkundgebungen und Blockadeaktionen unter Druck setzte, erklärte Prayuth gebetsmühlenhaft, die Armee verhalte sich neutral. Aufseiten der «Roten» mochte ihm niemand Glauben schenken; zu deutlich hatte er in der Vergangenheit seine Abneigung gegenüber den im Norden und Nordosten Thailands verankerten Thaksinisten zu erkennen geben. Dass die Armee einschreiten würde, um einer Regierung im Dunstkreis Thaksins beizustehen, konnte sich niemand vorstellen.

Prayuth Chan-ocha, der sein ganzes Leben in Kasernen verbracht hat, erreicht im kommenden September das Pensionierungsalter. Er will allerdings nur abtreten, wenn im südostasiatischen Königreich bis dahin wieder Ruhe und Ordnung eingekehrt ist.

 

 

 

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1 Antwort zu General Prayuth Chan-ocha neuer Ministerpräsident

  1. Avatar gg1655 sagt:

    Du lässt sehr gerne etwas weg scheint mir.
    In diesem Fall der nachstehende Absatz.
    Nicht goutiert wurde von den Militärs auch Yinglucks Bestreben, den Senat wieder vollständig vom Volk wählen zu lassen. Damit wäre die Armee ihres Privilegs verlustig gegangen, selber Mitglieder für das Oberhaus zu nominieren. Dieses Vorrecht war das Resultat eines früheren Putschs.

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